Der Schatten eines Mannes ist umrahmt vom Schatten der Gitterstäbe einer Gefängnistür.
Erster Tatverdächtiger bereits Mitte Mai entlassen worden

Eichstätter Finanzskandal: Zweiter Beschuldigter frei

Durch Untreue und Bestechung droht dem Bistum Eichstätt ein Schaden in zweistelliger Millionenhöhe. Die zwei Tatverdächtigen im Finanzskandal sind nun allerdings wieder auf freiem Fuß

München/Eichstätt - 24.05.2018

Im Finanzskandal des Bistums Eichstätt ist nun auch der zweite Beschuldigte auf freiem Fuß. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft München II am Donnerstag. Der Haftbefehl sei außer Vollzug gesetzt worden, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Zu den Gründen konnte sie keine Angaben machen. Zuerst hatte der Ingolstädter "Donaukurier" darüber berichtet. Bei dem nun Freigelassenen handelt es sich um einen Projektentwickler von Immobilien in den USA.

Mitte Mai war bereits bekanntgeworden, dass der ehemalige stellvertretende Finanzdirektor des Bistums aus der Untersuchungshaft entlassen worden sei. Der Haftbefehl war mit Rücksicht auf den Gesundheitszustand des Mannes gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden.

Beide Männer waren Ende Januar festgesetzt worden. Ihnen wird Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr vorgeworfen. Mitte Mai hatte die Anklagebehörde bekanntgegeben, dass die Männer ein Teilgeständnis abgelegt hätten. Derzeit gehen die Ermittler nur noch von einem gesicherten Vermögensschaden für das Bistum von mindestens rund einer Million Dollar (840.000 Euro) aus. Dieser sei durch Bestechungszahlungen entstanden. Womöglich falle der tatsächliche Schaden aber noch höher aus. Die Anwälte des Bistums befürchten, dass er im zweistelligen Millionenbereich liegen wird.

Vatikan ermittelt selbst nicht im Finanzskandal

Die zwei Beschuldigten sollen nach den bisherigen Erkenntnissen bei gemeinsamen Geschäften rund 60 Millionen US-Dollar aus dem Bistumsvermögen riskant investiert haben. Das Geld floss demnach weitgehend ohne Absicherung in Kredite für Immobilienprojekte in den USA. Von den Darlehen, die zum guten Teil schon wieder fällig sind, wurden nach Bistumsangaben bisher erst fünf Millionen Dollar zurückgeführt.

Das Bistum Eichstätt hatte den Finanzskandal im Februar öffentlich gemacht. Nach der Verhaftung der beiden Beschuldigten informierte es darüber, dass Bischof Gregor Maria Hanke im vergangenen Sommer selbst Strafanzeige gestellt hatte. Als Reaktion auf den Skandal hatte Hanke im März die Finanzverwaltung seines Bistums neu strukturiert, um eine bessere Kontrolle der Geschäfte zu gewährleisten. Wenige Tage zuvor hatte eine Gruppe von 18 Eichstätter Katholiken den Bischof bei der Kleruskongregation im Vatikan wegen schwerwiegender Verletzungen seiner Amtspflicht angezeigt. Der Vatikan teilte jedoch vor wenigen Tagen mit, dass er selbst derzeit keine Untersuchungen einleiten, sondern die Ergebnisse der staatlichen Ermittlungen abwarten würde. (bod/KNA)