Pilger an dem Ort der Marienerscheinung in Medjugorje.
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Papst spricht auf den Rückflug aus Sarajevo mit Journalisten

Glaubenskongregation berät über Medjugorje

Marienerscheinungen, Papstreisen und Erziehungstipps: Papst Franziskus am Samstagabend auf dem Rückflug von Sarajevo nach Rom wieder eine fliegende Pressekonferenz gegeben.

Rom - 07.06.2015

Die von Papst Benedikt XVI. dazu eingerichtete Kommission unter dem früheren römischen Kardinalvikar Camillo Ruini habe ihren Bericht abgeliefert, sagte Franziskus. Der Bericht sei dann an die Glaubensbehörde unter Kardinal Gerhard Ludwig Müller und deren Kardinalsversammlung, der "feria quarta" gegangen. "Wir sind dabei eine Entscheidung zu fällen und sie dann zu publizieren", sagte der Papst vor den mitreisenden Journalisten.

Franziskus warnt vor Doppelmoral

Weiter warnte er vor einer Doppelmoral beim Friedensengagement. Es reiche nicht, nur über Frieden zu reden, man müsse auch für den Frieden arbeiten und sich für ihn einsetzen. "Wer vom Frieden spricht und einen Krieg mit dem Verkauf von Waffen begünstigt, handelt heuchlerisch", so der Papst.

Für Pastoralreisen nach Kroatien oder Frankreich hat das Kirchenoberhaupt noch keine zeitlichen Pläne: Er habe den französischen Bischöfe einen Besuch zugesichert. "Die bestehenden kleinen Probleme sind eigentlich keine Probleme", fügte er ohne nähere Angaben hinzu.

Nun heißt es warten

Eine von der Glaubenskongregation eingesetzte Untersuchungskommission hat im Januar 2014 ihre Überprüfung der Vorgänge in und um Medjugorje abgeschlossen. Nun sehen die Franziskaner des bosnischen Marienwallfahrtsortes gelassen den Ergebnissen entgegen.

Er habe seine Reisen in Europa - von der Rede vor dem Europarat in Straßburg abgesehen - mit den Besuchen kleiner Länder auf dem Balkan begonnen, Albanien und Bosnien, betonte der Papst. Es seien Länder, die infolge von Kriegen und Unterdrückung viel gelitten hätten. Damit wollte er ein Zeichen setzen, so der Papst. Ein mitreisender kroatischer Journalist hatte den Papst gefragt, wann er seine Heimat besuchen werde.

Kinder sollen nicht Sklaven des Computers werden

Weiter sprach sich Franziskus auf dem Flug für einen vernünftigen Umgang von Kindern mit Computern aus. Eltern müssten darauf achten, dass bei Kindern keine Abhängigkeit vom PC eintrete, dass sie "nicht zu Sklaven des Computers werden", sagte er. In jedem Fall dürfe das Familienleben nicht unter diesem Konsum leiden. Als kleinen Tipp schlug er vor, den PC nicht im Kinderzimmer aufzustellen, sondern in einem für die ganze Familie zugänglichen Raum.

Die virtuelle Sprache sei ein Fortschritt für die Menschheit; aber wenn sie von der Familie, vom sozialen Leben, vom Sport oder Kunst wegführe, werde sie eine "psychologische Krankheit". "Manchmal sagen mir Eltern, da sitzen wir mit unseren Kindern am Tisch, und sie spielen am Handy und befinden sich in einer ganz anderen Welt", sagte der Papst.

Zudem gebe es im Internet auch schädliche und schmutzige Inhalte wie Pornografie, geistlose Unterhaltung, die von einem Relativismus und Konsumismus gesteuert würden. "Wir wissen, dass Konsumismus ein Krebsgeschwür der Gesellschaft ist, dass Relativismus ein Krebsgeschwür der Gesellschaft ist", hob der Papst hervor. Darüber werde er in seiner nächsten Enzyklika schreiben, fügte er hinzu. (luk/KNA)