So gingen in Eichstätt die Millionen verloren

Wie kam es zum Finanzsskandal im Bistum Eichstätt? In den Fokus rücken zwei Männer, die seit Ende Januar in Untersuchungshaft sitzen. Eine Spurensuche von Hamburg bis nach Texas.

Kriminalität | Eichstätt - 06.02.2018

Die Scheiben verspiegelt, sechs Stockwerke hoch, vor dem Haus ein Anwaltsschild und an der Fassade der Hinweis auf eine Versicherung: In dem Bürokomplex in einer texanischen Großstadt gibt es jede Menge Firmen - einige auch unter der Leitung eines deutschen Bankkaufmanns und Juristen. Doch derzeit wird er nicht nach Texas kommen. Denn er sitzt in Deutschland seit dem 29. Januar in Untersuchungshaft.

So wie der ehemalige hochrangige Mitarbeiter der Diözese Eichstätt. Auch er fand sich unter dieser Adresse, als "Managing Member" einer der Firmen des deutschen Bankkaufmanns - wenn auch seit wenigen Tagen "inaktiv", wie es in US-amerikanischen Auskunftsdatei heißt.

Gegen beide Männer liegt seit Juli 2017 eine Strafanzeige des Eichstätter Bischofs Gregor Maria Hanke vor. Es geht um Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr. Die für Wirtschaftskriminalität zuständige Schwerpunktstaatsanwaltschaft München II. führt beide als Beschuldigte in einem Verfahren, in dem es um einen größeren Finanzskandal zulasten der katholischen Kirche geht.

Wer sind die beiden Beschuldigten?

Mit ungesicherten Krediten auf dem US-Immobilienmarkt soll die Diözese von März 2014 bis Mai 2016 bis zu 60 Millionen Dollar (48,2 Millionen Euro) verloren haben. In einem Brief an die Generalvikare deutscher Bistümer, der der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegt, schreibt Hanke, das Bistum sei "Opfer krimineller Machenschaften" geworden. Nach dem bisherigen Kenntnisstand sei zu befürchten, "dass ein erheblicher Teil der investierten Gelder verloren ist".

Doch wer sind die beiden Beschuldigten, deren Identitäten der KNA von zwei unterschiedlichen Quellen bestätigt wurden? Da ist zum einen der frühere Diözesanmitarbeiter, der seinen Job im Jahr 2014 antrat. Anfang 50 ist er und studierte Theologie, absolvierte später ein Studienprogramm zum Finanzanalysten und zum Vermögensmanagement.

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke schrieb den Generalvikaren der deutschen Diözesen, dass man "Opfer krimineller Machenschaften" geworden sei.
 KNA

Nach Stationen bei internationalen Investmentbanken wie Merrill Lynch, später bei einer Hamburger Firma für Finanzdienstleistungen rund um die Altersvorsorge und Vermögensverwaltung für mittelständische Unternehmen ging er eigenen Angaben zufolge zur Bank Vontobel, bekannt aus dem Steuerverfahren gegen Uli Hoeneß.

In Eichstätt selbst führte sich der heute Beschuldigte nach Medienberichten als cleverer Anlageberater ein. Mit einem rentablen US-Investment gewann er das Vertrauen der Verantwortlichen, wenn auch nur sehr kurz. Denn schon im Jahr 2016 trennte man sich von dem Mann.

Noch bemerkenswerter ist die Vita des anderen Beschuldigten, Anfang 60, der in die Welt des großen Geldes hineingeboren wurde - als Sohn einer norddeutschen Bankiersfamilie. Er ist heute eng verbunden mit über 60 Firmen in Texas und Florida, fast 50 davon noch aktiv, wie eine US-Auskunftsdatei informiert. Die meisten gründete er in der Zeit, in der die Darlehen gewährt wurden. 2014 waren es allein 21, 2015 weitere 11 und 2016 weitere 12. Zuvor schon war er auch in Deutschland im Immobilien-Geschäft tätig. Seine Firma wurde jedoch 2014 liquidiert.

Wurde das Bistum Eichstätt bewusst betrogen?

Seine Karriere begann der Mann auch bei einer Investmentbank, war sogar zeitweise Vizepräsent bei einer großen amerikanischen Investmentbank in Frankfurt, wechselte dann zu einer Hamburger Privatbank, saß in deren Vorstand. Später sollte er sogar Partner einer Frankfurter Privatbank werden, doch das scheiterte. Daneben sind noch Aufsichtsratsmandate eines Software-Unternehmens im Internet-Boom Anfang des Jahrtausends verzeichnet, ebenso eine Vermögensverwaltungsgesellschaft.

Inwieweit die beiden Beschuldigten bewusst das Bistum Eichstätt um die Millionen bringen wollten, muss nun die Staatsanwaltschaft klären. Wann erste Ermittlungsergebnisse zu erwarten sind, ist derzeit völlig unklar, wie es aus der Anklagebehörde heißt. Eine Interview-Äußerung des ehemaligen Bistumsmitarbeiters im Jahr 2016 bekommt jedoch schon heute eine ganz andere Bedeutung: "Das Geld, das wir haben, ist anvertrautes Geld. Wir sind Treuhänder und nicht Eigentümer, deshalb haben wir das Geld sehr gewissenhaft zu bewahren und zu verwenden."

Von Christoph Renzikowski und Christian Wölfel (KNA)

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