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Priesterausbilder: System der Kirche am Ende

Bei den Priesteramtskandidaten sei die katholische Kirche in Deutschland "quasi an der Nulllinie" angekommen, so Hartmut Niehues, Vertreter der Priesterausbilder in Deutschland. Er fordert neue Wege bei Priesterausbildung und Seelsorge.

Priester | Münster - 13.04.2016

Der Vertreter der katholischen Priesterausbilder in Deutschland, Hartmut Niehues, verlangt neue Wege in Seelsorge und Priesterausbildung. "Das System, wie es bisher besteht, ist am Ende", sagte der Vorsitzende der Deutschen Regentenkonferenz im Interview der Bistumszeitung "Kirche+Leben" (Sonntag) in Münster.

Das gelte für die Ebene der Gemeinden, die Strukturen darüber sowie für die Priesterausbildung. Bei den Priesteramtskandidaten sei die katholische Kirche in Deutschland "quasi an der Nulllinie" angekommen, so der Geistliche anlässlich des Weltgebetstags um Geistliche Berufe am Sonntag. So sei in Münster im März nur ein einziger Kandidat ins Gemeindejahr gestartet. Das werde tiefgreifende Konsequenzen haben. Zugleich gebe es immer weniger Kirchenmitglieder, die den sakramentalen Dienst eines Priesters überhaupt wahrnehmen.

"90 Prozent unserer Leute nehmen sonntags nicht an der Eucharistie teil. Beichte und Krankensalbung sind selten geworden", so der Regens. Es stehe die Frage im Raum, ob die Menschen heutzutage "überhaupt noch damit rechnen, dass Gott in ihnen handelt. Und dass sein Handeln erfahrbar ist in den sakramentalen Zeichenhandlungen, die die Kirche seit frühester Zeit feiert." Niehues plädierte für eine stärkere Einbeziehung der Laien in die Seelsorge. Diese könne von hauptberuflichen Kräften der Kirche angesichts von Priestermangel und größer werdenden Gemeindestrukturen gar nicht allein geleistet werden. "Jeder Getaufte ist für den anderen Seelsorger", betonte Niehues. Aufgabe des Priesters müsse es in Zukunft sein, "die Getauften in ihrem Christsein und in ihrem Dienst für die anderen zu stärken".

Ein demütigeres Auftreten der Kirche in der Gesellschaft

Generell sprach sich Niehues zudem für einen "Machtverzicht seitens der Priester" aus. Der "Machtmissbrauch" mancher "Pfarr-Herren", der sexuelle Missbrauch, der Umgang damit in der Kirche sowie ein manchmal fragwürdiges Finanzgebaren hätten zu einem tiefen Verlust an Glaubwürdigkeit geführt. "Es braucht meiner Meinung nach ein bescheidenes, ja demütiges Auftreten der Kirche in der Gesellschaft." Vielleicht fassten die Menschen dann wieder Vertrauen "zur Botschaft der Hoffnung, die wir verkünden". Die Deutsche Regentenkonferenz ist ein Zusammenschluss der Leiter der bundesweit über 25 Seminare für die Ausbildung der Priesteramtskandidaten. (KNA)

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