Missbrauch: Papst räumt "schwere Fehler" ein

Der chilenische Juan Bischof Barros soll Missbrauch vertuscht haben. Der Papst tat das zunächst als "Verleumdung" ab. Der Bericht seines Sonderermittlers veranlasste ihn nun zu einem Schuldeingeständnis.

Vatikan | Vatikanstadt - 12.04.2018

Papst Franziskus hat "schwerwiegende Fehler" im Umgang mit Missbrauchsfällen in Chile eingeräumt. Er habe sich "aufgrund eines Mangels an wahrheitsgemäßen und ausgewogenen Informationen" ein falsches Bild von der Situation gemacht, schreibt der Papst in einem Brief an die chilenischen Bischöfe, den der Vatikan und die chilenischen Bischöfe am Mittwoch veröffentlichten. Zugleich kündigte er an, dass er Chiles Bischöfe nach Rom einberufen wolle, um über Konsequenzen aus der Missbrauchs-Krise zu beraten.

Hintergrund des Briefs ist die Debatte über Bischof Juan Barros, Leiter der südchilenischen Diözese Osorno. Barros wird beschuldigt, von sexuellen Vergehen des Priesters Fernando Karadima gewusst zu haben. Der heute 87-jährige Karadima, einst einer der prominentesten Geistlichen Chiles, wurde 2011 wegen Missbrauchs verurteilt. Barros zählte zu seinem geistlichen Schülerkreis. Der Papst ernannte Militärbischof Barros Anfang 2015 zum Oberhirten von Osorno. Dadurch geriet auch Franziskus selbst in die Kritik.

Während seiner Chile-Reise im Januar nahm Franziskus den beschuldigten Geistlichen in Schutz: Es gebe "keinen einzigen Beweis" gegen ihn, sagte der Papst und sprach sogar von "Verleumdung". Bereits auf dem Rückflug entschuldigte er sich bei den Missbrauchsopfern für seine harsche Verteidigung des Bischofs. Im März entsandte er Bischof Charles Scicluna, den ehemaligen Missbrauchs-Anwalt der Glaubenskongregation, zu einer Visitation nach Chile. Scicluna war zunächst nach New York gereist, um mit Opfern Karadimas zu sprechen und war dann nach Chile weiter geflogen. Insgesamt haben Bischof Scicluna und sein Team 64 Aussagen von Beteiligten und Opfern gesammelt. Nach seiner Rückkehr hat er dem Papst einen 2.300 Seiten umfassenden Bericht vorgelegt.

Papst las Protokolle über Missbrauch mit "Schmerz und Scham"

Die Protokolle des Sonderermittlers hätten in ihm "Schmerz und Scham" ausgelöst, so der Papst.  Er sei dankbar gegenüber jenen, die "mit Ehrlichkeit, Mut und Sinn für die Kirche ein Treffen mit meinen Gesandten einforderten und ihnen die Wunden ihrer Seele zeigten". Er halte die Zeugenaussagen für glaubwürdig, so Franziskus.  Zugleich entschuldigte sich Franziskus erneut für sein Verhalten: "In diesem Augenblick entschuldige ich mich bei allen, die ich beleidigt habe, und ich hoffe, ich werde es in den kommenden Wochen bei den Treffen mit Vertretern der befragten Personen persönlich tun können."

Beeindruckt zeigt sich der Papst auch von der Diskretion, welche die Angelegenheit nicht in einen "Medienzirkus" verwandelt hätte. "In diesem Zusammenhang möchte ich den verschiedenen Organisationen und Medien für ihre Professionalität bei der Behandlung dieses heiklen Falls danken", heißt es im Brief wörtlich.

Franziskus dankte zudem Charles Scicluna, dem Erzbischof von Malta, und dem spanischen Priester Jordi Bertomeu Farnos, einem Rechtsexperten der Glaubenskongregation, für ihre "immense Arbeit". Die beiden Ermittler seien erschüttert gewesen angesichts von so viel Schmerz. Besonders schockierend seien die Berichte über den Missbrauch Minderjähriger "durch mehrere Geistliche Eures Landes", so der Papst in dem Schreiben an die Bischöfe Chiles. Franziskus äußert in dem Brief die Hoffnung, dass die gegenwärtigen Probleme auch eine Chance seien, "das Vertrauen in die Kirche wiederherzustellen".

Die chilenischen Bischöfe begrüßten den Brief des Papstes und drückten ebenfalls ihren Schmerz angesichts der Missbrauchsfälle aus. "Wir haben nicht genug getan", räumte Militärbischof Santiago Silva ein. "Doch wir setzen uns dafür ein, dass es sich nicht wiederholen wird", sagte der Vorsitzende der Chilenischen Bischofskonferenz. Die Bischöfe hätten alles verfügbare Material zu den Fällen dem Papst und seinen Ermittlern übergeben. Silva sicherte zu, dass alle Bischöfe des Landes am Treffen mit dem Papst teilnehmen werden, das in der dritten Maiwoche in Rom stattfinden soll. (tja/rom/bod/KNA)

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