Närrisch in den Ardennen: Das wallonische Laetare-Fest bringt den Karneval in die Fastenzeit.
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Die fünf Fastensonntage und ihre Bedeutung

Funken, Rosen und verspäteter Karneval

Die fünf Fastensonntage haben lateinische Bezeichnungen. So heißt der erste Sonntag nach Aschermittwoch der Fastenzeit "Invocabit". Diese Namen stammen aus dem Alten Testament und sollen Einblick in die Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen geben.

Bonn - 06.01.2015

So heißt der erste Sonntag der Fastenzeit "Invocabit" - nach dem Eröffnungsvers in Psalm 91,15: "Wenn er mich anruft, dann will ich ihn erhören". In der frühen Christenzeit sind in Rom Erwachsene, die an Ostern getauft werden sollten, am ersten Fastensonntag zum ersten Mal in ihren weißen Taufhemden in die Kirche eingezogen. Deshalb wurde er "Weißer Sonntag" genannt.

Im Volksmund hieß er später Funkensonntag oder auch Fackelsonntag. Denn vom 11. bis weit ins 18. Jahrhundert hinein sind die Leute auf dem Land mit Fackeln über die Felder gezogen. Dem Feuer sprach man magische Kräfte zu. Es sollte den Boden vom Winterschlaf erwecken.

Als Hüttensonntag wird der erste Fastensonntag in der Eifel bezeichnet. Am Vortag zogen junge Burschen durch die Dörfer, sammelten Stroh und Reisig und bauten daraus auf einem Hügel eine Hütte und einen Mann aus Stroh. Dieser wurde am Sonntag auf die Hütte gesetzt und am Abend angezündet.

Brot- und Käsesonntag hieß der erste Fastensonntag im Mittelalter in Holland. Die Leute glaubten, man müsse an diesem Tag siebenerlei Brot essen. Deshalb besuchten sich Verwandte und Nachbarn und tischten reichlich Brot und Käse auf. In Böhmen hieß der erste Fastensonntag Fuchssonntag. Denn der Fuchs galt als Fruchtbarkeitssymbol. Deshalb hängten Eltern frühmorgens heimlich Brezeln in die Bäume. Ihren Kindern erzählten sie, die habe der Fuchs gebracht.

2. Fastensonntag

"Reminiscere" wird der zweite Fastensonntag genannt - nach Psalm 25,6: "Denk an deine Güte".

3. Fastensonntag

Der Name des dritten Fastensonntages ist "Oculi" - nach Psalm 25,15: "Meine Augen schauen immer auf zum Herrn". Dieser Tag wird auch "Sexagesima media" oder "medium sexagesime" genannt.

4. Fastensonntag

Der vierte Fastensonntag heißt "Laetare" - nach Jesaja 66,10: "Freue dich, Stadt Jerusalem". Er wird auch Mittfasten genannt. Dieser Sonntag markierte die Mitte der Fastenzeit und war deshalb vom Fasten ausgenommen.

Im Mittelalter hieß der vierte Fastensonntag in Rom auch Rosensonntag. An diesem Tag trat der Papst mit einer goldenen Rose in der Hand vor die Gläubigen. Die goldene Rose galt als Christus-Symbol: das Gold für die Auferstehung, die Dornen für die Passion. Dieser Brauch wurde bis ins 19. Jahrhundert gepflegt.

"Mothering Sunday" hieß der vierte Fastensonntag in England. Fromme Christen verehrten "Mutter Kirche" an diesem Tag ganz besonders. Mädchen und Jungen, die schon das Elternhaus verlassen und in der Umgebung in Diensten standen, besuchten an diesem Sonntag ihre Eltern und brachten einen "Sinnel cake" mit. Dieser Kuchen galt als Sinnbild des kindlichen Dankes für die mütterliche Liebe. Den Sinnelkuchen, der aus besonders feinen Zutaten bestand, gab es schon zu Zeiten von König Henry III. im 13. Jahrhundert.

Rose
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Im Mittelalter hieß der vierte Fastensonntag in Rom auch Rosensonntag. An diesem Tag trat der Papst mit einer goldenen Rose in der Hand vor die Gläubigen.

In Belgien war am Mitfastensonntag noch einmal Karneval angesagt. Am Vormittag gab es Umzuge, abends Bälle. Die Kinder wurden ähnlich wie am Nikolausabend beschenkt. Der Heilige Graf brachte Kindern, die einen Korb mit Heu und einer Mohrrübe für das Pferd des Grafen vor den Kamin gestellt hatten, ein Geschenk. Manchmal ritt der Graf aber auch auf seinem Pferd durch die Straßen, begleitet von einem jungen Mann. Er stellte die "Gräfin von Halbfasten" dar und beschenkte Kinder am Straßenrand mit Süßigkeiten.

Nach dem Motto "Doppelt genäht hält besser" haben die Menschen im Mittelalter an "Laetare" noch einmal die Bräuche vom ersten Fastensonntag wiederholt. Strohumflochtene Räder wurden brennend die Hügel herabgestoßen. Mit Fackeln ging man über die Felder, um den Winter auszutreiben. Stroh- oder Holzpuppen, die den Winter darstellten, wurden ertränkt oder verbrannt und der Sommer anschließend in Form einer Strohpuppe begrüßt, die mit Blumen und Grün geschmückt war. In vielen Orten verkleideten sich die Kinder als Sommer und Winter und balgten miteinander. Natürlich musste bei diesen lustigen Kämpfen der Winter verlieren!

5. Fastensonntag

Der fünfte Fastensonntag zählt nicht mehr zur numerischen Reihung der Fastensonntage. Er heißt erster Passionssonntag oder auch "Judica" und bezieht sich auf Psalm 43,1: "Richte mich, o Gott"". Die Lesungen des Tages stellen das Leiden Christi in den Fokus.

An diesem Tag wurden zu heidnischen Zeiten in Großbritannien Speiseopfer für Götter und Göttinnen der Fruchtbarkeit dargebracht. Der Begriff "Erbsensonntag" wird auf Erbsengerichte zurückgeführt, die in bestimmten Gegenden, etwa Yorkshire, zubereitet wurden. An anderen Orten in England nannte man diesen Sonntag "Whirling Sunday" (whirling = wirbelnd). Man opferte den Windgeistern und buk kleine Windbeutel. (mnu/gam)