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Papst empfängt chilenische Opfer im Vatikan

Chile: Bischof kritisiert eigenen Umgang mit Missbrauch

Papst Franziskus hatte Kritik an Chiles Oberhirten geübt. Der für die Missbrauchsprävention zuständige Bischof des Landes zeigt sich selbstkritisch - und fordert einen besseren Umgang mit den Opfern.

Santiago de Chile/Vatikanstadt - 25.04.2018

Der chilenische Bischof Alejandro Goic Karmelic hat einen besseren Umgang mit den Missbrauchsopfern in seinem Heimatland gefordert. Alle Bischöfe "müssen verstehen, dass die Opfer am wichtigsten sind", sagte Goic am Montag selbstkritisch in einem Interview der Zeitschrift 'Vida Nueva'. Man müsse den Missbrauchsopfern "zuhören, sie beschützen und ihnen alle in Betracht kommende Hilfe gewähren". Die Kirche habe sich dafür einzusetzen, dass "alle diese so schmerzhaften Vorfälle bekannt werden", so Goic, der seit seiner Gründung 2011 Vorsitzender des Rates zur Prävention von Kindesmissbrauch der Chilenischen Bischofskonferenz ist.

Am kommenden Wochenende empfängt der Papst Missbrauchsopfer aus Chile. Die drei Männer - Juan Carlos Cruz, James Hamilton und Jose Andres Murillo - seien mehrere Tage im Vatikan zu Gast, hieß es am Mittwoch in einer Pressemitteilung. Franziskus wolle sich mit ihnen an seinem Wohnsitz Santa Marta einzeln treffen und jeden "so lange sprechen lassen, wie es nötig ist". Die Begegnungen zwischen dem Papst und Missbrauchsopfern sollten einen "persönlichen und brüderlichen" Charakter haben.

Franziskus wolle "um Vergebung bitten, ihren Schmerz und ihre Scham über das, was sie erlitten haben, teilen und vor allem ihre Vorschläge hören, was zu tun ist, damit sich solch verwerfliche Taten nicht wiederholen". Es gehe nicht nur um die Verhinderung sexueller Übergriffe, sondern auch um einen Missbrauch des Gewissens und der Macht in der Kirche, so die Mitteilung.

Linktipp: Papst-Brief war "Schock" für chilenische Bischöfe

Im Mai trifft sich der Papst mit den chilenischen Bischöfen. Er hat den gesamten Episkopat des Landes in den Vatikan zitiert, um der Kirche Chiles einen Neuanfang zu verordnen. Das wird Folgen haben.

Die Reaktion des Papstes auf die Missbrauchsfälle in Chile und den Bericht seines Sonderermittlers Erzbischof Charles Scicluna markiere "ein Vorher und Nachher im Leben unserer Kirche", so Goic weiter. Die chilenischen Bischöfe hätten den Brief von Franziskus während ihrer Vollversammlung vor zwei Wochen mit "großer Überraschung" aufgenommen. Er schaffe eine "absolut neue Situation".

Als Vorbereitung auf das Treffen mit Papst Franziskus vom 14. bis 17. Mai hätten sich die Bischöfe mit unterschiedlichen Punkten zur Erneuerung der Kirche Chiles befasst. Man werde dem Papst "theologisch-pastorale Kernstücke" vorstellen, sagte Goic. Dabei handele es sich sowohl um spirituelle Themen, wie "die Begegnung mit Jesus" als auch um einen besseren Kontakt zu den Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche. Auch Überlegungen zum Umgang mit den Missbrauchsfällen werde man Franziskus vorstellen, betonte der Bischof von Rancagua.

Vor zwei Wochen hatte der Papst in einem Brief an die Chilenische Bischofskonferenz angekündigt, sich persönlich bei Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische Kleriker des Landes entschuldigen zu wollen. Zugleich zitierte er die 32 Bischöfe des Landes in den Vatikan, um mit ihnen den Skandal aufzuarbeiten. In dem Schreiben an die Bischöfen kritisierte der Papst, nicht wahrheitsgemäß über den tatsächlichen Umfang des Missbrauchsskandals informiert worden zu sein. (rom/KNA)