Maltas Erzbischof Charles Scicluna feiert eine Gedenkmesse für die getötete Journalistin Daphne Caruana Galizia.
Erzbischof Scicluna will Bericht über Missbrauchsvertuschung in Kürze übergeben

Papst-Sonderermittler beendet Aufenthalt in Chile

Zwei Wochen lang war er in Chile, um Vertuschungsvorwürfe bei sexuellem Missbrauch aufzuklären. Jetzt hat Erzbischof Charles Scicluna seine Untersuchungen abgeschlossen – und wird dem Papst berichten.

Santiago - 01.03.2018

Der zur Aufklärung von Vertuschungsvorwürfen gegen Bischof Juan Barros nach Chile entsandte Sonderermittler, Erzbischof Charles Scicluna, hat seine Untersuchungen abgeschlossen. Er wird das südamerikanische Land am Donnerstag (Ortszeit) verlassen. Das bestätigte der Sprecher der chilenischen Bischofskonferenz, Jaime Coiro, nach einem Bericht des TV-Senders T13.

Scicluna sei dankbar für den "unaufgeregten Dialog" während der Ermittlungen. Bei den Treffen mit den Missbrauchsopfern habe ein Klima von "gutem Zuhören und Vertrauen" vorgeherrscht, sagte Coiro. Zum Abschluss der Gespräche sei Scicluna mit dem chilenischen Kardinal Ricardo Ezzati zusammengetroffen. In Kürze werde Scicluna dem Papst seinen Bericht übergeben, erklärte Coiro, ohne einen konkreten Termin zu nennen.

Scicluna war von Papst Franziskus in die USA und nach Chile geschickt worden, um dort mit Opfern sexuellen Missbrauchs zu sprechen. Insbesondere ging es um die Frage, ob der chilenische Bischof Juan Barros, ein früherer Schützling des Täters und Priesters Fernando Karadima, von den Taten gewusst und sie verschwiegen hat. Papst Franziskus hatte auf seiner Reise nach Chile im Januar den von ihm ernannten Bischof Barros verteidigt und gesagt, ihm lägen keine Beweise dafür vor, dass dieser vom Missbrauch durch Karadima gewusst habe. Dafür erntete der Papst teils heftige Kritik.

Wie eine Ohrfeige

Auf dem Rückflug nach Rom bat der Papst anschließend um Entschuldigung für seine Wortwahl: Viele Missbrauchsopfer könnten keine Beweise für das Erlittene beibringen oder schämten sich, diese offenzulegen. Statt von "Beweisen" müsse man richtiger von sicheren Indizien sprechen. Das Wort "Beweis" habe die Opfer verletzt. "Den Papst sagen zu hören: 'Bringt mir einen Brief mit dem Beweis', ist eine Ohrfeige", so Franziskus.

Auf dem Hinflug nach Chile hatte Scicluna sich in den USA mit einem der Opfer getroffen. Dieses hatte Medienberichten zufolge bereits 2015 Hinweise auf Barros' Mitwisserschaft an den Papst übergeben lassen. Ob Franziskus die Hinweise gelesen hat, ist unklar. Während seines Aufenthaltes musste sich der aus Malta stammende Scicluna einer Gallenblasenoperation unterziehen, konnte aber nach wenigen Tagen seine Arbeit wieder aufnehmen. In der Zwischenzeit hatte der spanische Geistliche Jordi Bertomeu, der zur Delegation Sciclunas gehörte, die Gespräche weitergeführt. (rom/KNA)