• © Bild: ARD Degeto/Christa Köfer

Seicht, aber erfolgreich

Wenn Pfarrer Braun heute Abend in der ARD wieder einen Kriminalfall löst, werden wohl Millionen Zuschauer vor den Fernsehgeräten mitfiebern. Manch einer wird vielleicht wehmütig werden. Denn Ottfried Fischer schlüpft zum letzten Mal in die Rolle des übergewichtigen, sympathischen Pfarrers, der seinen Chef, Bischof Hemmelrath, schon das ein oder andere graue Haar gekostet hat. In 21 Folgen hat Fischer als Pfarrer Braun ermittelt – mit Erfolg bei den Zuschauern.

Fernsehen | Bonn - 20.03.2014

Wenn Pfarrer Braun heute Abend in der ARD wieder einen Kriminalfall löst, werden wohl Millionen Zuschauer vor den Fernsehgeräten mitfiebern. Manch einer wird vielleicht wehmütig werden. Denn Ottfried Fischer schlüpft zum letzten Mal in die Rolle des übergewichtigen, sympathischen Pfarrers, der seinen Chef, Bischof Hemmelrath, schon das ein oder andere graue Haar gekostet hat. In 21 Folgen hat Fischer als Pfarrer Braun ermittelt – mit Erfolg bei den Zuschauern.

Sein letzter Fall führt Braun zunächst zurück in sein Heimatdorf nach Bayern – zwangsversetzt aufgrund des schlechten Gesundheitszustands. Doch Ruhe findet der kranke Pfarrer dort nicht. Zunächst wird er in einen Unfall mit einem trächtigen Schaf verwickelt und dann werden auch noch Mönche im nahegelegenen Kloster angegriffen. Grund genug für Pfarrer Braun, ein letztes Mal zu kriminalisieren, wie er selber sagt. Seine Ermittlungen führen in dieses Mal sogar bis in den Vatikan.

Pfarrer Dietmar Heeg von der Katholischen Fernseharbeit berät das Team rund um "Pfarrer Braun". Was den kirchlichen Alltag angehe, seien die Drehbuchautoren ziemlich nah an der Realität, sagt Heeg. Er achtet vor allem darauf, dass Braun die richtigen Gebete bei Beerdigungen oder Taufen spricht oder erklärt Ottfried Fischer bestimmte Handlungen. "Das Drumherum stimmt aber nicht immer", sagt der Geistliche. So kommt Pfarrer Braun ursprünglich aus dem Erzbistum Hamburg – eingesetzt wird er aber in jeder beliebigen Kirchengemeinde. Normalerweise ist ein Priester aber nur innerhalb einer Diözese tätig. Doch an solchen Kleinigkeiten stört sich Dietmar Heeg wenig. "Das Bild von Kirche soll vor allem sympathisch sein."

Kleinkrieg in Kaltenthal

Neben "Pfarrer Braun" sorgt vor allem die wöchentlich ausgestrahlte Serie "Um Himmels Willen" für konstante Zuschauerzahlen in der ARD. In der mittlerweile 13. Staffel bekriegen sich die Nonnen aus dem bayerischen Kloster Kaltenthal - allen voran Schwester Hanna - mit dem hinterlistigen, aber am Ende doch irgendwie gutmütigen Bürgermeister Wolfgang Wöller (Fritz Wepper). Zwischendurch kümmert sich Schwester Hanna aber auch noch um Entführungsopfer oder um eine junge Frau, die – wie es der Zufall will – im Kloster ein Kind zur Welt gebracht hat und deren Partner an der Vaterschaft zweifelt.

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 ARD/Barbara Bauriedl

Man dürfe nicht vergessen, dass es sich um ein rein fiktionales Programm handele, betont Dietmar Heeg. "Das sind keine Reportagen, die den tatsächlichen Alltag abbilden." Ein Kloster Kaltenthal gebe es so nicht in Deutschland. In der Serie, genau wie bei den Filmen um Pfarrer Braun, würden gezielt Erwartungen der Zuschauer erfüllt. Und die wünschen sich eben eine Ordensfrau, die taff und eloquent ist und jederzeit ein offenes Ohr für die Menschen hat, sagt Heeg. "Don Camillo und Peppone ist hier das große Vorbild", so der Pfarrer. In den Geschichten, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Italien spielen, tragen ein katholischer Geistlicher und ein kommunistischer Bürgermeister ihren Zwist aus.

Für den Kommunikationswissenschaftler und Journalisten Christian Klenk von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt sind Formate wie "Um Himmels Willen" und "Pfarrer Braun" vor allem sanfte Abendunterhaltung. Auch er schalte ab und zu ein, erzählt er. "Die Sendungen sind gut gemacht", so Klenk. Er sieht bei solchen Serien vor allem die Chance, Kirche und Glaube auch bei kirchenfernen Menschen sichtbar zu machen. Zudem behandelten sie oft auch ethische Fragestellungen oder berührten christliche Tugenden wie Barmherzigkeit und Nächstenliebe.

Der Effekt der Sendungen ist begrenzt

Für volle Kirchen könnten Pfarrer Braun und Schwester Hanna aus Kaltenthal aber nicht sorgen, sagt Klenk. Dafür seien sie schlicht nicht gemacht. Zudem sei es in der Kürze der Sendezeit schwer möglich, tiefergehende Themen aufzuarbeiten.

Interessant sei jedoch, dass die Kirche zwar gesellschaftlichen Einfluss verliere, Serien und Filme mit kirchlichem Bezug aber immer noch funktionierten, meint Klenk. Und das nicht einmal schlecht: Zwar erreichte die erste Folge der neuen Staffel von "Um Himmels Willen" Anfang des Monats keine sechs Millionen Zuschauer mehr, allerdings hatte sie immer noch fast 19 Prozent Marktanteil. Zum Vergleich: Die Tagesthemen erreichten 2013 einen Marktanteil von im Schnitt rund 11 Prozent. Auch Pfarrer Braun zieht teilweise mehr als fünf Millionen Zuschauer vor die Fernsehgeräte.

Er könne sich noch gut an die Anfänge von "Um Himmels Willen" vor mehr als zehn Jahren erinnern, sagt Dietmar Heeg. Damals haben aufgebrachte Ordensschwestern die Sorge geäußert, dass die Serie nicht realistisch sei. "Das ist sie auch nicht", sagt Heeg. "Aber sie ist eine riesige Sympathiewerbung für die Kirche."

Von Sophia Michalzik

Zur Information

Die letzte Folge von "Pfarrer Braun" läuft heute um 20.15 Uhr in der ARD. "Um Himmels Willen" läuft immer dienstags um 20.15 Uhr in der ARD.

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