Zwischen Abseits und Jenseits

Zum Start der Fußball-Bundesliga pilgern Fans in die für sie heiligen Stadien. Religion scheint zwischen Bier und Bratwurst fehl am Platz. Doch einige Clubs beweisen das Gegenteil.

Fußball | Bonn - 26.08.2016

FC Bayern München

Eine Audienz bei Papst Franziskus, das wurde dem deutschen Rekord-Meister im Jahr 2014 zu Teil. Torhüter Manuel Neuer und Kapitän Philipp Lahm überreichten dem Heiligen Vater ein persönliches Bayern-Trikot. Die Spieler waren vom Besuch im Vatikanstadt sichtlich bewegt. Und vielleicht waren sie einfach noch zu emotional von der Begegnung aufgeladen, als sie den geschenkten Rosenkranz des Papstes danach als "kleines Kreuz an einer Kette" identifizierten.

Borussia Dortmund

Einen weniger guten Start hatte der BVB mit der katholischen Kirche. Es waren junge Männer aus der Dreifaltigkeitskirche im Dortmunder Norden, die den Verein - gegen den Willen des damaligen Kaplans - gründeten. Längst haben sich Verein und Gemeinde aber "ausgesöhnt". Vor dem ersten Spiel zur Saison 2016/2017 gab es einen ökumenischen BVB-Gottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche am Borsigplatz, in dem die BVB-Fans die berühmte Fußball-Hymne "You'll never walk alone" sangen.

FC Schalke 04

S04-Fans haben die Möglichkeit, ihre Liebe zu Königsblau über den Tod hinaus zu zelebrieren: Auf einem Gemeinschaftsgrabfeld auf dem Friedhof Beckhausen-Sutum in Gelsenkirchen. Das Grabfeld ist wie ein Fußballstadion angelegt, mit Mittelkreis, Toren und Stadionrängen. 2013 wurde das Schalker Fan-Feld unter die zehn schönsten Friedhöfe Deutschlands gewählt.

Hertha BSC Berlin

Kirche und Sport miteinander verbinden - das schafft die "alte Dame" mit ihrer ovalen Kapelle im Berliner Olympiastadion. Nach Meinung vieler Experten ist sie die schönste Stadionkapelle der Welt: Die Wände, in purem Gold, sind mit Bibelversen in 18 Sprachen versehen und sollen den Besuchern Trost und Hoffnung spenden. Seit der Fußball-WM 2006 in Deutschland steht der ökumenische Andachtsraum Sportlern, Fans und Besuchern zur Verfügung. Jeweils 90 Minuten vor Spielbeginn der Hertha wird die Kapelle geöffnet.

1. FC Köln

In diesem Verein steckt der Dom drin. Und der befand sich schon vor Maskottchen "Hennes" im Wappen des 1. FC Köln - der nach eigener Aussage weltweit der einzige Profiverein mit einer Kathedralkirche im Wappen ist. Das Wappen mit dem Geißbock wurde vor wenigen Tagen in die Liste der schönsten Vereinswappen von Fußballvereinen gewählt. Der Dom ist aber mehr als nur Teil des Wappens: Der Verein lädt seit einigen Jahren vor dem ersten Saisonspiel in die Kathedrale zu einem Gottesdienst ein, dessen Höhepunkt jeweils die auf der Orgel gespielte FC-Hymne ist.

Eintracht Frankfurt

Mit einem eigenen Stadionpfarrer fährt die Frankfurter Eintracht auf: Eugen Eckert arbeitet in der Commerzbank-Arena unter der Haupttribüne. In der Kapelle können die Fans beten, heiraten oder Taufe feiern. An den Wänden hängen Fotos von prominenten Besuchern wie Rudi Völler.

Hamburger SV

Nicht nur Schalke 04 hat einen vereinseigenen Friedhof. In Hamburg-Altona bietet der HSV seinen Fans das "Grabfeld HSV" an. Der Friedhof ist einem Stadion nachempfunden: Am Eingang steht ein Fußball-Tor aus Beton, die Grabstellen sind in Halbkreisen angelegt. Beisetzungen von Särgen und Urnen sind möglich. Der Rasen auf dem HSV-Friedhof ist Originalrasen aus dem Volksparkstadion, der Spielstätte der "Rothosen".

1. FSV Mainz 05

Mainz 05 gründete im Sommer 2010 die Charity-Aktion "Mainz 05 hilft e. V.” … wir kümmern uns!".  Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht Nöte zu lindern und etwas an die Gesellschaft zurückzugeben. Das soziale Engagement richtet sich vorallem an in Not geratene Familien und Kinder und karitative Einrichtungen aus Mainz und der Region. Schirmherr ist der emeritierte Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann, der Initiative unterstützt. Er sei froh und dankbar, so Lehmann in einem Interview, wie Sport und Ehrenamt sich hier verbinden: "Sicherlich Kommerz auf der einen Seite, doch Wohltätigkeit und Zweckfreiheit auf der anderen –, um so bei weitem nicht nur den Spielern und Fans, sondern vielen anderen Menschen zu ein wenig mehr Lebensfreude zu verhelfen."

FC Ingolstadt 04

Der neue Trainer Markus Kauczinski finanzierte sein Sportstudium mit dem Telefonverkauf von Bibeln. Im "Call Center" seines Bruders habe er unter anderem Hundertwasser-Bibeln verkauft, so Kauczinski. Die aufwendige Bibelausgabe mit Bildern und Collagen des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser (1928-2000) erschien im Jahr 1995.

Von Stefanie Heinrichs

RSS-Feeds  |  Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2018