Missbrauch: Papst wendet sich persönlich an US-Bischöfe
Sechsseitiger Brief veröffentlicht

Missbrauch: Papst wendet sich persönlich an US-Bischöfe

Die US-Bischöfe befinden sich derzeit bei einer geistlichen Klausurwoche nördlich von Chicago. Hintergrund ist der Missbrauchsskandal; der Papst hatte ihnen zum gemeinsamen Gebet geraten. Nun schrieb er ihnen auch einen langen Brief.

Vatikanstadt - 03.01.2019

Papst Franziskus hat sich in einem persönlichen Brief an die US-Bischöfe gewandt, die sich angesichts des Missbrauchsskandals zu einer Woche des Gebets zurückgezogen haben. In dem am Donnerstag vom Vatikan veröffentlichten Schreiben ermutigt er zu Schritten gegen die "Kultur des Missbrauchs" und die Glaubwürdigkeitskrise der katholischen Kirche. Durch die Bemühungen der Bischöfe, Missbrauchsfälle zu vertuschen habe die Glaubwürdigkeit noch mehr gelitten als durch die Sünden und Verbrechen des Missbrauchs selbst, so der Papst in dem sechsseitigen Schreiben.

Zugleich warnt Franziskus die Oberhirten vor Spaltung und Flucht vor Verantwortung. Er rät ihnen zu Verzicht auf Vorgehensweisen wie Diskreditierung, zänkisches Verhalten oder Opfergehabe. Stattdessen brauche es eine reuige Akzeptanz der eigenen Sünden sowie eine Förderung des Dialogs, der Diskussion und der Unterscheidung, so der Papst. Er habe sich bemüht, bei dem Treffen dabeizusein, könne dies aber "aus logistischen Gründen" nicht, schrieb Franziskus.

Die Bischöfe halten in einem Priesterseminar des Erzbistums Chicago seit Mittwoch geistliche Exerzitien, um über Ursachen und Folgen des sexuellen Missbrauchs durch Kleriker nachzudenken. Papst Franziskus hatte dies ausdrücklich gewünscht. Geleitet wird die Einkehrwoche vom päpstlichen Hausprediger Raniero Cantalamessa.

Nach Angaben in den sozialen Netzwerken nehmen rund 230 der insgesamt 271 aktiven und 185 emeritierten Bischöfe an den Exerzitien teil. Eine Diskussion über Missbrauchsermittlungen sei nicht vorgesehen, sagte eine Sprecherin des Erzbistums Chicago laut Medienberichten bereits Ende Dezember. Das Treffen im Mundelein Seminary nördlich von Chicago sei "strikt eine Zeit für Gebet, Fasten und geistliche Vorträge".

Für den 21. bis 24. Februar hat Papst Franziskus die Spitzen der Bischofskonferenzen weltweit in den Vatikan einberufen, um über Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal zu beraten. (luk/KNA)