Nicht alle Bischöfe Chiles schrieben Rücktrittsbrief

Chiles Bischöfe hatten erklärt, dem Papst wegen des Missbrauchsskandals geschlossen ihren Rücktritt angeboten zu haben. Aber: Nicht alle Oberhirten haben einen entsprechenden Brief verfasst.

Missbrauch | Bonn/Rom - 23.05.2018

Laut einem Bericht haben nicht alle der 31 chilenischen Ortsbischöfe Papst Franziskus ihren Rücktritt angeboten. Diese Behauptung stellt der Vatikan-Journalist Sandro Magister am Mittwoch in seinem Blog auf. Demzufolge haben von den jüngst nach Rom gereisten Bischöfen nur 29 der im Amt befindlichen ein solches Schreiben verfasst.

In einer gemeinsamen Erklärung nach dem Treffen mit dem Papst zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der Kirche Chiles hatten die Bischöfe geschrieben, "dass wir alle, die hier in Rom anwesend sind, schriftlich unsere Ämter in die Hände des Heiligen Vaters zurückgegeben haben, damit er frei über jeden von uns entscheiden kann". Franziskus könne nun - nach Belieben und ab sofort - den Rücktritt eines Bischofs annehmen oder ihn zurückweisen. Dies sei eine "Geste der Kollegialität und Solidarität". Der Papst selbst hatte zuvor in einem vertraulichen Dokument personelle Konsequenzen nach der Missbrauchskrise angekündigt.

Magister zufolge verzichtete zum einen der Militärbischof und Vorsitzende der Bischofskonferenz Santiago Silva darauf, einen derartigen Brief zu verfassen. Ebenfalls Luigi Infanti della Mora, Apostolischer Vikar von Aysen. Von den drei mitgereisten Emeriti habe zudem nur Bischof Juan Luis Ysern aus Solidarität mit seinen Mitbrüdern ein solches Schreiben verfasst. Kardinal Francisco Javier Errazuriz Ossa, Vertrauter des Papstes und Mitglied des Kardinalsrates, der zunächst nicht nach Rom kommen wollte, habe ebenfalls keinen solchen Brief aufgesetzt.

Kardinal Francisco Errazuriz
Kardinal Francisco Errazuriz Ossa ist emeritierter Erzbischof von Santiago de Chile und Mitglied des Kardinalsrats.
 KNA/Romano Siciliani

Derweil wird die chilenische Kirche von einem neuen Missbrauchsfall erschüttert. Die Tageszeitung "La Tercera" berichtete am Dienstag (Ortszeit), dass die Staatsanwaltschaft nach einem Bericht des Senders Canal 13 Ermittlungen gegen eine Gruppe katholischer Geistlicher in der Diözese Rancagua aufgenommen habe. Den Angaben zufolge wird dem Priesterbund, der unter dem Namen "La Familia" agiere und aus 17 Geistlichen bestanden habe, sexueller Missbrauch von Jugendlichen vorgeworfen. In der Reportage wurden unter anderem Nacktfotos eines Geistlichen veröffentlicht, die dieser via Online-Chats an Jugendliche verschickt haben soll. Die Lokalzeitung "El Rancagüino" kommentierte, die Diözese erlebe die schwerste Krise ihrer Geschichte.

In einer ersten Reaktion hatte Rancaguas Bischof Alejandro Goic rund ein Dutzend Geistliche suspendiert. Gegenüber dem Portal "Biobiochile" räumte er am Dienstag ein, dass er zwar "im Scherz" von derlei Vorkommnissen in der Gruppe "La Familia" gehört habe, es habe aber nie einen konkreten Vorwurf gegeben.

Papst Franziskus kündigte unterdessen an, eine weitere Gruppe von Opfern des Missbrauchsskandals in Chile treffen zu wollen. Es handle sich dabei um fünf Geistliche aus dem Umkreis des verurteilten Priesters Fernando Karadima, teilte der Vatikan am Dienstabend mit. Die Gruppe werde von zwei weiteren Priestern sowie zwei Laien begleitet, die mit dem Fall befasst gewesen seien. Die meisten von ihnen seien auch im Februar Gesprächspartner der päpstlichen Sondergesandten Erzbischof Charles Scicluna und Jordi Bertomeu während ihrer Ermittlungen in Chile gewesen, so der Vatikan. Mit dem Treffen, das bereits vor einem Monat vereinbart worden sei, wolle der Papst seine Nähe zu den Opfern ausdrücken. Es findet vom 1. bis 3. Juni statt. (bod/KNA)

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