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Danke

Ein Erntedank-Altar in einer Kirche.
© Patrick Poendl/Fotolia.com

Erntedank

Zucchini und Äpfel, Getreide und Kürbisse, Sonnenblumen und Trauben – einmal im Jahr finden die reichen Gaben der Natur ihren Weg in die christlichen Kirchen. Der Altar ist dann mit prächtigen, farbenfrohen Arrangements geschmückt, die Menschen bringen Obst und Gemüse in Prozessionen in die Gotteshäuser. Am ersten Sonntag im Oktober feiern die deutschen katholischen Gemeinden das Erntedankfest.

Diesen Termin hat 1972 die Deutsche Bischofskonferenz festgelegt. Daraus folgt für die einzelnen Gemeinden aber keine Pflicht, das Fest zu feiern – es ist freiwillig. An Erntedank wollen die Christen Gott für die Schöpfung danken und zeigen, dass sie sich ihrer Abhängigkeit von der Natur bewusst sind. Streng genommen geht der christliche Brauch schon auf die ersten Figuren der Bibel zurück: Wie das Buch Genesis berichtet, brachte der Ackerbauer Kain einige Früchte seiner Felder und der Hirte Abel einen Erstling seiner Herde zum Opfer dar.

Die Bedeutung des Festes hat sich gewandelt

Dieses erste Erntedankfest endete jedoch tragisch: Aus Wut, dass Gott seine Opfer weniger würdigte, erschlug Kain seinen Bruder. Von der späteren Erntedank-Tradition sind ähnlich dramatische Szenen nicht überliefert. Die ersten Erntedankfeste in der katholischen Kirche sind aus dem dritten Jahrhundert nach Christus überliefert. Aber auch aus vorchristlichen Religionen sind solche Feste bekannt. Sie waren Teil des Jahresablaufes bei Griechen und Römern, und auch das Judentum kannte zwei Erntefeste, eines um die Pfingstzeit und eines im Herbst.

Von reifen Früchten und vollen Körnern

© Phillipp Arnold

Die Bedeutung von Erntedank änderte sich über die Jahrhunderte: Mit der industriellen Massenherstellung von Lebensmitteln und dem weltweiten Handel wurde das Bewusstsein für die Abhängigkeit von der heimischen Ernte geringer - womit auch ein Bedeutungsverlust des Festes einherging. Im Dritten Reich führten die Nationalsozialisten das Fest mit großem Propagandaaufwand wieder ein und instrumentalisierten es, um die Landwirte enger an die "Volksgemeinschaft" zu binden.

Bewahrung der Schöpfung im Mittelpunkt

Mit dem in der ganzen Gesellschaft gestiegenen Umweltbewusstsein der vergangenen Jahrzehnte schließlich bekamen die Worte von der "Bewahrung der Schöpfung" eine neue Bedeutung: Mittlerweile stellen viele Gemeinden an Erntedank den Umweltschutz oder die Entwicklungshilfe in den Vordergrund. An dem Tag wird auch an die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft appelliert. Der Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti stellt in seinem "Lexikon der Bräuche und Feste" fest, die ökonomische Betrachtungsweise der Welt werde immer mehr durch eine ökologische ergänzt: "Das Erntedankfest ist ein Gradmesser für dieses gesellschaftliche Bewusstsein", heißt es da.

Früher wie heute sind mit dem Erntedankfest eine Fülle von christlichen und nichtchristlichen Bräuchen verbunden: Neben Dankgottesdiensten und kirchlichen Solidaritätsaktionen mit den Menschen der Dritten Welt sind auf dem Land auch Erntefeste mit Tanz und Festessen Tradition. Vielerorts wird aus den letzten Ähren des Feldes eine Erntepuppe oder eine Erntekrone geflochten.

Jenseits des Festes am ersten Oktobersonntag gibt es im Jahresverlauf auch andere Anlässe, die dem Grundgedanken des Dankes für die Gaben der Schöpfung folgen: Dazu gehört etwa der festliche Almabtrieb in den Bergen. Auch der Gedenktag an den heiligen Martin am 11. November weist solche Elemente auf: Die Menschen trinken dann neuen Wein und braten die Martinsgans. Und für die Katholiken hat im Grunde jeder Gottesdienst einen Hauch von Erntedank. Schließlich beten sie mit jedem Vaterunser für die tägliche Nahrung: "Unser tägliches Brot gib uns heute", heißt es da. (gho)

© katholisch.de (Eingestellt am 25. September 2012, aktualisiert am 30. September 2014)

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