"Pax Christi"-Bischof tritt zurück

Der Linzer Bischof Manfred Scheuer ist nicht mehr Präsident der katholischen Friedensbewegung "Pax Christi". Nun spricht er über die Differenzen, die ihn zum Rücktritt bewogen haben.

Antisemitismus | Linz - 03.07.2017

Der österreichische Bischof Manfred Scheuer hat seinen Rücktritt als Präsident der kirchlichen Friedensbewegung "Pax Christi" mit dem Vorwurf des Antisemitismus begründet. Die Differenz mit "Pax Christi", die ihn zum Rücktritt bewogen habe, "entzündet sich bei der Kritik an der Politik Israels bzw. bei der Einschätzung dieser Kritik als antisemitisch", teilte der Linzer Bischof der katholischen Nachrichtenagentur Kathpress am Montag mit. "Ich bin überzeugt, dass aufgrund der Schoah gerade in Deutschland und Österreich eine besondere Verantwortung und Sensibilität gegenüber dem Staat Israel notwendig ist."

Erklärt hatte Scheuer seinen Rücktritt bereits am Freitag in einem Brief an die Vizepräsidenten von "Pax Christi", den er auch an die Israelitische Kultusgemeinde in Wien weitergeleitet habe. Als Grund nannte er in dem Schreiben einen Vorfall im Mai in Linz. Bei einem Vortrag des palästinensischen Botschafters Salah Abdel Shafi sollen die Schriftstellerin und Vertreterin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz, Anna Mitgutsch, sowie zwei weitere Mitglieder beschimpft worden sein. Mitgtusch sprach in einem Bericht der Linzer "Kirchenzeitung" von einem "neuerlichen Aufflammen des Antisemitismus" auch in der ökumenischen Friedensbewegung. Diesen Bericht nahm der Bischof zum Anlass für seinen Rücktritt.

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Mirjam Zadoff lehrt jüdische Kulturgeschichte in Augsburg. Welche Wissenslücken sie füllen will und ob sie als Mann mit Kippa durch deutsche Straßen laufen würde, beantwortet sie im Interview. (Artikel vom Juni 2017)

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Er teile die Sorgen der jüdischen Gemeinden über einen wachsenden Antisemitismus in Europa, so Scheuer in seinem Statement. "Jede Form des Antisemitismus ist schändlich und auf das Schärfste zu verurteilen." Antisemitismus dürfe in Österreich und auch anderswo keinen Platz haben. Kirche, Politik und Gesellschaft müssten Hellhörigkeit und Entschiedenheit beweisen, ihn zu bekämpfen.

Antisemitismus zeige, wie "geschichtsvergessen Menschen sind, dass sie die ganze Katastrophe der Schoah nicht präsent haben". Mit Papst Franziskus wolle er in Erinnerung rufen: "Es ist unmöglich, Christ zu sein und gleichzeitig Antisemit." - "Pax Christi International" wurde nach dem 2. Weltkrieg ursprünglich als Versöhnungswerk zwischen Franzosen und Deutschen gegründet. Heute bestehen weltweit etwa 30 nationale Sektionen. (KNA)

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