Miau, Wuff und Amen

Vierbeiner in Kloster und Pfarrhaus: Auch Priester und Ordensleute halten sich tierische Gefährten. Manche von ihnen helfen sogar in der Seelsorge - oder halten einfach nur für süße Fotos her.

Buntes | Bonn - 19.04.2017

Pfarrer Hans Blamm und Hund White

Ohne Hund zu leben, war für den Priester Hans Blamm keine Option – vor allem nicht, nachdem sein zweiter Hund eingeschläfert werden musste. "Wenn man nach Hause kam, war die Bude leer", erzählt der Pfarrer von St. Marien in Offenbach am Main. "Da ist einem die Decke auf den Kopf gefallen." Er war froh, als er White geschenkt bekam. Mit dem mittlerweile siebenjährigen kanadischen Schäferhund geht er täglich morgens, nach dem Mittagessen und abends Gassi. Nicht nur frische Luft für das Herrchen: "Der Hund will dann Zeitung lesen, also Duftmarken anderer Hunde schnuppern", erklärt Blamm. Auch ins Pfarrbüro kommt White, von Blamm respektvoll auch "Herr Hund" genannt, mit. Dort mache er bei Besuchern vor allem wegen seiner Größe Eindruck – nicht wegen seiner Stimme: "Der bellt nicht". Und oft sei er ein Eisbrecher, gerade bei Kindern: Zum Beispiel auf dem Weg zum Pfarrhaus, der an der Kindertagesstätte vorbeiführe. "Wenn ich dort mit White vorbeigehe, ist das das Highlight für die Kinder. Die wollen ihn alle streicheln."

Einen Trick beherrscht White natürlich auch: Wenn er höre, dass mit dem Papier eines Snacks geknistert werde, setze er sich hin, erzählt Blamm. "Ich frage dann: 'Wie macht der Hund?' und dann bellt er." Mittlerweile sind Blamm und sein Hund sogar über die Gemeinde hinaus bekannt, was vor allem an der Glosse "Der Pfarrer und sein Hund" liegt. Sie wird auf der Internetseite der Pfarrei veröffentlicht. In kurzen, humorigen Dialogen diskutiert Pfarrer Blamm aktuelle Geschehnisse mit "Herrn Hund". Der antwortet auf seine Weise mit "Wuff" – und am Ende sind sich beide immer einig. Geschrieben wird die Glosse nicht von Blamm selbst, sondern von der Internetredaktion der Pfarr-Webseite um Gemeindereferentin Gabriele Scheuermann. Blamm sei aber bisher mit allen Beiträgen einverstanden gewesen. Und White? Der hat inzwischen sogar seine eigene E-Mail-Adresse für Fanpost, wie es auf der Webseite heißt.

Pfarrer Hans Blamm in Wanderkluft mit seinem weißen Schäferhund "White".
Sie sind gerne gemeinsam unterwegs: Pfarrer Hans Blamm mit seinem Hund "White".
 Pfarrgemeinde St. Marien Offenbach am Main

Bruder Felix, Kater Titus und Katze Safira

"Mit Katzen hatte ich es gar nicht so", erzählt Bruder Felix Weckenmann, Benediktiner in der Erzabtei St. Martin zu Beuron. Aber dann war da die Katze im Kloster, die "irgendwo übrig" war, wie er erzählt. Und die sei dann in seinen Aufgabenbereich, die Gärtnerei, gekommen. "Daran habe ich mich doch sehr erfreut." Als sie verstarb, war für ihn und seinen Mitbruder Markus Alber klar: "Da muss wieder ein Tier her!" Einige Monate später entdeckten sie im landwirtschaftlichen Gebäude eine wilde Katze, die gerade drei Junge geworfen hatte. Sie behielten zwei, das Dritte gaben sie an eine Familie. "Ich weiß nicht, was sonst mit denen passiert wäre", meint der Mönch. Die Katzen bekamen ihren Platz im Gewächshaus: Dort stehen zwei mit alten Stoffresten ausgepolsterte Gemüsekisten, die den Katzen als Körbchen dienen.

Vor dem Kater ist nichts sicher

Inzwischen sind Titus und Safira fünf Jahre alt. Katze Safira sei zutraulich und gerne bei Menschen, "nicht unbedingt bei Fremden, aber wenn sie eine schwarze Kutte sieht, dann hat sie keine Scheu mehr." Bruder Felix lacht. "Sie ist wirklich sehr verschmust." Der Kater sei etwas reservierter. "Er lässt sich nur von uns beiden streicheln und tragen." Vor ihm sei zudem nichts sicher. "Der ist sportlich, der klettert auf das Gewächshaus und geht oben über die Öffnung rein." Wenn Titus dann doch mal schmusen wolle, sei das schon fast grob, so fest reibe er sein Köpfchen an Händen und Beinen. Und er ärgere gern seine Schwester: "Er springt ihr nach, sie rast dann davon, aber sie hat keine Chance", so der Benediktiner. Beim Fressen sei aber Safira die Chefin. "Sie drückt den Kater dann von der Schüssel weg und der lässt sich das gefallen."

