Betet diesen Monat für ...
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Neuerungen bei den monatlichen Gebetsintentionen des Papstes

Betet diesen Monat für ...

Hunger, Armut, Krieg: Seit mehr als hundert Jahren bittet der Papst um das Gebet der Gläubigen. Was zuletzt in Vergessenheit geriet, soll nun mit Hilfe der sozialen Netzwerke wieder aufleben.

Von Agathe Lukassek |  Bonn - 17.01.2017

Aus der verstaubten Nische in alle Social-Media-Kanäle: So kann man die Entwicklung einer vatikanischen Gebetsinitiative im vergangenen Jahr bezeichnen. Die "Gebetsmeinung des Papstes" war bis Ende 2015 – jedenfalls in Deutschland – nur Insidern bekannt. Für jeden Monat im Jahr erschienen in einigen Bistumszeitungen in der Randspalte zwei Anliegen, die der Pontifex den Gläubigen ans Herz legte. Seit 2016 verbreitet Papst Franziskus seine Gebetsintention jedoch als Video in den sozialen Netzwerken und hat dadurch sicher neue Zielgruppen erschlossen.

In diesem Jahr gibt es weitere Neuerungen. Vor allem sollen die Intentionen, das sind zwei Sätze mit Bitten um Gebet für zwei bestimmte Themen im Monat, nun aktueller werden, teilte das "weltweite Gebetsnetzwerk des Papstes" Anfang des Jahres mit. Bislang dauert es zwei Jahre von der Idee zum Gebet: Das Gebetsnetzwerk bereitete die Anliegen vor und schickte die Vorschläge an den Papst. Dieser verkündete die Bitten dann ein Jahr bevor sie dran sind, erklärt der Leiter des weltweiten Päpstlichen Gebetsnetzwerks, der Jesuit Frederic Fornos, das Vorgehen.

"Last Minute"-Intentionen sollen die Gläubigen aus der Gleichgültigkeit holen

Es handelte sich bislang um zwölf universale kirchliche oder gesellschaftspolitische Gebetsanliegen und zwölf für die Evangelisation. Für 2017 hat Franziskus insgesamt nur zwölf Intentionen veröffentlichen lassen, im Wechsel universale Bitten und solche für die Evangelisierung. Die restlichen zwölf verkündet er jeweils zu Monatsbeginn beim sonntäglichen Angelusgebet auf dem Petersplatz. Bei diesen aktuelleren "Last Minute"-Intentionen wolle der Papst die Gläubigen aus der "Globalisierung der Gleichgültigkeit" holen, so Fornos.

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Papst Franziskus ruft in seinem Gebetsvideo für Januar dazu auf, um die Einheit der Christen zu bitten.

Beim Angelus vor gut einer Woche sprach Franziskus an, wie wichtig ihm das Gebet der Gläubigen ist: "Ich lade dazu ein, sich mit dem weltweiten Gebetsnetzwerk des Papstes zu verbinden, das auch über Social Media die Gebete verbreitet, die ich jeden Monat der ganzen Kirche vorschlage". Er bat sie, diesen Monat an alle Menschen zu denken, die auf der Straße leben und von der kalten Temperatur und der Gleichgültigkeit der anderen getroffen werden. In dem am 9. Januar veröffentlichten "Video vom Papst" griff er hingegen die Ökumene auf, die ohnehin Thema im Januar mit seiner Gebetswoche für die Einheit der Christen ist: "Alle Christen mögen sich treu zur Lehre des Herrn in Gebet und Nächstenliebe intensiv um die Wiederherstellung der kirchlichen Gemeinschaft bemühen und sich gemeinsam den humanitären Herausforderungen stellen."

Dass es solche Anliegen und ein Netzwerk von Katholiken gibt, war aber keine päpstliche Erfindung, sondern eine jesuitische. 1844 vernachlässigten Jesuiten-Scholastiker im französischen Vals ihr Theologiestudium, weil sie Missionare werden wollten und anfingen, nur noch die Kultur fremder Länder zu studieren. Ihr Spiritual Francois Xavier Gautrelet ermahnte sie daraufhin, hier und jetzt Apostel zu sein, "Apostel des Gebets". Gautrelet lehrte sie, jeden Tag und alle Tätigkeiten Gott im Gebet anzubieten. Es entstand das Gebetsapostolat, das ab 1861 an Pfarrgemeinden und katholische Institutionen angepasst wurde und sich schnell weltweit verbreitete.

