Die Spule im Kopf der Sparhansel anhalten

Joachim Frank über die Zukunft des "Filmdienst"

Standpunkt | Bonn - 31.10.2016

"Ich hatte viel Bekümmernis", so heißt eine frühe Bach-Kantate. Die Kirche gibt denen, die es gut mit ihr meinen, leider immer wieder Anlass zur Klage. Mit kläglichen, kümmerlichen Entscheidungen – wie jetzt der geplanten Reduzierung des "Filmdienstes", einer hoch renommierten Fachzeitschrift mit fast 70-jährigem Tradition, auf ein bloßes Online-Angebot.

Von außen wie von innen betrachtet, mag man es kaum glauben, dass die Deutsche Bischofskonferenz ihrer Kultur- und Medienarbeit mutwillig einen solchen Schlag versetzt, dass sie eine von den Experten geachtete und so gar nicht als binnenkirchlich-eng wahrgenommene Brücke in die Welt der Cineasten abbricht. Um einer Einsparung willen, die in der Relation nur als grotesk gering bezeichnet werden kann. In Rede stehen wenige Hunderttausend Euro jährlich.

Müssen die Bischöfe wirklich daran erinnert werden, dass der Film heutzutage die Kunstform ist, in der existenziell bewegende Themen das breiteste Publikum haben? Auch und gerade die "Blockbuster" aus Hollywood bringen Saiten im Menschen zum Klingen, an die auch die Kirche rührt. Wollen die Bischöfe das unkundigen, ungelenken Instrumentalisten überlassen? Wollen sie es riskieren, dass in den Kinoprogrammen die Tiefendimension, der Transzendenz-Bezug entweder gar nicht mehr erkannt, nicht mehr thematisiert oder auf eine platte Nutzanwendung ("katholischer Filmtipp des Monats") reduziert werden? Der "Filmdienst" hält hier seit Jahrzehnten klug dagegen. Er ist ein Dialogangebot auch an die, die den lieben Gott sonst bestenfalls einen guten Mann sein lassen.

Noch ist Zeit und Gelegenheit, die Spule im Kopf der Sparhansel anzuhalten und einen anderen Film einzulegen als den "Totmacher". Die Suche nach kreativen und tragfähigen Lösungen auch für den Print-Titel kann womöglich gelingen, wenn die Bischofskonferenz sich mit verständigen, willigen Medienleuten zusammentut. Die soll es ja geben. Den "Filmdienst" abzuwickeln, wäre ein Ärgernis für alle Kundigen und ein Trauerspiel für alle mit der Kirche Verbundenen. Sie hätten – mit Bachs Kantate gesprochen – wahrlich viel Bekümmernis.

Im Eingangschor desselben Werkes heißt es übrigens auch: "Aber deine Tröstungen erquicken meine Seele." Wie gut, dass den Christen solches Vertrauen geschenkt ist.

Von Joachim Frank

Der Autor

Joachim Frank ist Chefkorrespondent des "Kölner Stadt-Anzeiger", der "Berliner Zeitung" und der "Mitteldeutschen Zeitung". Außerdem ist er Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP).

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