Gefährliche Zweckehe mit den Piusbrüdern

Björn Odendahl über den Papst und die Traditionalisten

Standpunkt | Bonn - 07.04.2017

Papst Franziskus hat "Ja" gesagt. Ja dazu, dass Gläubige das Sakrament der Ehe künftig auch bei den Piusbrüdern gültig und erlaubt empfangen können. Damit knüpft er unmittelbar an das Jahr der Barmherzigkeit an, als er zunächst übergangsweise, dann dauerhaft erlaubte, bei den Traditionalisten die Beichte zu empfangen.

Das Ansinnen des Papstes ist klar: Es geht ihm in erster Linie um das pastorale Wohl der Gläubigen, die die Kirchen der Piusbrüder besuchen. Das liest man in seinem Apostolischen Schreiben zum Heiligen Jahr (Misericordia et misera, Nr. 12) und auch in der neuesten Verlautbarung der Glaubenskongregation. Gewissensnöte und Unsicherheiten bezüglich der Gültigkeit der Sakramente sollen beseitigt werden. Außerdem ist es in den Augen des Papstes sicher besser bei den Piusbrüdern zu beichten oder zu heiraten, als es gar nicht zu tun.

Doch es ist ein zweischneidiges Schwert, dessen sich der Papst dort bedient. Denn das Ziel des Vatikans ist es auch, über diese kleinen, pastoralen Schritte irgendwann zur vollen Einheit zwischen römisch-katholischer Kirche und Piusbrüdern zu gelangen. Doch kann eine Ehe zwischen den beiden gelingen, wenn sich nur einer bewegt und der andere metaphorisch wie theologisch still steht?

Die Piusbrüder selbst haben immer wieder betont, dass auch sie an einer institutionellen Einigung mit Rom interessiert sind; allerdings nur zu ihren Bedingungen. So wurde etwa über "abgestufte Verbindlichkeiten" von Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils diskutiert, um Konstitutionen und Erklärungen wie "Nostra aetate", die das Verhältnis zu den anderen Religionen definiert, ignorieren zu können. Aber geht das? Oder sind Islamophobie und Antijudaismus, Homophobie und die Ablehnung der Gleichberechtigung von Mann und Frau nicht doch – um im Bild zu bleiben – entscheidende Ehehindernisse?

Gerade in Zeiten, in denen über Terrorismus und Populismus, über Erdogan und Trump, über "das Volk" und "die Fremden" diskutiert wird, könnte eine bedingungslose Anerkennung der Piusbrüder ein verheerendes (kirchen-)politisches Zeichen sein. Wer die Religionsfreiheit ablehnt und sich selbst vor allem durch Abgrenzung definiert, der steht außerhalb der modernen, aufgeklärten Gesellschaft – und wäre auch für eine reine Zweckehe ohne wirkliche Liebe nicht der richtige Partner.

Von Björn Odendahl

Der Autor

Björn Odendahl ist Redakteur bei katholisch.de.

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