Theologe gegen Berliner "Fakultät der Theologien"

Die Debatte um eine multireligiöse Fakultät in Berlin hat längst Fahrt aufgenommen. Nun meldet sich der Theologe und Philosoph Ingolf Dalferth zu Wort. Er befürchtet verheerende Folgen.

Theologie | Frankfurt/Main - 04.05.2017

Der Theologe und Philosoph Ingolf Dalferth hat sich vehement gegen den Vorschlag ausgesprochen, in Berlin eine multireligiöse "Fakultät der Theologien" zu schaffen. In einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt Dalferth, das Ergebnis einer solchen multireligiösen Ausweitung sei "der Abbau christlicher Theologie, der Verlust eines stabilen Ausbildungskanons, das Verschwinden theologischer Abschlüsse und die Abhängigkeit religionsorientierter Studiengänge von gesellschaftlichen Ideologien".

Dies zeige die Entwicklung der "Divinity Schools" an den US-Universitäten von Harvard, Chicago und Yale in den vergangenen Jahrzehnten beispielhaft. Wörtlich schreibt Dalferth: "Von der protestantischen Gründung führt eine Linie über die ökumenischen Erweiterungen zur religionsübergreifenden Forschungseinrichtung, die nur noch einen religionswissenschaftlichen PhD, aber kein theologisches Doktorat mehr anbietet." Der PhD (Doctor of Philosophy) ist in englischsprachigen Ländern der wissenschaftliche Doktorgrad in fast allen Fächern und der höchste Abschluss des Postgraduiertenstudiums.

Der Erzischof von Berlin, Heiner Koch, kritisierte die gegenwärtige Ausstattung des Seminars für Katholische Theologie an der Freien Universität Berlin als "völlig unzureichend".
 dpa

In einer vergleichbaren Entwicklungslinie habe auch die immer noch so genannte "Theologische Fakultät" in Zürich 2012 ihren Status als theologische Fakultät zur Disposition gestellt. Wenn die Evangelisch-Theologische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin zu einer multireligiösen "Fakultät der Theologien" umgebaut würde, werde dies gleichfalls zu ihrem Untergang führen. Dalferth war bis 2013 Professor für Systematische Theologie und Religionsphilosophie in Zürich und lehrt derzeit Religionsphilosophie an der Claremont University in Kalifornien.

Kooperation unter Wahrung der Eigenständigkeit

Die Idee einer bundesweit einmaligen "Fakultät der Theologien" stammt von evangelischen Theologieprofessoren der Humboldt-Universität (HU). Protestanten, Katholiken, Muslime und Juden sollen in einer solchen Fakultät unter Wahrung ihrer Eigenständigkeit kooperieren. Ein Anlass für den Vorschlag ist die beschlossene Gründung eines Instituts für Islamische Theologie an der HU. Noch ist nicht entschieden, ob es der Philosophischen oder der Evangelisch-Theologischen Fakultät zugeordnet wird. (KNA)

Linktipp: Neues Berliner Islam-Institut als Türöffner

Lange trat die Debatte um die Hochschultheologie in Berlin auf der Stelle. Die Gründung eines Islam-Instituts gibt nun den Anstoß für eine völlig neue Lösung: eine "Fakultät der Theologien".

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