Kirchen sehen Religionsfreiheit weltweit bedroht
Bild: © Open Doors
Gemeinsamer Bericht von DBK und EKD vorgestellt

Kirchen sehen Religionsfreiheit weltweit bedroht

In vielen Ländern der Welt gehört es zum Alltag, dass bestimmte Religionen verfolgt werden. Die Kirchen haben nun einen Bericht zur Lage der Religionsfreiheit vorgestellt - mit ernüchternden Ergebnissen.

Von Dana Kim Hansen (KNA) |  Berlin - 15.12.2017

Asia Bibi ist Christin in Pakistan. Seit 2009 sitzt sie in Haft. Die Mutter von fünf Kindern wurde von einem Gericht zum Tode verurteilt. Ihr Vergehen: Sie soll in einem Wortgefecht mit muslimischen Frauen den Propheten Mohammed beleidigt haben. Dafür drohte ihr in Pakistan die Todesstrafe. Asia Bibi ist mittlerweile zu einer Symbolfigur geworden für die ungezählten Menschen, die aus religiösen Gründen verfolgt werden. Am Freitag stellten evangelische und katholische Kirche in Deutschland einen gemeinsamen Bericht vor, der die Verletzungen des Rechts auf Religionsfreiheit weltweit dokumentiert und analysiert.

Der erste Bericht von Deutscher Bischofskonferenz und Evangelischer Kirche in Deutschland zu diesem heiklen Thema liegt vier Jahre zurück. 2013 fand er ein breites Echo. Die Bundesregierung nutzte ihn 2016 als eine Quelle für ihren umfassenden Bericht zur Lage der Religions- und Weltanschauungsfreiheit weltweit. Seit 2013 hat die religiöse Unterdrückung nach Meinung der Autoren des neuen Berichts im Weltmaßstab weiter zugenommen.

Die Abwendung vom Islam ist in Pakistan lebensgefährlich

Nicht nur Pakistan sieht für Blasphemie drakonische Strafen vor: von Geldstrafen über lebenslange Haft bis hin zur Todesstrafe. Ähnlich scharfe Gesetze gelten in den mehrheitlich muslimisch geprägten Ländern Jemen, Ägypten, Malaysia oder Indonesien. Häufig werden diese Regelungen auch missbraucht, um private Fehden auszutragen. Recherchen im Fall Bibi zeigten, dass die Anzeige gegen die Christin die Fortführung privater Auseinandersetzungen war.

In Pakistan ist der sunnitische Islam Staatsreligion. Wer sich vom Islam abwendet und etwa zum Christentum konvertiert, wird mit dem Tode bedroht. Die Urteilsvollstreckungen können meistens verhindert werden; dennoch lastet ein enormer Druck auf den Konvertiten. Hinzu kommt die gesellschaftliche Ächtung. Auch eine muslimische Frau aus Kirgisistan kostete der Übertritt zum Christentum fast das Leben. Ihre Verwandten wollten sie töten, sie empfanden die Konversion als Schändung der Familienehre. Die Frau wurde gewarnt und konnte entkommen. Bis heute darf niemand wissen, wo sie lebt.

Bild: © dpa/Rahat Dar

Unterstützer der wegen Blasphemie inhaftierten Christin Asia Bibi demonstrieren in Pakistan für ihre Freilassung.

Der Glaubenswechsel führt zudem häufig zu sozialer Stigmatisierung. Konvertiten werden nicht selten als Verräter angesehen, die sich für Geld von ausländischen Missionaren kaufen lassen. Der Bericht der Kirchen schildert anonym den Fall eines jungen Tunesiers. Er wurde als Missionar beschimpft, nachdem er Christ geworden war. Sein Vater setzte ihn massiv unter Druck: "Ihm wäre es wohl am liebsten, wenn ich tot wäre", so der junge Mann. Tarek floh nach Deutschland, ließ sich in einer evangelischen Kirchengemeinde taufen und kämpft nun um sein Bleiberecht.

Der Lackmustest für Religionsfreiheit

Wie die Staaten mit Glaubenswechsel oder Glaubensabfall umgehen, sei gewissermaßen der Lackmustest dafür, ob sie das Menschenrecht auf Religionsfreiheit respektieren, erklärte die evangelische Bischöfin Petra Bosse-Huber am Freitag bei der Vorstellung des Berichts in Berlin. Sie erinnerte daran, dass auch im Iran und in Saudi-Arabien der Abfall vom islamischen Glauben ein Kapitalverbrechen sei.

Nicht nur Staaten, auch Terroristen unterdrücken die Religionsfreiheit. So verbreitet etwa in Nigeria die Terrororganisation Boko Haram Angst und Schrecken unter allen, die nicht strenggläubige Muslime nach ihren Standards sind. Laut Bericht sind seit 2011 mehr als 28.000 Menschen getötet worden; 1,8 Millionen Nigerianer sind in ihrem eigenen Land auf der Flucht.

Das Schicksal der Menschen in Nigeria steht dieses Jahr auch im Mittelpunkt des Weltgebetstags für Verfolgte und bedrängte Christen. Besonders die Christen dieses Landes litten unter islamistischer Gewalt, so Erzbischof Ludwig Schick (Bamberg), der den Bericht für die katholische Seite vorstellte. Der Gebetstag für die verfolgten Christen wird am Gedenktag des Märtyrers Stephanus, am 26. Dezember, begangen.

Von Dana Kim Hansen (KNA)