Seit Leo XIII. sind es die Anliegen des Papstes

20 Jahre später boten die Jesuiten der Kongregation für die Evangelisierung der Völker an, die Intentionen für das Gebetsapostolat zu verfassen, da sie am besten wisse, welche missionarischen Aktivitäten der Kirche aktuell waren. Der Präfekt der Kongregation übernahm die Aufgabe, bis im Jahr 1890 oder 1891 Papst Leo XIII. aufmerksam wurde. "Niemand weiß besser als der Papst, wofür die Millionen für die Welt beten sollen", soll er gesagt haben und die Gebetsanliegen übernommen haben. Anfang der 1930er Jahre hatte das Gebetsapostolat 30 Millionen Mitglieder. In den letzten Jahrzehnten verlor es vor allem in Europa an Bedeutung, während es in Lateinamerika weiterhin erfolgreich ist. Heute nennt sich die Bewegung "weltweites Gebetsnetzwerk des Papstes".

Dieser Erfolg spiegelt sich auch in den Intentionen wider, die Franziskus als Video verbreitet: "Das Video vom Papst" hat auf Facebook und YouTube in der spanischen und portugiesischen Sprachversion mehr Abonnenten bzw. Follower als in allen anderen Sprachen zusammen. Das Konzept ist einfach: In den kurzen Clips mit Hintergrundmusik werden Szenen gezeigt, die zu der Bitte des Papstes passen: ausgegrenzte Alte in Großstädten, Kindersoldaten, die bedrohte Umwelt. Dazu hört und sieht man Franziskus, wie er in seiner spanischen Muttersprache das jeweilige Anliegen vorträgt und um Gebet bittet. In den diversen Sprachversionen, darunter deutsch, aber auch arabisch und chinesisch, laufen Untertitel.

Die zwölf Videos seien im Jahr 2016 auf den Kanälen des Vatikan weltweit fast 13 Millionen Mal angesehen worden, sagt Fornos. Sie erscheinen auf Facebook und YouTube; zudem gibt es eigene Auftritte auf Twitter, Instagram und die klassische Homepage. Wenn man bedenke, dass auch zahlreiche katholische Fernsehsender und externe Internetseiten (wie etwa auch katholisch.de) die Videos zeigten und Gläubige sie per WhatsApp teilten, sei die Zahl der erreichten Personen noch um ein vielfaches höher. Zudem gibt es vom Gebetsnetzwerk die Handy-App "Click to Pray", mit der man sich Gebetszeiten einrichten kann und die die Gläubigen an das aktuelle Anliegen des Papstes erinnert. Diese soll in diesem Jahr auch in einer deutschen Version erscheinen, kündigt der Jesuitenpater an.

Gebetsnetzwerk von 30 Millionen Menschen

Wie viele Katholiken weltweit die Gebetsmeinung des Papstes unterstützen und für die jeweiligen Anliegen beten, ist nicht bekannt. Es gibt 30 Millionen Menschen, vor allem in Asien und Lateinamerika, die zu den Treffen des weltweiten Gebetsnetzwerks gehen. In vielen Ländern – etwa in Europa – gibt es aber keine Mitgliederregistrierung, Gruppen oder Treffen, berichtet Pater Simon Lochbrunner. In Deutschland integrierten einige Ordensgemeinschaften und einzelne Pfarreien die Gebetsintentionen in ihr Stundengebet, so  der junge Jesuit, der das päpstliche Gebetsnetzwerk derzeit in Deutschland neu aufbaut.

Mit den Videos und der App würden nun jüngere Menschen erreicht. Lochbrunner wünscht sich, dass auch sie sich zu Gruppen zusammentun, analog oder digital. Wenn der Papst dann im November per Video zum Gebet für die Christen in Asien aufruft, könnte eine deutsche Gruppe den Netzwerkgedanken aufgreifen und zu einer Gruppe in einem asiatischen Land Kontakt aufnehmen. Dies wäre ein erster Schritt dazu, dass man das Gebet in die Tat umsetzt, so Lochbrunner. "Es geht darum, sich dem Herzen Jesu zu öffnen und den Sorgen der Welt."

Von Agathe Lukassek