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Patronin der Kirchenmusik

Über 400.000 Chorsänger gehören dem nach ihr benannten Verband an, obwohl ihr Bezug zur Königin der Instrumente auf einem Übersetzungsfehler basiert. Wer war Cäcilia?

Cäcilia | Bonn - 28.02.2015

Mitglieder katholischer Kirchenchöre denken bei den wöchentlichen Proben eher selten an die Heilige Cäcilia, Namensgeberin des Allgemeinen Cäcilien-Verbandes für Deutschland – ein Chorverband der katholischen Kirche mit Dienstsitz in Regensburg. Gegründet wurde er im Jahr 1868 in Bamberg und bereits zwei Jahre später von Papst Pius IX. genehmigt. Dem Verband gehören etwa 15.000 Chöre in Deutschland an. Die Verbindung zwischen der Heiligen und der Kirchenmusik geht aber vermutlich auf einen Übersetzungsfehler zurück.

In der "Passio sanctae Caeciliae", der Leidensgeschichte der Heiligen Cäcilia, weist eine Stelle darauf hin: "cantatibus organis". In der Antike waren "Organa" (vom griechischen organon = Werkzeug) beliebige Instrumente. Erst seit dem Mittelalter wird "organon" mit der Orgel gleich gesetzt. Deshalb wurde Cäcilia auf späteren Darstellungen öfter mit einer Orgel gezeigt, etwa auf dem Gemälde von Bartholomäus Zeitblom (1455-1518), das sich im Besitz der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen befindet.

Eine jungfräulich lebende Ehefrau

Und so lautet die Geschichte der Heiligen Cäcilia der Legende nach: Sie wurde um 200 in Rom als Tochter einer Patrizierfamilie aus dem anerkannten Geschlecht der Caecilier geboren. Schon sehr früh widmete sie ihr Leben Jesus und beschloss, jungfräulich zu leben. Wie damals üblich, suchten die Eltern für ihre Tochter den Ehemann aus. Die Wahl fiel auf den jungen Patrizier Valerian, ein Heide. Noch in der Hochzeitsnacht offenbarte Cäcilia ihrem Mann, dass sie ihr Leben Jesus Christus gewidmet und das Gelübde der Jungfräulichkeit abgelegt habe.

Gedenktag: 22. November

Patronin von Albi (Südfrankreich); der Kirchenmusik; der Organisten, Orgelbauer, Instrumentenmacher, Sänger, Musiker und Dichter.

Valerian war sehr beeindruckt von der Klarheit und Standfestigkeit seiner jungen Frau. Er hielt zu ihr und ließ sich taufen – mit ihm sein Bruder Tiburtius. Eine Legende berichtet: Als Valerian von seiner Tauffeier zurückkehrte, sah er Cäcilia, die von einem Engel Rosen entgegennahm. Er deutete dies als Zeichen Gottes und kümmerte sich fortan mit seiner Frau und seinem Bruder um Arme und Kranke. Sie sorgten für eingekerkerte Christen und bestatteten Märtyrer, die für ihren Glauben in den Tod gegangen waren.

Den Christenverfolgern passte die caritative Arbeit der Brüder nicht. Schließlich wurden sie verhaftet und zum Tode verurteilt. Auch Cäcilia blieb nicht verschont. Ihre Peiniger versuchten, sie mit heißen Wasserdämpfen zu ersticken. Doch sie blieb unversehrt. Daraufhin wurde der Scharfrichter beauftragt, die junge Frau zu enthaupten. Er traf sie erst mit dem dritten Hieb des Schwertes. Doch wie durch ein Wunder lebte Cäcilia noch drei Tage, bis sie am 22. November 230 starb. Die Märtyrerin vermachte noch im Todeskampf ihr ganzes Vermögen den Armen. Christliche Freunde bestatteten ihren Leichnam in den Katakomben Roms. Im vierten Jahrhundert wurde an der Stelle von Cäcilias früherem Wohnhaus eine Kirche errichtet.

Die Kirche Santa Cecilia in dem römischen Stadtviertel Trastevere.
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Cäcilias Leichnam galt lange Zeit für verschollen. Entdeckt wurde er im Jahr 820 in den Katakomben von San Callisto an der Via Appia außerhalb Roms. Papst Paschalis I. ließ die Kirche dort neu aufbauen und die Gebeine der Heiligen Cäcilia darin beisetzen. Als die Kirche im Jahr 1599 restauriert wurde, öffnete man die Mauergruft, in der Cäcilia beigesetzt worden war. Ihr Leichnam war unversehrt, die  Wunde am Hals immer noch sichtbar und ihr Gewand mit Blut befleckt. Ein Augenzeuge war unter anderen Papst Clemens VIII. Der frühbarocke Bildhauer Stefano Maderno schuf nach diesem Vorbild aus weißem Marmor eine lebensgroße Skulptur, die noch heute vor der Kirche Santa Cecilia in Trastevere zu sehen ist.

Die Macht der Musik

Der heiligen Cäcilia sind nicht nur Kunstwerke, sondern auch Musik und Erzählungen gewidmet worden. Henry Purcell komponierte im Jahr 1683 das "Laudate Ceciliam" und 1692 als Ode für den Cäcilientag "Hail, bright Cecilia". Heinrich von Kleist schrieb die Erzählung "Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik" nach einer alten Legende: Aachen am Ende des 16. Jahrhunderts. In den benachbarten Niederlanden wüten die Bilderstürmer. Auch das Cäcilien-Kloster soll gestürmt werden. Die Heilige vollbringt jedoch – in der Gestalt einer Nonne als Kapellmeisterin – ein Wunder. Denn die wunderschöne Musik bändigt die Horden, die das Kloster überfallen wollen. Die Anstifter werden von ihr zum katholischen Glauben bekehrt.

Von Margret Nußbaum

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