Der Papst bei den Anglikanern
Franziskus besucht die All-Saints-Kirche im Zentrum Roms

Der Papst bei den Anglikanern

Sonntagnachmittags macht der Papst gern Pfarreibesuche in seiner Bischofsstadt Rom. Gern feiert Franziskus dabei eine Messe unter Katholiken. Doch ab und zu besucht er auch andere Christen - diesmal kommt er zu den Anglikanern.

Von Johannes Schidelko (KNA) |  Rom - 25.02.2017

Der Bischof von Rom unterwegs in der Ewigen Stadt: Eine Woche nach seiner 13. katholischen Visite im Osten der Stadt steht für diesen Sonntag für Papst Franziskus die anglikanische All-Saints-Kirche (Allerheiligen-Kirche) auf dem Programm. Anlass ist die Gründung der Pfarrei vor 200 Jahren. Franziskus nimmt in dem neugotischen Gotteshaus wenige Schritte von der Spanischen Treppe entfernt an einem "Choral Evensong" teil, dem anglikanischen Pendant zum katholischen Vespergottesdienst. Er will dort auch predigen, eine Ikone segnen und Fragen von Gemeindemitgliedern beantworten.

Das Programm erinnert an sein Treffen vor eineinhalb Jahren in der evangelischen Christus-Kirche Roms. Es blieb besonders in Erinnerung durch eine Frage nach einem gemeinsamen Abendmahl in konfessionsverschiedenen Ehen, die Franziskus salomonisch und differenziert beantwortete:"Sprecht mit dem Herrn und geht weiter", sagte er; das Leben sei größer als die Theologie. Rund 250 Mitglieder zählt Roms anglikanische Pfarrei, die am 27. Oktober 1816 gegründet wurde. In den 1880er Jahren wurde die Kirche errichtet, die mit ihrem spitzen Turm die Silhouette auf halber Strecke zwischen der Piazza di Spagna und der Piazza del Popolo bestimmt.

Schwierige ökumenische Vergangenheit

Im Mittelpunkt der Begegnung dürfte der ökumenische Dialog stehen, den der Vatikan und die Anglikaner vor 51 Jahren aufgenommen haben. Ein Dialog mit wechselhaftem Verlauf und durchwachsenem Erfolg. Nach dem historischen Treffen von Papst Paul VI. und dem anglikanischen Primas Arthur Michael Ramsey am 23. März 1966 im Vatikan - dem ersten nach über 400 Jahren Kirchentrennung - erreichte die gemischte internationale Kommission zunächst beachtliche Fortschritte. Später belastete die anglikanische Frauenordination den Kontakt.

Diese Weihen bildeten einen "ernsten Rückschritt" für den ökumenischen Dialog, beklagte der damalige vatikanische Ökumene-Verantwortliche Kardinal Walter Kasper 2008. Die Anglikaner verließen damit das gemeinsame Fundament, auf das sich Katholiken wie auch die Ostkirchen stützten. Irritiert äußerte sich der Vatikan zudem über anglikanische Positionen zu ethischen Fragen. Insbesondere stieß man sich an der Bischofsweihe für einen erklärten Homosexuellen, aber auch an kirchlichem Segen für gleichgeschlechtliche Eheschließungen. Diese Streitfragen kamen sowohl bei der England-Reise von Benedikt XVI. 2010 als auch beim Rom-Besuch des anglikanischen Primas Justin Welby im Oktober 2016 aus Anlass des 50-jährigen Ökumene-Jubiläums zur Sprache. Der ökumenische Dialog geht unterdessen weiter.

Feierlichkeiten und besondere Gäste

Die Zeremonie am Sonntag wird geleitet von Pfarrer Jonathan Boardman. Zur Begrüßung des hohen Gastes reist Bischof Robert Innes an, der seit zwei Jahren die riesige Europa-Diözese der Kirche von England leitet. Bei der Feier wird eine Christus-Ikone gesegnet, die dann anlässlich der 200-Jahr-Feiern der Gemeinde in der Kirche angebracht werden soll. Außerdem wird bei dem Treffen die Gemeindepartnerschaft mit der gleichnamigen katholischen "Ognisanti"-Kirche (italienisch für Allerheiligen) im Süden Roms besiegelt. Sie ist ökumenisch sehr aktiv und gehört als Titelkirche dem deutschen Kardinal Kasper, der zwischen 2000 und 2008 den vatikanischen Einheitsrat leitete.

Errichtet wurde die anglikanischen All-Saints-Kirche auf dem Gelände eines früheren Augustinerklosters. Sie steht auf geschichtsträchtigem Boden: Bei Ausgrabungen während der der Errichtung fand man zwei Statuenköpfe von Kaiser Nero sowie von Agrippina, die seither in den Kapitolinischen Museen zu betrachten sind. Beachtung finden außer dem Spitzturm und den Marmorsäulen des Gotteshauses auch die bunten Glasfenster. Eines von ihnen zeigt den Benediktinermönch Beda Venerabilis (673-735). Einem seiner Texte entstammt der Wahlspruch von Papst Franziskus: "miserando atque eligendo" - aus Barmherzigkeit erwählt.

Von Johannes Schidelko (KNA)