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Kain und Abel

Adam und Eva bekamen einen Sohn. Sie gaben ihm den Namen Kain. Nach einiger Zeit wurde ein zweiter Sohn geboren. Die Eltern nannten ihn Abel. Die kleinen Jungen machten Adam und Eva viel Freude. Eines Tages fragten sie ihre Eltern: "Zu wem sprecht ihr immer am Abend? Wir hören euch reden. Doch es ist niemand da außer uns."

Bibel entdecken | - 07.01.2015

Adam und Eva bekamen einen Sohn. Sie gaben ihm den Namen Kain. Nach einiger Zeit wurde ein zweiter Sohn geboren. Die Eltern nannten ihn Abel. Die kleinen Jungen machten Adam und Eva viel Freude. Eines Tages fragten sie ihre Eltern: "Zu wem sprecht ihr immer am Abend? Wir hören euch reden. Doch es ist niemand da außer uns."

Die Eltern antworteten: "Wir reden mit Gott. Wir danken ihm, dass er uns zwei gesunde Kinder geschenkt hat. Er ist so gut zu uns. Und er hat uns lieb, auch wenn wir ihn einmal sehr enttäuscht haben." Natürlich ließen die Jungen keine Ruhe, bis die Eltern ihnen alles erzählt hatten: von der listigen Schlange, die Eva überredete, eine Frucht vom verbotenen Baum zu pflücken; von der Vorstellung, so klug und weise zu sein wie Gott; von der Versuchung, einfach mal auszuprobieren, ob die Schlange Recht hatte; von Evas und Adams Geltungssucht, die größer war als ihr Gehorsam Gott gegenüber; von der Verzweiflung, als Gott sie bei ihrem Ungehorsam ertappte; von der Vertreibung aus dem Paradies.

Ein Schäfchen für Gott

Die beiden Jungen waren sehr unterschiedlich. Kain dachte immer nur an sich und seinen eigenen Vorteil. Wenn Abel etwa beim Laufen schneller war, ärgerte sich Kain darüber. Und als Abel einmal mehr Äpfel geerntet hatte, wollte Kain seinen Bruder sogar schlagen. Abel aber war hilfsbereit und freundlich. Er betete jeden Abend zu Gott und bat ihn, Adam, Eva und seinen Bruder Kain zu beschützen. Die Jungen wuchsen heran. Kain betete nicht so oft. Und wenn, dann forderte er Gott auf, seinen Bruder beim nächsten Wettlauf verlieren zu lassen. Kain wurde Ackerbauer, sein Bruder Abel ein Schafhirte.

Die beiden waren sehr zufrieden mit ihrer Arbeit. Sie wollten Gott dafür danken und ihm eine Freude bereiten. Kain brachte ein großes Bündel goldgelbes Getreide, das er gerade geerntet hatte. Abel wollte Gott ein Schäfchen aus seiner Herde schenken. Da schaute Gott auf die schönen Geschenke und die beiden Brüder. Er sah ihnen mitten ins Herz und wusste genau über sie Bescheid: Abel liebte Gott und vertraute ihm. Für Kain aber gab es nichts Wichtigeres als seinen eigenen Vorteil. Voller Liebe schaute Gott auf Abel und nahm das geschenkte Lämmchen an. Das Bündel Getreide aber wies Gott zurück.

Kain bekommt eine letzte Chance

Da wurde Kain sehr zornig. Er dachte: "Warum nimmt Gott mein Geschenk nicht an? Und warum liebt er Abel mehr als mich?" Und sein Hass auf Abel wurde größer und größer. Kain drehte Abel den Rücken zu und wollte fortgehen. Doch Gott sprach zu ihm: "Warum bist du so zornig, Kain? Wenn du nicht immer nur an dich und deinen eigenen Vorteil denken würdest, wäre alles gut für dich. Doch wenn dein Herz voller Zorn und Neid ist, bleibt für die Liebe kein Platz mehr. Die bösen Gedanken sind wie ein wildes Tier. Es wartet nur darauf, über dich herzufallen. Du musst es bekämpfen. Denn nur so kannst du in deinem Herzen wieder Platz für gute Gedanken schaffen." Gott wollte Kain eine letzte Chance geben, sich auf das Gute zu besinnen.

Kain tötet seinen Bruder

Kain aber wollte nicht auf Gott hören. Blind vor Wut lief er auf sein Feld zurück. Und sein Hass auf Abel wurde von Tag zu Tag größer. Eines Abends schlug Kain vor: "Komm, Abel, lass uns zusammen aufs Feld gehen!" Abel freute sich und dachte: "Vielleicht ist ja jetzt alles wieder gut. Bestimmt möchte Kain sich mit mir vertragen." Doch kaum waren die beiden auf dem Feld angekommen, fiel Kain voller Wut über Abel her und erschlug ihn mit einem schweren Stein. Ohne sich umzudrehen, lief Kain davon.

Da sprach Gott zu ihm: "Wo ist dein Bruder Abel?" Kain erschrak und antwortete: "Woher soll ich wissen, wo mein Bruder ist? Ich kann doch nicht ständig auf ihn aufpassen!" Doch Gott hatte gesehen, was geschehen war und rief: "Warum hast du etwas so Schreckliches getan? Du kannst nicht mehr hier bleiben. Der Ackerboden ist voller Blut. Es ist das Blut deines Bruders, den du getötet hast. Deshalb wirst du auf dieser Erde nichts mehr ernten und für den Rest deines Lebens ein heimatloser Wanderer sein, der nirgends Ruhe findet." Doch Gott verließ Kain nicht und beschützte ihn auf seiner Wanderschaft.

Adam und Eva sind entsetzt

Natürlich war Adams und Evas Trauer über den Tod ihres Sohnes Abel groß. Und sie waren entsetzt über den Neid und den Hass ihres ältesten Sohnes Kain. Oft sprachen sie miteinander und malten sich aus, wie schön es hätte sein können: wenn Kain nicht immer nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht gewesen wäre; wenn der Neid und der Hass sein Herz nicht zerstört hätten; wenn er sich wie Abel immer Gott anvertraut hätte. Doch die Eltern hatten einen Trost: Gott würde ihren Sohn Kain nicht im Stich lassen – auch wenn er ihnen etwas so Schlimmes angetan hatte. Später bekamen Adam und Eva noch einen Sohn, den sie Set nannten.

Nacherzählt von Margret Nußbaum

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