"Der Papst ist zurückgetreten, das ist kein Witz"
Journalisten erinnern sich an die Rücktritts-Ankündigung von Benedikt XVI.

"Der Papst ist zurückgetreten, das ist kein Witz"

Vor fünf Jahren kündigte Benedikt XVI. seinen Rücktritt vom Papstamt an – und löste damit ausgerechnet am Rosenmontag auch in kirchlichen Redaktionen ein Erdbeben aus. Wir waren dabei.

Berlin/Bonn - 11.02.2018

Steffen Zimmermann, katholisch.de

Lange Zeit sah es an diesem 11. Februar 2013 nach einem ganz normalen, etwas langweiligen Feiertagsdienst aus. Wegen des Rosenmontags hielt sich das Nachrichtenaufkommen in sehr überschaubaren Grenzen. Als eine Handvoll Texte publiziert waren und der Tagesaktualität genüge getan schien, wollten unserer Volontär und ich – der Volontär war "zwangsverpflichtet", ich schob als bekennender Karnevalsmuffel an diesem Tag freiwillig Dienst – am späten Vormittag langsam die Rechner runterfahren.

Da schallte plötzlich von den Kollegen der Katholischen Nachrichten-Agentur der etwas ungläubige Ruf durch die Redaktion: "Der Papst ist zurückgetreten?!" Zuerst dachte ich natürlich an einen Scherz: Haha, Papstrücktritt, haha, am Rosenmontag, schon klar... Doch sehr schnell wurde klar, dass es eben kein Scherz war.

Ich gebe es gerne zu: So richtig waren wir an diesem Tag auf dieses Ereignis nicht vorbereitet. Umso wichtiger war es, die an den Rosenmontagsumzügen in Köln und Bonn feiernden Kollegen anzurufen und so schnell wie möglich in die Redaktion zu beordern. Diese Telefonate sind mir in heiterer Erinnerung: Die Nachricht geglaubt hat mir damals erstmal keiner und lustig fand den vermeintlichen Witz auch niemand. Als durch mein nachdrückliches Insistieren jedoch klar wurde, dass mein Anruf kein Scherz war, machten sich die Kollegen direkt auf den Weg in die Redaktion – was zu der skurrilen Situation führte, dass verkleidete und mit Tiergesichtern geschminkte Redakteure an ihren Arbeitsplätzen saßen und sich um den Papstrücktritt kümmerten. Zum Umziehen und Abschminken war schließlich keine Zeit.

Die Ankündigung von Benedikt XVI. war ein Weltereignis – und es war großartig, diesen Tag als Journalist begleiten zu können. Bis in die Nacht hinein haben wir damals Texte, Bilder und Videos publiziert und versucht, unseren Nutzern zu erklären, was da im Vatikan eigentlich passiert war. Für solche Tage bin ich Journalist geworden.

Linktipp: Wie ein Blitz aus heiterem Himmel

Es waren nur wenige Worte, doch sie machten Geschichte. Als Benedikt XVI. am 11. Februar 2013 seinen Rücktritt ankündigte, löste er ein Beben aus. Katholisch.de blickt auf diesen historischen Tag zurück. (Artikel von Februar 2014)

Alexander Brüggemann, Katholische Nachrichten-Agentur (KNA)

Rosenmontag in der Redaktion – das ist für den Rheinländer nicht schön. Auch nicht für einen Auslandsredakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur. Nun ja. Irgendwann nach 11.11 Uhr dann der Zuruf: Der Papst sei zurückgetreten. Tusch, Gelächter, hahaha, weitermachen. Doch nach zwei  Minuten herrscht Gewissheit: Das ist keine Übung. Von da an rollt die Maschinerie von Texten und redaktionellen Hinweisen, wie sie für den Fall des Papsttodes vorbereitet und immer wieder aktuell gehalten worden ist. Es ist "Tag X". Rosenmontag extrem. Ein Tag, den man als Nachrichtenredakteur nicht vergisst.

14 Stunden später, um 1.30 Uhr in der Nacht – es ist inzwischen Dienstag – kommt das Taxi. Nicht, dass Redakteure normal mit dem Taxi fahren, aber ich habe nach einem Sturz das Knie kaputt. Der Fahrer: Ein junger Kerl, Anfang 30 vielleicht, ein bisschen verpeilt; weiß noch gar nichts. Die Musik, die er hört, lässt auch nicht gerade auf einen Nachrichtensender schließen. "Wie, der ist zurückgetreten?" fragt er halb amüsiert, halb ungläubig. Dann könne er das ja jetzt machen, scherze ich. Ich bin schon den ganzen Tag ernst mit dem Thema gewesen.

Themenseite: Papst Benedikt XVI.

Ganz Deutschland war sozusagen Papst: Von 2005 bis 2013 leitete Joseph Ratzinger als Benedikt XVI. die katholische Kirche. Seit seinem historischen Rücktritt lebt der emeritierte Papst weitgehend zurückgezogen im Vatikan. Seine seltenen Auftritte bündelt katholisch.de auf dieser Themenseite.

Julia Martin, damals Praktikantin in der Pressestelle des Erzbistums Bamberg

In Bayern hat man es mit dem Fasching eigentlich nicht so. Trotzdem war die Pressestelle im Erzbistum Bamberg am 11. Februar 2013 dünn besetzt. Genauer gesagt mit zwei Personen: Pressesprecher und Praktikantin. Das sollte sich später ändern. Statt 1:1-Praktikantenbetreuung gab es nämlich einen Crashkurs in Sachen Pressearbeit. Etwas aufgelöst war mein Chef allerdings schon, als er mit "Julia, der Papst ist zurückgetreten" in mein Büro kam. "Kannst du die neue Videokamera bedienen?" Konnte ich natürlich nicht. Es war schließlich gerade mal die zweite Woche meines Studienpraktikums und ich war in meiner Unerfahrenheit schon froh darüber, dass ich wusste, warum und wie man ein Stativ "ins Wasser bringen" musste.

Also tat ich klischeehaft das, was man in solchen Momenten von Praktikanten erwartet: Nicht im Weg rumstehen, wenn die Großen ihre Arbeit machen, sehen und lernen. Ab und an schauen, was katholisch.de dazu schreibt. Und natürlich auch den Chef mit Essen versorgen. Später, bei der schnell einberufenen Pressekonferenz (Kameramann und Fernsehredakteur kamen gerade noch rechtzeitig), erzählte Erzbischof Ludwig Schick, dass er die Rücktrittsmeldung zunächst für einen Faschingsscherz gehalten habe. Der Rücktritt sei zwar "ein ungewöhnlicher, aber vom Kirchenrecht vorgesehener Schritt". Wie ungewöhnlich dieser Schritt im Nachgang tatsächlich bewertet werden würde, war mir damals noch nicht klar. Auch noch nicht, dass mit diesem Tag wohl die spannendste Zeit des Praktikums angefangen hatte, das mich letztendlich darin bestätigte, "was mit Medien" machen zu wollen.