Papst: Lese keine Blogs, die mich "Häretiker" nennen

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil gibt es Widerstände gegen Reformen in der Kirche, sagt der Papst. Wie er selbst mit seinen konservativen Kritikern umgeht, hat Franziskus jetzt verraten.

Vatikan | Vatikanstadt - 15.02.2018

Papst Franziskus ignoriert nach eigener Aussage Verunglimpfungen durch ultrakonservative Kritiker im Internet. Er kenne die Widerstände, die es gegen ihn gebe, und auch die Gruppen, die dahinter stünden, erklärte er in einem am Donnerstag veröffentlichten Gespräch mit Jesuiten in Santiago de Chile während seiner Chile-Reise am 16. Januar. Weiter sagte Franziskus: "Aus Gründen der mentalen Gesundheit lese ich diese Internetseiten des sogenannten Widerstands nicht." Über sehr schwerwiegende Vorgänge lasse er sich jedoch informieren.

Wenn er Widerstände wahrnehme, versuche er einen Dialog zu führen, falls das möglich sei, so Franziskus. Aber mancher Widerstand komme von Personen, "die glauben, sie seien in Besitz der wahren Lehre und dich anklagen, häretisch zu sein". Solche Widerstände seien bedauerlich, aber man müsse weiter voranschreiten. "Wenn ich in diesen Personen kein spirituelles Wohlwollen erkennen kann, bete ich einfach für sie."

Ende September vergangenen Jahres verbreiteten konservative Kritiker des Papstes eine "Correctio filialis de haeresibus propagatis" ("Kindliche Zurechtweisung über die Verbreitung von Häresien"). In dem Brief, der vor allem in konservativen Blogs auf Zustimmung stieß, behaupteten die Autoren, Franziskus habe "auf direkte oder indirekte Weise" häretische, also von der Kirchenlehre abweichende Standpunkte zu Ehe, Moral und Sakramentenlehre gefördert. "Respektvoll beharren wir darauf, dass Eure Heiligkeit öffentlich diese Thesen zurückweist", hieß es in dem Schreiben.

Widerstände seit dem II. Vaticanum vorhanden

Das Gespräch mit Jesuiten in Chile wurde auf der Internetseite der italienischen Jesuitenzeitschrift "Civilta Cattolica" im Wortlaut veröffentlicht. Der Papst habe das Transkript gebilligt, so die Zeitschrift.

Die Widerstände, die es nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil gegeben habe, seien heute immer noch vorhanden, so der Papst weiter. Sie versuchten das Konzil zu relativieren und zu verwässern. Manche Leute sagten ihm deshalb, Widerstände seien normal, wenn jemand Veränderungen durchführen wolle. Schließlich sei es eine große Versuchung, "die wir alle erlebt haben", zu sagen, "das hat man immer schon so gemacht".

Der Papst gestand zugleich zu, dass man nicht alle Schwierigkeiten vorschnell als Widerstand abstempeln sollte. Man müsse stets in Rechnung stellen, dass darin auch ein "Körnchen Wahrheit" enthalten sein und der Widerstand auf ein Missverständnis zurückgehen könne. "Das hilft mir auch viele Dinge zu relativieren", so Franziskus. (tja)

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