Sportlich und schlagfertig

"Ein Papst zum Anfassen"; einer, der verrückte Sachen macht und sich heimlich absetzt: Die Rede ist nicht von Papst Franziskus. Insbesondere die ersten Amtsjahre von Johannes Paul II. waren spektakulär.

Päpste | Bonn - 27.03.2015

Franziskus-Hype? Alles schon mal dagewesen. "Ein Papst zum Anfassen"; einer, der verrückte Sachen macht und sich heimlich zum Skifahren absetzt - das hat die katholische Kirche schon erlebt. Anlässlich des 10. Todestages von Papst Johannes Paul II. am 2. April erinnert katholisch.de an besondere Momente im Leben des polnischen Pontifex. Die Jahre 1978 bis 1980 waren dabei besonders spektakulär.

Pennälerspott

In seiner Studienzeit an der Uni Krakau machen sich die Kommilitonen mitunter über die große Frömmigkeit und den Ernst Karols lustig.  Eines Tages klebt an seinem Pult ein Zettel mit der Aufschrift: "Heiliger in Ausbildung".

Der Wunsch der jüdischen Eltern

Nach dem Krieg kommt das katholische Ehepaar Jachowicz zum Krakauer Pfarrer Wojtyla. Sie wollen ihr langjähriges jüdisches Pflegekind Schachne taufen lassen, da dessen Eltern im KZ Auschwitz umgebracht wurden. Doch Wojtyla lehnt ab; dies wäre nicht der Wille der jüdischen Eltern gewesen. Die Begebenheit wurde erst in den 90er Jahren bekannt - doch sie steigerte das Ansehen des Papstes bei den Juden beträchtlich.

Gesegnet seien die Skifahrer

Ein ausländischer Journalist zeigt sich verwundert über die Leidenschaft des Krakauer Kardinals Wojtyla für das Skifahren. Der entgegnet trocken, das sei hier ganz normal - die Hälfte der polnischen Kardinäle fahre Ski. Das war korrekt: Damals gab es außer ihm nur noch den 20 Jahre älteren Primas Stefan Wyszynski.

Reise von Papst Johannes Paul II. vom 2. Juni bis zum 10. Juni 1979 nach Polen. Begrüßung von Papst Johannes Paul II. auf dem Flughafen Okecie bei Warschau durch Kardinal Wyszynski.
 KNA

Voll daneben

Der Untergang des Kommunismus geht wohl nicht zuletzt auf allerlei Fehleinschätzungen zurück. Hier kommt eine davon: In einem polnischen Geheimdienstbericht von 1967 heißt es über Kardinal Wojtyla: "Es scheint, als ob Politik nicht seine starke Seite wäre. Er ist zu sehr mit abstraktem Denken beschäftigt. (...) Es fehlen ihm Organisationstalent und Führungsqualitäten."

Wähler in letzter Minute

Am Tag vor dem Konklave im Oktober 1978 hat der mit Wojtyla befreundete Kurienbischof Andrzej Deskur einen Schlaganfall erlitten. Der Papstwähler Wojtyla besucht ihn noch am Nachmittag in der römischen Gemelli-Klinik, die später für ihn selbst zum Schicksalsort werden sollte - und kommt buchstäblich als letzter, als der Zeremonienmeister die Kardinäle zur Wahl einschließt, aus der letztlich Wojtyla als Papst hervorgeht.

Eine Flasche auf dem Papstthron?

Wie 2013 bei Kardinal Bergoglio aus Buenos Aires kannten 1978 bei weitem noch nicht alle Papstwähler den Krakauer Amtsbruder Wojtyla.Der Papstbiograf Luigi Accatoli berichtet, Kardinal Mario Casariego aus Guatemala habe im Gemurmel vor den entscheidenden Wahlgängen statt des Namens Wojtyla "Bottiglia" (italienisch "Flasche") herausgehört - und wollte nun mehr über diesen Kandidaten erfahren. Offenbar hörte wiederum Wojtyla von seinen Erkundigungen - denn als Casariego dem neugewählten Papst später seine Aufwartung machte, scherzte Johannes Paul II.: "Nun wissen Sie, wer Bottiglia ist."

Fit wie ein Papst

Der neue Papst schert sich wenig ums Protokoll. So nimmt er etwa, die Soutane mit den Händen gerafft, gerne zwei Stufen auf einmal. Ein fülliger Kurienprälat wagt zu fragen, ob diese Art zu gehen denn mit der Würde des Amtes vereinbar sei, und Johannes Paul II. antwortet: "Ich für meinen Teil habe Bewegung nötig, und ich denke, Sie auch."

Die Heiligsprechung der Päpste Johannes Paul II. und Johannes XXIII. im Video.

Papst im Pool

Der Sportler Karol Wojtyla braucht Fitness für sein Amt - und lässt am päpstlichen Sommersitz Castel Gandolfo einen Swimmingpool bauen. Als ein Journalist nach den Baukosten fragt, antwortet der Papst trocken: "Der Pool ist sicher wesentlich günstiger als ein neues Konklave."

Gott und die Polen

Lange vor dem Sturz des Kommunismus soll Johannes Paul II. 1982 einem französischen Journalisten den folgenden Witz erzählt haben: Der Papst fragt den himmlischen Vater: Herr, wird Polen jemals Freiheit und Unabhängigkeit erlangen? - Ja, erwidert Gott, aber nicht, solange du lebst. - Der Papst fragt weiter: Herr, wird es nach mir wieder einen polnischen Papst geben? - Und Gott antwortet: Nicht, solange ich lebe.

Faule Ernte

Auf seine Rolle beim Sturz des Kommunismus angesprochen, bleibt Johannes Paul II. später bescheiden. Der Baum sei schon von innen verfault gewesen: "Ich habe nur noch ordentlich gerüttelt, und die faulen Äpfel sind zu Boden gefallen."

Kein Platz

Wie wenig ein freiwilliger Amtsverzicht für Johannes Paul II. in Betracht kam, zeigt ein überlieferter Ausspruch von 1994. Nach einer Operation soll er zu dem Chirurgen gesagt haben: "Herr Professor, Sie und ich haben keine Wahl: Sie müssen mich heilen, und ich muss schnell gesund werden - denn es gibt keinen Platz für einen emeritierten Papst."

Von Alexander Brüggemann (KNA)

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