Frau Brille und weißem Haar herzt ein Mädchen im Grundschulalter. Detailaufnahme Gesichter.
Katholisch.de erklärt den vierten Fastensonntag "Laetare"

Freue dich!

Der vierte Fastensonntag ist ein besonderer: Er trägt den lateinischen Namen "Laetare", was "Freue dich" bedeutet. Aber warum ist das so? Katholisch.de erklärt, was es mit diesem Tag und seinen Bräuchen, wie etwa der Farbe rosa, auf sich hat.

Von Agathe Lukassek |  Bonn - 06.03.2016

Dies zeigt sich sogar in der liturgischen Farbe des Tages: Anstelle des üblichen Messgewandes, das in der Fastenzeit violett ist, darf der Priester auch ein rosa Messgewand tragen. Es mischt sich sozusagen schon das Weiß des nahenden Osterfestes in die Farbe, die auf die Buße hinweist. Das Rosa kann sich am Altarschmuck und zum Beispiel auch an den Blumen zeigen, die an dem Tag in der Kirche stehen.

So einen freudigen Sonntag gibt es übrigens auch in der Adventszeit: Der dritte Adventssonntag heißt "Gaudete" (freut euch). Wo es Brauch ist, kann auch hier Rosa als liturgische Farbe eingesetzt werden. Manche traditionelle Adventskränze haben dazu neben drei violetten auch eine rosa Kerze.

Freut euch mit Jerusalem! Jubelt in der Stadt, alle, die ihr sie liebt. Seid fröhlich mit ihr, alle, die ihr über sie traurig wart. Saugt euch satt an ihrer tröstenden Brust, trinkt und labt euch an ihrem mütterlichen Reichtum!

Zitat: Jesaja 66,10–11

Der Name "Laetare" in der Fastenzeit bezieht sich auf das erste Wort im Eingangsgesang ("Introitus") der Liturgie des Tages. Im römisch-katholischen, aber auch im evangelisch-lutherischen Gottesdienst ist am vierten Passionssonntag das "Freue dich, Jerusalem" aus dem Jesajabuch des Alten Testaments dran.

Zuweilen wird der Tag auch "Rosensonntag" genannt, weil an dem Tag die Päpste vom 11. bis zum 19. Jahrhundert alljährlich die "Goldene Rose" segneten. Sie wurde an Menschen oder Institutionen, die sich um die katholische Kirche verdient gemacht haben, verliehen. Auch heute noch wird diese "Tugendrose" in unregelmäßigen Abständen vergeben. Der goldene Rosenstrauß hat sechs Knospen, die mit Balsam, Moschus und Weihwasser gefüllt sind. Er gilt als Christus-Symbol: das Gold steht für die Auferstehung, die Dornen für die Passion.

Die Auszeichnung bekamen früher Herrschende, darunter der französische König Heinrich IV. und Isabella II. von Spanien. Zuletzt erhielt sie Großherzogin Charlotte von Luxemburg im Jahr 1956. Seit Papst Paul VI. geht die Auszeichnung an Kirchen, Klöster, Wallfahrtsorte oder Marienheiligtümer. Johannes Paul II. (1978-2005) verlieh in seiner Amtszeit neun Goldene Rosen, Benedikt XVI. brachte es sogar auf achtzehn Stück. Franziskus ehrte 2013 die Basilika Unserer Lieben Frau von Guadelupe in Mexiko.

Am dritten Adventssonntag "Gaudete" und am vierten Fastensonntag "Laetare" können Kleriker anstelle des violetten Messgewands eines in rosa tragen.

Wer bei dem Stichwort "Rosensonntag" automatisch an Karneval und den Rosenmontag denkt, liegt nicht ganz falsch: 1822 wurde in Köln das "Festordnende Komitee" ins Leben gerufen. Es veranstaltete seine Hauptversammlung mitten in der Fastenzeit am Montag nach dem Rosensonntag. So kam das Komitee zu dem Beinamen "Rosenmontagsgesellschaft" und aus dem Kölner Festzug ab 1823 wurde der "Rosenmontagszug". Auch in Belgien war am Mittfastensonntag noch einmal Karneval angesagt mit Umzügen am Vormittag und Bällen am Abend.

Zuletzt hatte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki den Sonntag "Laetare" zusammen mit dem Karneval ins Gespräch gebracht. Als in Düsseldorf wegen eines Sturmtiefs der Rosenmontagumzug ausfallen musste, nannte der Kardinal den vierten Fastensonntag zum Nachholen. Zwar feiern die Jecken nun doch eine Woche später, aber auch da werde traditionell nicht gefastet, "da jeder Sonntag eine Erinnerung an die Auferstehung Christi ist", so Woelki. Aber auch in der Zeit als die Sonntage noch Fastentage waren, war "Laetare" vom Fasten ausgenommen.

Von Agathe Lukassek