Papst trifft Missbrauchsopfer im Vatikan
Franziskus bittet Männer aus Chile um Verzeihung

Papst trifft Missbrauchsopfer im Vatikan

Es geht um eine "Wiedergutmachung des Erlittenen": Am Wochenende trifft der Papst Missbrauchsopfer aus Chile zu mehreren persönlichen Gesprächen. Eines der Opfer fordert durchgreifende Konsequenzen von Franziskus.

Vatikanstadt - 28.04.2018

Papst Franziskus hat am Freitagabend eine Reihe von Treffen mit Missbrauchsopfern aus Chile begonnen. Das teilte Vatikansprecher Greg Burke mit. Auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes sei keine Mitteilung über den Inhalt der Unterredungen vorgesehen. Es gehe darum, die Opfer zu hören, sie um Verzeihung zu bitten und Vertraulichkeit zu wahren.

Die Männer, die sich als Gäste einige Tage in der päpstlichen Residenz Santa Marta aufhalten, sollten nach dem Willen von Franziskus "in einem Klima des Vertrauens und der Wiedergutmachung des Erlittenen" alle notwendige Zeit haben, hieß es. Daher gebe es weder feste Zeitpläne noch vorgegebene Themen.

An der Begegnung nehmen Juan Carlos Cruz, James Hamilton und Jose Andres Murillo teil, die von Klerikern in Chile sexuell missbraucht worden waren. Cruz, der heute als Kommunikationsexperte in New York lebt, hält sich schon seit dem vergangenen Wochenende in Rom auf. Er kündigte in verschiedenen Interviews dieser Tage an, er werde offen über "das Grauen" sprechen, und verlangte, die "Kultur des Missbrauchs und der Vertuschung" dürfe sich nicht fortsetzen. Von Franziskus forderte Cruz vorab durchgreifende personelle Konsequenzen bei Chiles Bischöfen.

Treffen mit Ministerpräsident verschoben

Bekannte Termine des Papstes an diesem Wochenende beschränken sich auf eine Audienz für eine internationale Medizinertagung am Samstag und das Mittagsgebet am Sonntag. Ein Besuch des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU), der am Samstag stattfinden sollte, wurde kurzfristig auf ein späteres Datum verschoben.

Vor zwei Wochen hatte Franziskus in einem Brief an die Chilenische Bischofskonferenz angekündigt, sich persönlich bei Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische Kleriker des Landes entschuldigen zu wollen. Den Bischöfen warf er vor, nicht wahrheitsgemäß und vollständig informiert worden zu sein.

Im Mittelpunkt des Missbrauchsskandals steht der heute 87-jährige Priester Fernando Karadima, der über Jahrzehnte zu den charismatischsten und einflussreichsten katholischen Geistlichen Chiles zählte. Aus seinem Kreis gingen mehrere Bischöfe hervor, unter ihnen Juan Barros, der von Opfern Karadimas der Mitwisserschaft beschuldigt wird. Papst Franziskus hatte solche Vorwürfe bei seinem Chile-Besuch im Januar noch als "Verleumdungen" bezeichnet. (KNA)