Vom Glanz verführt

Immer wieder haben es Diebe auf die Überreste von Heiligen abgesehen, wie jüngst ein Fall aus dem Kölner Dom zeigt. Katholisch.de listet weitere Reliquien-Diebstähle der vergangenen Jahre auf.

Kriminalität | Bonn - 08.06.2016

Für katholische Gläubige sind sie kostbar, materiell haben Reliquien dagegen meist nur geringen Wert. Dennoch haben es Diebe immer wieder auf die Überreste von Heiligen und Seligen abgesehen, wie jüngst der Fall der gestohlenen Blutreliquie von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) im Kölner Dom zeigt. Hier eine Übersicht von Diebstählen der vergangenen Jahre:

Vom Glanz verführt

Erst im April dieses Jahres wurde ein Reliquiar mit einem Teil des Schädels der heiligen Hedwig aus dem Frankfurter Kaiserdom gestohlen. Die Diebe brachen dafür das Vorhängeschloss am Gittertürchen auf, das die Wandnische im Dom sicherte. Sie nahmen das Schaugefäß, eine Sonnenmonstranz, mitsamt der Reliquie mit. "Der Dieb ließ sich vom Glanz verführen und hoffte auf den schnellen Euro. Dabei hat die vergoldete Monstranz aus Messing nur einen geringen materiellen Wert", zitiert die "Frankfurter Neue Presse" den Stadtdekan Johannes zu Eltz.

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Von der aus dem Kölner Dom gestohlenen Reliquie von Johannes Paul II. fehlt weiter jede Spur. Ausgerechnet ein prominenter Kirchenmann könnte der letzte gewesen sein, der sie noch sah.

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Wertvoll und verschollen

Im November 2013 stahlen drei Männer das Stiftskreuz aus der St.-Nikomedes-Pfarrkirche in Steinfurt-Borghorst. Das um 1000 entstandene Kreuzreliquiar aus der ehemaligen Damenstiftskirche zu Borghorst besteht aus getriebenem Goldblech über einem Holzkern und ist mit Filigranarbeiten und Edelsteinen verziert. Es enthält zwei Bergkristallfläschchen, in ihnen werden 17 verhüllte Reliquien aufbewahrt. Darunter sind, wie es wörtlich auf der Rückseite des Kreuzes heißt, Reliquien vom Holze und vom Schwamme des Herrn, vom Bette Mariens, vom Körper der Apostel Petrus und Bartholomäus und Reliquien weiterer Heiliger. Die Diebe konnten gefasst werden, das Stiftskreuz ist allerdings verschollen. Vor Gericht äußerten sich die Männer dazu nicht. Sie wurden 2015 zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Gitter sorgfältig wieder angeschraubt

Wohl im Februar 2011 stahlen Unbekannte aus der Kirche St. Antonius in Werl-Sönnern die Reliquie des heiligen Antonius von Padua. Das Stück aus der Taille des Heiligen wurde in einem Kreuz verwahrt, das in der Altarnische stand. Die Diebe hatten das Gitter davor abgeschraubt, das Gefäß mit der Reliquie herausgebrochen und das Kreuz zurückgelassen. Weil sie das Gitter wieder sorgfältig anschraubten, fiel der Diebstahl zunächst nicht auf. Die Ermittlungen wurden nach einigen Monaten eingestellt, die Reliquie blieb verschwunden.

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Ob Blut, Herz, Tuch oder ein Splitter - Reliquien finden sich in so ziemlich jeder Form. Und das überall auf der Welt. Was für Außenstehende oft befremdlich wirkt, hat für Katholiken eine besondere Bedeutung. Katholisch.de erklärt, warum Reliquien so wichtig sind.

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Diebstahl zum Jubiläumsjahr

Aus dem Essener Dom wurde im Juni 2008, ausgerechnet im Jubiläumsjahr zum 50. Geburtstag des Bistums Essen, ein Reliquienkästchen gestohlen. In dem Elfenbeinkästchen, das mit religiösen Szenen und etwa 50 Edelsteinen verziert ist, wurden die Knochen der frühmittelalterlichen Bischöfe Maternus, Liborius und Liudger der drei Mutterbistümer Köln, Paderborn und Münster aufbewahrt. Die Diebe hatten damals vermutlich zwischen dem Ende der sonntäglichen Abendmesse um 20 Uhr und dem Abschließen des Doms um 20.45 Uhr zugeschlagen - denn an den Kirchentüren fanden sich laut Polizei keine Aufbruchspuren. Die Diebe hatten ein aus Bronzeengeln bestehendes Gitter am Hauptaltar aufgebrochen, um das Reliquienkästchen aus einer Mulde zu nehmen. Der Diebstahl wurde nie aufgeklärt, aber das Bistum Essen konnte inzwischen für Ersatz sorgen: 2009 bekam der Essener Dom ein neues Kästchen - wieder mit Reliquien aus den Mutterbistümern.

Von Johanna Heckeley

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