Keine Heiligkeit ohne Liturgie

Benjamin Leven über das neue Papstschreiben

Standpunkt | Bonn - 11.04.2018

Benjamin Leven

In seinem Schreiben "Gaudete et Exsultate" erklärt Papst Franziskus den Christen, wie man heilig wird. Für das Zweite Vatikanische Konzil gibt es einen Ort, der dafür unverzichtbar ist: die Liturgie. Sie ist das Mittel zur "Heiligung des Menschen". So steht es in der Liturgiekonstitution "Sacrosanctum Concilium". Und die Kirchenkonstitution "Lumen Gentium", in der es um die "allgemeine Berufung zur Heiligkeit in der Kirche" geht, empfiehlt den Gläubigen, häufig an der Feier der Sakramente teilzunehmen, vor allem der Eucharistie.

Im neuen Lehrschreiben des Papstes kommt der Begriff "Liturgie" dagegen nur ein einziges Mal vor: dort, wo Papst Franziskus die "Neopelagianer" verurteilt. Das sind für ihn Christen, die zur sehr auf den eigenen Willen und die eigenen Fähigkeiten vertrauen. Diese Haltung "egozentrischer und elitärer Selbstgefälligkeit" äußere sich unter anderem in einem "Zurschaustellen der Sorge für die Liturgie". An anderer Stelle spricht der Papst im Dokument davon, dass "Werke der Barmherzigkeit" wichtiger seien als "Akte des Gottesdienstes".

Als Mutter Teresa einmal von ihren Ordensschwestern gefragt wurde, ob die tägliche Stunde der Anbetung wegen der vielen Arbeit verkürzt werden könnte, soll sie ihnen stattdessen zwei Stunden Anbetung aufgegeben haben. Und der Mönchsvater Benedikt schreibt in seiner Regel: "Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden."

Der Papst mag sich um Leute sorgen, die vor lauter Gottesdienstvorbereitung die Nächstenliebe vergessen. Das mag es geben. Aber die Kirche ist heute so stark in der Organisation praktischer Nächstenliebe, während viele Gottesdienste so lieblos, so gleichgültig gefeiert werden. Muss man da wirklich diejenigen verurteilen, die daran etwas ändern wollen? "Ahme nach, was du vollziehst", heißt es im Ritus der Priesterweihe. Das bedeutet: In der Liturgie hat die Barmherzigkeit ihre Quelle. Und ohne diese Quelle wird die Kirche zu jener berüchtigten "NGO", von der Papst Franziskus so gerne warnt.

Von Benjamin Leven

Der Autor

Benjamin Leven ist Redakteur der Herder Korrespondenz in Berlin und Rom.

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