Christentum keine friedliche Religion - Behörde lehnt Asylantrag ab
Kurioser Vorfall in Großbritannien

Christentum keine friedliche Religion - Behörde lehnt Asylantrag ab

Ein zum Christentum konvertierter Iraner möchte in Großbritannien Asyl bekommen. Als Grund für seine Konversion nennt er die friedliche Natur des Christentums. Doch die Asylbehörde lehnt den Antrag ab - mit Verweis auf die Bibel.

London - 22.03.2019

In Großbritannien sorgt der Brief einer Asylbehörde für Aufsehen, in dem das Christentum als gewalttätige Religion gesehen wird. Laut einem Bericht des "Catholic Herald" vom Donnerstag hatte ein vom Islam zum Christentum konvertierter Iraner in Großbritannien Asyl beantragt, da ihm wegen seines Übertritts in seiner Heimat Verfolgung drohe. Als einen der Gründe für den Wechsel seiner Religion nannte er, dass er den Islam für gewalttätig halte, im Christentum hingegen "Frieden, Vergebung und Güte" sehe. Die Behörde lehnte seinen Antrag ab: In der Bibel gebe es zahlreiche Passagen über Gewalt und Krieg, außerdem sage Jesus selbst: "Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert." (Mt 10,34) Die Argumentation des Iraners sei also inkonsistent. Der Antragsteller legte Einspruch ein.

Nachdem sein Anwalt Teile des Briefes bei Twitter verbreitet hatte, fand das großen öffentlichen Widerhall. So bezeichnete die Leiterin des britischen Jesuitenflüchtlingsdienstes das Papier als "unglaublich – schockierend". Mittlerweile hat sich die britische Regierung von dem Schreiben distanziert. Das Innenministerium teilte mit, der Brief sei nicht im Einklang mit den Leitlinien des Hauses.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Innenministerium wegen seines Umgangs mit Religion in die Kritik kommt. So wurde einem Konvertiten wegen der Aussage Asyl verweigert, Jesus habe keinen irdischen Vater. Der Sachbearbeiter befand das als inkorrekt, Jesu Vater sei Josef. In einem anderen Fall wurde ein Antragsteller abgewiesen, weil er Christus als seinen Retter bezeichnete. Wenn das so sei, könne ihn Christus auch vor dem iranischen Regime schützen, hieß es.

Das Innenministerium hat inzwischen versprochen, seine Mitarbeiter in religiösen Fragen besser zu schulen. Die Kirche von England sagte in einer Stellungnahme, bei den Behörden müsse noch viel passieren: Der aktuelle Fall zeige, wie radikal das Ministerium sein Verständnis aller Glaubensrichtungen verändern müsse. (cph)