Kater Titus und Katze Safira

Bruder Felix hat die Katzen schon längst ins Herz geschlossen. "Wenn man mal nicht so gut drauf ist und in den Garten kommt und dann sitzt da eine Katze – sofort hat das eine positive Wirkung!", erzählt er. Aber manchmal kämen sie ihm auch in die Quere, zum Beispiel kürzlich, als er in einer freien Stunde seinem Hobby Makro-Fotografie nachgehen wollte. "Ich wollte am Bienenhaus die winzigen Knospen des Scharbockskrauts fotografieren. Da ist dann die Katz' gekommen." Das sei typisch für Safira, meint der Mönch: "Die steigt dann auf einem rum und tritt auf die Blumen und stellt sich ins Licht, so dass ich sie wegschicken muss." Aber es nützte nichts: "Sie legte sich in die Sonne und schnurrte und schmuste – da hab ich stattdessen Fotos von ihr gemacht und gedacht: Wie im Paradies. Da bist du hin und weg."

Bei seiner täglichen Arbeit im Garten hat Bruder Felix immer wieder Gelegenheit, die Katzen zu beobachten. "Ich hab schon oft gemerkt: Von so einer Katze kann man lernen." Es gebe nämlich einen gravierenden Unterschied zum Menschen, der nie genug bekommen könne: "Die Katze frisst, bis sie satt ist, und dann ist sie zufrieden und will schlafen." Darüber hinaus sei er inzwischen überzeugt, dass bei Tieren viel mehr dahintersteckte als nur ein instinktgesteuertes Verhalten. "Der Kater zum Beispiel, wenn er der Katze auflauert." Der vermute dann, von wo Safira komme, welchen Weg sie nehme, um sie zu überraschen. "Einmal hat er sich zwischen Mülltonnen versteckt und immer wieder seinen Kopf hervorgestreckt, um zu sehen, ob sie um die Ecke kommt." Er hält kurz inne. "Die Katzen provozieren uns mit ihrer Lebensweise", meint er dann. "Na, weil sie halt nichts tun und viel schlafen. Wir arbeiten und verdienen ihr Futter mit!" Er lacht herzhaft und schiebt fast entschuldigend hinterher: "Gut, sie fangen auch Mäuse, das machen sie schon."

Schildkröte Wilma

Bruder Markus und Schildkröte Wilma

Bruder Markus Alber, Mitbruder von Bruder Felix, hält zwar auch viel auf die beiden Katzen. Aber sein Herz gehört der griechischen Landschildkröte Wilma. "Ich hatte als Kind schon eine Schildkröte, das war damals ganz modern." Der Wunsch, wieder eine Schildkröte zu besitzen, ließ ihn nicht los – 2008 bekam er dann Wilma. "Damals war sie nicht größer als früher ein Fünfmarkstück." Schildkröten faszinierten ihn einfach. "Die haben noch sowas Urzeitliches."

Mittlerweile wiegt Wilma etwa anderthalb Kilo. Tagsüber ist sie in einem großen Freigehege mit Gras, einem niedrigen Wasserbecken, Steinen und Erde. Das sei wichtig für ihre Beschäftigung: "Man denkt das nicht unbedingt, aber eine Schildkröte ist immer in Bewegung und auch sehr neugierig", erklärt der Benediktiner. "Sie schiebt gerne Dinge wie Steine oder Holzstücke herum. Und man muss etwas ins Gehege legen, über das sie drüber klettern kann." Auch keine Bewegung, die man als erstes mit einer Schildkröte verbinde: "Sie sieht so unbeweglich aus mit ihrem Panzer, aber sie probiert so lange, bis sie über das Hindernis klettern konnte." Futter wie Löwenzahn, Spitzwegerich und Klee finde Wilma in ihrem Freigehege. "Da grast sie dann selbst rum." Besondere Leckereien, zum Beispiel Feldsalatblätter, Erdbeeren oder Tomatenschnitze bringt ihr Bruder Markus dann und wann aus dem Klostergarten mit. "Besonders Feldsalat frisst sie gern."

Der Winterschlaf im Kühlschrank

Haus- und Nutztiere seien für ein Kloster immer schon üblich gewesen, meint Bruder Markus. "Und das hat auch einen positiven Effekt auf die Gemeinschaft." Eine Schildkröte sei da zwar eher ungewöhnlich, aber interessiere ihn sehr – ebenso, wie mit anderen Schildkrötenbesitzern zu fachsimpeln. "Jeder hat da andere Tricks, zum Beispiel wie man sie morgens rauslockt oder was sie gerne fressen." Um eine Schildkröte artgerecht zu halten, müsse man sich mit ihr beschäftigen, ist Bruder Markus überzeugt. "Katzen sind da anspruchsloser." Vor allem beim Überwintern könne man einiges falsch machen: Wie man das Tier richtig darauf vorbereite, ihre Ruhe überwache und dann die Anzeichen für das Aufwachen bemerke, zum Beispiel, sei eigentlich eine Wissenschaft für sich. "Die Schildkröte ist da schon empfindlich und daher kein Tier zum Spielen." Ihren Winterschlaf macht Wilma übrigens in einer Schachtel im Kühlschrank, "weil es nicht gefrieren darf und eine gleichbleibende Temperatur haben muss".

Mit den Katzen Safira und Titus verstehe sich Wilma übrigens ganz gut – oder vielmehr nicht schlecht. "Ich glaube, dass sie den Katzen einfach zu langsam ist", vermutet Bruder Markus. "Die beiden gehen schon mal hin und schnuppern, aber das ist denen zu suspekt." Katze Safira wisse aber sehr wohl das Gehege als Platz für ein Nickerchen zu schätzen. "Sie schläft dann neben der Schildkröte."

Von Johanna Heckeley

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