Standpunkt

Innerkirchlicher Dialog

Thomas Sternberg über den Abschluss des Gesprächsprozesses

Bonn - 14.09.2015

Nein, neu ist das Thema Dialog in der Kirche sicher nicht. Das Zweite Vatikanische Konzil widmete 1965 eine Ziffer der Pastoralkonstitution (Gaudium et spes 92) dem Dialog und mahnte, in der Kirche ein Gespräch zwischen Geistlichen und Laien in Gang zu bringen. 1991 machte eine Erklärung mit dem Titel "Dialog oder Dialogverweigerung - wie in der Kirche miteinander umgehen?" aus dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken Furore, und drei Jahre später fragten die versammelten katholischen Akademien nach dem "Dialog als Selbstvollzug der Kirche".

Neu war die Idee der Deutschen Bischofskonferenz nicht, als Reaktion auf die Skandale des Jahres 2010 einen innerkirchlichen Dialog anzustoßen. Viele hatten wie ich die Erwartungen nicht sehr hoch angesetzt, damit am Ende die Fallhöhe einer Enttäuschung erträglich bleibe. Aber das ungewohnte Verfahren gruppendynamischer Gesprächsrunden über fünf Jahre hat sich trotz Widerständigkeiten dialogunwilliger Einzelner erstaunlicherweise bewährt.

In Würzburg wurde am Wochenende ein Text verabschiedet, der mehr ist als ein Protokoll. Er ist ein Entschließungstext in der neuen, seit den Eingaben zur Familiensynode erprobten Offenheit, nicht von vornherein durch Denkverbote und verquaste Sprache behindert, der Themen aufwirft und Positionen markiert.

Das neue Miteinander wurde greifbar in einem spontan erarbeiteten Text zum Topthema Flüchtlinge, wobei deutlich wurde, dass die Linien unterschiedlicher Positionen nicht an den Grenzen zwischen Bischofsamt und Laienvertretung verlaufen.

Das, was in Mannheim 2011 startete und nun in Würzburg in Gang gesetzt wurde, muss weiter gehen. Wie kann man das neue gegenseitige Vertrauen verstetigen? Die Bischöfe werden mit Vertretern der Männer und Frauen in der Kirche nach angemessenen Formen suchen müssen. Die Fenster zu einem erneuerten Miteinander sind in Würzburg geöffnet worden. In der frischen Luft müssen nun Formen der Mitverantwortung gefunden werden - mit Verbindlichkeit und Kompetenz und klarer Vertretung aller Gruppen.

Vor knapp 50 Jahren prophezeite Prälat Hanssler: "Wenn uns der Dialog gelingt, wird eine unvergleichliche Belebung der Kirche einsetzen." Machen wir was daraus!

Der Autor

Dr. Thomas Sternberg (CDU) ist Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen und Direktor der Katholischen Akademie Franz-Hitze-Haus in Münster.

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Von Thomas Sternberg

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