Theologe: Gottesdienst nicht länger als 60 Minuten

Für den Religionssoziologen Detlef Pollack ist es nicht der einzige, aber einer der Gründe, warum die Kirchen sonntags immer leerer werden: Die Gottesdienste sind einfach zu lang.

Liturgie | Bonn - 13.11.2017

Kürzere Gottesdienste hat der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack gefordert. "Kein Gottesdienst länger als 50 oder 60 Minuten", sagte Pollack vor der in Bonn tagenden EKD-Synode. "Dass Menschen wegbleiben, hat zwar auch damit zu tun, dass sie etwa mit der Art der Predigt unzufrieden sind, aber vor allem, dass sie am Sonntagvormittag schlichtweg anderes zu tun haben, das ihnen wichtiger ist." Man erleichtere es Menschen, am Gottesdienst teilzunehmen, wenn er kürzer sei. Pollack berichtete auch von einem Gottesdienst in seiner eigenen Gemeinde: "Wenn das Orgelvorspiel schon verunglückt, dann tritt der Flötenkreis auf, das Gesinge hört nicht auf, die Jugendlichen machen ein Anspiel..."

Bereits im Februar hatte Pollack im Gespräch mit katholisch.de betont, dass die Kirche mit ihren Angeboten unter Konkurrenzdruck gerate - zum Beispiel im Bereich der Bildung, aber auch der Seelsorge. Außerdem wachse das Angebot an Freizeitaktivitäten in modernen Gesellschaften ebenso wie die Möglichkeit, sich im Beruf zu verwirklichen, so der Theologe damals.

Damit die Kirche ihre Gläubigen nicht im großen Ausmaß verliert, rät Pollack nun, dass sie ihr Geld am Besten in die Kinder- und Jugendarbeit investiert. Dies diene der religiösen Sozialisation der Menschen. Wer sich einmal von der Kirche verabschiedet habe, komme dagegen in der Regel nicht wieder. Nicht einmal ein Prozent der Konfessionslosen denke ernsthaft über einen Kircheneintritt nach. "Die Verbreitung des Evangeliums an alles Volk mag theologisch geboten sein", so Pollack. "Unter zweckrationalen Gesichtspunkten ist es effektiver, sich vor allem um diejenigen zu kümmern, die in der Kirche sind, genauer, noch in der Kirche sind und an ihrem Rande stehen." (bod/KNA)

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