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Katholikentag

Münster sagt "Nein"

Stadtrat hat finanzielle Zuschüsse für Katholikentag abgelehnt

Münster/Bonn - 26.03.2015

Die Entscheidung ist gefallen. Und sie lautete "Nein". Die Stadt Münster wird den Katholikentag im Jahr 2018 nicht finanziell bezuschussen. Am Mittwochabend lehnte der Stadtrat eine Vorlage von Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) ab. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), das den Katholikentag organisiert, muss nun mit 1,2 Millionen Euro weniger auskommen – und kritisiert die Entscheidung.

"Für uns ist es absolut unverständlich, warum dieser, seit Jahrzehnten bewährte und für alle Beteiligten, Stadt und Katholikentag, transparenteste Weg abgelehnt wurde", sagte der ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper am Donnerstag. Ob Regensburg, Mannheim oder zuletzt Leipzig, das Gastgeber für den Katholikentag 2016 ist – bisher haben die Städte das "Event" immer finanziell unterstützt. Die Entscheidung des Münsteraner Stadtrats ist also ein Novum in der fast 100-jährigen Geschichte der Veranstaltung.

Laut dem Beschluss, der mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linkspartei gefällt wurde, will Münster das ZdK 2018 lediglich durch Sachleistungen unterstützen. "Katholikentag willkommen, Barzuschuss abgelehnt", kommentierten die Münsteraner Sozialdemokraten ihre Entscheidung. Bereits im Herbst vergangenen Jahres waren Diskussionen über eine Bezuschussung aufgekommen. Vor allem "Die Linke" und die FDP äußerten immer wieder Bedenken. Die städtische Kassenlage lasse eine Finanzspritze nicht zu und es sei nicht einzusehen, dass die Stadt dafür Schulden aufnehme.

Stefan Vesper, ZdK-Generalsekretär auf einer Bank im Grünen
Stefan Vesper, ZdK-Generalsekretär  KNA

Geplante Kosten liegen bei 9,3 Millionen Euro

Die Kosten für die Veranstaltung sollen nach aktuellen Planungen bei rund 9,3 Millionen Euro liegen. Neben der Stadt Münster sollen sich auch der Bund mit knapp 400.000 Euro und das Land Nordrhein-Westfalen mit 1,6 Millionen Euro beteiligen. Seitens der Kirche werden vom Bistum Münster 1,5 Millionen Euro und vom Verband der Diözesen Deutschlands eine Million Euro erwartet. Die restliche Summe will das ZdK durch Eigenmittel wie Teilnehmerbeiträge aufbringen.

Oberbürgermeister Lewe hob in der Debatte immer wieder hervor, dass der beantragte Zuschuss lediglich ein Promille des Haushaltes umfasse, dem auch Einnahmen gegenüberstunden. ZdK-Sprecher Theodor Bolzenius betonte schon vor Monaten, dass die Stadt neben dem Veranstalter selbst "der zweitgrößte Nutznießer der Veranstaltung" sei. Immerhin gehe ein Vielfaches von dem, was ausgegeben werde, wieder an die Stadt zurück: durch die Tickets für den Nahverkehr, Veranstaltungsräume oder Übernachtungsmöglichkeiten und Verpflegung für die Teilnehmer.

Sind die Parteien religions- und kirchenfeindlich?

Doch den Stadtrat ließen diese Argumente kalt. Einige kommunale CDU-Politiker halten SPD, Grünen und Linkspartei deshalb "Religions- und Kirchenfeindlichkeit" vor. Auch der Diözesanbeauftragte des Bistums Münster für den Katholikentag, Klaus Winterkamp, kann die Entscheidung nicht nachvollziehen. Er wirft den Gegnern eines Barzuschusses vor, ihre Argumente griffen viel zu kurz. Zum Beispiel das, "die Kirche" könne die Veranstaltung auch selbst bezahlen, weil diese "nur für Katholiken" sei. Natürlich könnte die "institutionalisierte Kirche" das. Sie sei aber gar nicht der Veranstalter, sondern das ZdK. Das seien Laien, Frauen und Männer, die sich – oft ehrenamtlich – auf vielfältige Weise in Kirche und Gesellschaft engagierten. "Auch wenn manche es nicht wahrhaben oder verstehen wollen", so Winterkamp.

"Welches Signal gibt der Stadtrat mit seiner Entscheidung vor allem den Tausenden Ehrenamtlichen, die sich auch in Münster, aus ihrer christlichen Überzeugung heraus etwa für Flüchtlinge, Kranke, Sterbende oder Menschen mit Behinderung einsetzen?", fragt Winterkamp stattdessen. Auch sei der Katholikentag eben kein Treffen einer geschlossenen Gruppe, sondern "die größte und offenste gesellschaftliche Dialogveranstaltung von Bürgerinnen und Bürgern aller Religionen, politischen Überzeugungen und Lebenseinstellungen".

Sachleistungen sind keine ideale Lösung

Was bedeutet diese Entscheidung aber nun für den Katholikentag 2018? Dass der Stadtrat stattdessen Sachleistungen – auch da sei der Beschluss allerdings noch sehr vage – zur Verfügung stellen wolle, sei "immerhin besser als nichts", urteilte Winterkamp. Und auch der ZdK-Generalsekretär stehe jederzeit dazu bereit "mit der Stadtverwaltung über die Bereitstellung von Sachleistungen durch die Stadt in der beantragten Höhe zu sprechen", sagt Vesper. Für die ideale Lösung hält er das aber nicht.

Im vergangenen November hatte das ZdK den Beschluss gefasst, den Katholikentag in Münster durchzuführen. Die Entscheidung stand jedoch unter dem Vorbehalt, dass die Gespräche über die Finanzierung zu einem erfolgreichen Ende geführt würden. Nun besteht für das ZdK aber nach wie vor keine Planungssicherheit. "In der nach der gestrigen Ratssitzung entstandenen Situation werden wir den Sachverhalt unserer Vollversammlung Anfang Mai neu vorlegen müssen", so Generalsekretär Vesper. "Ich rechne mit einer schwierigen Debatte." Heißt: Es ist durchaus möglich, dass der Katholikentag 2018 nicht in Münster stattfindet.

Von Björn Odendahl

26.03.2015, 14.03 Uhr: ergänzt um das Statement von Kristina Klement, Stadt Regensburg

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