Papstreise

Sympathie schadet nie

Papst Franziskus als Interpret auf der Stimmungslaute

Assisi - 05.10.2013

Heiliger Vater, sollen wir mal einen Kaffee zusammen trinken?" Der junge Mann scheint das Angebot auf seinem Transparent ganz ernst zu meinen. Vielleicht verhindert nur das übervolle Programm dieses Besuchs, dass Papst Franziskus nach der Messe auf dem Platz vor der Grabesbasilika von Assisi am Freitag auf einen Espresso herunterkommt.

Franziskus, der Papst buchstäblich "zum Anfassen", dem sie inzwischen wie selbstverständlich um den Hals fallen und der selbst die direkte Begegnung sucht wie kein Kirchenoberhaupt vor ihm. Und der die Leute mit seinen Gesten und Worten zum Weinen, mehr noch zum Lachen bringen kann. Auch reservierte Beobachter sprechen schon von einem "Phänomen", schärfere Zungen von einem "Stimmungspapst".

Nonnen sollen herzlich lachen können

Franziskus spielt auf der Stimmungslaute, wenn er Botschaften vermitteln will, die wirken sollen. Und sei es bei Klausurschwestern, die jedes ihrer Worte zuvor mit der Goldwaage abwiegen. Er wolle keine Nonnen, die nicht herzlich lachen können, sagt er ihnen in der Basilika der Heiligen Klara.

Blick von oben auf die Basilika San Francesco und den Franziskanerkonvent in Assisi (Italien).
Blick von oben auf die Basilika San Francesco und den Franziskanerkonvent in Assisi (Italien).  Karol Kozłowski/Fotolia.com

Und er würde ihnen - wie den Klarissinnen in Castel Gandolfo, denen er damals eine Schmunzelgeschichte erzählte - gerne zeigen, was er meint: "Aber dafür müsste ich die Kardinäle rausschicken." Was nicht mehr notwendig ist, denn schon lachen die Schwestern und seine acht zum "Kardinalsrat" für eine Kurienreform erhobenen Chefberater, die den langen Tag zusammen mit ihrem Chef absolvieren.

Landet er, spornt ihn das an

So erklingen bei dieser päpstlichen Pilgerreise in die Stadt des heiligen Franziskus zwei Tonarten. Die Eröffnung zeigt einen leisen, oft tief betroffen wirkenden Papst, der Behinderte wiegt, zu Armen und Arbeitslosen spricht und angesichts der gerade ertrunkenen mehr als einhundert Flüchtlinge vor Lampedusa einen "Tag der Tränen" verkündet. Und man erlebt den Franziskus, für den die Menschen aus ganz Italien und darüber hinaus angereist sind: einen vergnügten Mann der Massen, der ihnen ihren Enthusiasmus nicht schwer macht.

Naturgemäß erreicht er mit Humor vor allem solche Jugendliche, die für kirchliche Botschaften noch grundsätzlich offen sind. Und er will sie offenbar gezielt damit erreichen. Landet er, spornt ihn das sichtlich an. Fast wie bei einem Entertainer entsteht dann schnell so etwas wie eine Wechselwirkung zwischen Bühne und Publikum.

Dabei geht es beim Treffen mit Tausenden Jugendlichen vor der Basilika Santa Maria degli Angeli vor allem um das sperrige Thema Partnerschaft und Ehe, die "Hauptkampflinie" zwischen Jugendkultur und Kirchenlehre. Was er einer klagenden Mutter sage, deren Sohn zwar eine hübsche Freundin habe, sich aber trotzdem nicht heiraten wolle? "Dann hören Sie doch auf, ihm die Hemden zu bügeln." Trotz Pointe klatschen danach bei weitem nicht alle in der bunt zusammengewürfelten Menge umbrischer Teens und Twens, als der Papst deutlicher wird, sich gegen eine "Kultur des Provisorischen" wendet und die Entscheidung für eine lebenslange, treue Partnerschaft zwischen Mann und Frau als Ideal von Familie preist.

Sympathie und unpopuläre Botschaften

Immerhin: auch der 18-jährige Riccardo und andere aus seiner Gruppe, die sich als "irgendwie gläubig, aber nicht religiös im katholischen Sinn" bezeichnen, empfinden den 76-jährigen Papst auf jeden Fall als "sympathischen Mann." Ob Sympathie auch handfeste, ja unpopuläre Botschaften transportieren kann, das wird man vielleicht im Laufe dieses Pontifikats noch genauer erfahren. Schaden kann sie einer Institution unter Druck auf keinen Fall.

Von Christoph Schmidt (KNA)

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