Römerkragen und liturgische Farben: Mund-Nasen-Schutze für Priester
Anfangs ein Gag – mittlerweile Verkauf in den Vatikan

Römerkragen und liturgische Farben: Mund-Nasen-Schutze für Priester

Viele Gemeinden in Deutschland wollen, dass die Gläubigen in Gottesdiensten Masken zum Schutz vor dem Coronavirus tragen. Die Pfarrer gehen mit gutem Beispiel voran – manch einer mit Humor und "Kollar-Maske".

Von Anita Hirschbeck (KNA) |  Köln - 12.07.2020

"Schnutenpulli" sagen Norddeutsche zu Gesichtsmasken. Eine Jury hat den Begriff vor Kurzem zum plattdeutschen Wort des Jahres gewählt. Und er ist ja auch sehr treffend: Manche Corona-Schutzmaske sieht tatsächlich so aus, als trüge man Oberbekleidung vor der "Schnute", also dem Mund. Vielleicht hatte Ikonenmaler und Bildhauer Leo Pfisterer aus Österreich dieselbe Beobachtung gemacht, als ihm die Idee für einen Mund-Nase-Schutz im Stil eines Priesterhemdes kam: Ein Rechteck aus schwarzer Baumwolle mit einem kleinen weißen Quadrat mittig am oberen Rand. Das Modell "Kollar" erinnert an den typischen Hemdkragen katholischer Geistlicher, den sogenannten Römerkragen.

"Die Priestermaske sollte eigentlich nur ein Gag sein", erzählt Fachhändler Thomas Schmitt, der das Modell vertreibt. "Dann wurde das zum Selbstläufer." Mehr als 300 Mal hat er das schwarz-weiße Baumwollrechteck über seinen Online-Shop verkauft – nach Deutschland, Österreich, in die Schweiz, die Benelux-Länder und Italien. Ein Exemplar habe es sogar in den Vatikan geschafft, sagt der Geschäftsmann, ohne Details über den Besteller zu verraten.

In seinen Läden in Köln und dem niederrheinischen Wallfahrtsort Kevelaer bietet der gelernte Herrenschneider neben Kerzen, Kreuzen, religiöser Literatur und Alltagsanzügen für Priester auch die Gewänder an, die Geistliche in einem Gottesdienst tragen. Gefertigt werden die Textilien in Schmitts Werkstatt in der Kölner Innenstadt. "Rund 70 Prozent der deutschen Bischöfe gehören zu unserer Kundschaft", sagt der Chef. Namen nennt er aber nicht. Über seinen Online-Shop beliefert er zudem Auftraggeber in halb Europa.

Auch Papst Franziskus trägt seinen Schnitt

Der prominenteste Besitzer eines Schmitt-Textils ist Papst Franziskus. Als das Kölner Dreigestirn in der Karnevalssession 2018/19 den Papst in Rom traf, fertigten Schmitt und sein Team das Mitbringsel: Eine knapp 160 Zentimeter lange Stola aus Seide mit dem Vaterunser auf Kölsch darauf gestickt. "Für den Papst etwas zu machen, ist natürlich was ganz besonderes", sagt der Geschäftsinhaber. Kurz nach dem Besuch des Dreigestirns sei er Franziskus bei einer Audienz begegnet. "Der Papst konnte sich an die Stola erinnern. Er sagte in gebrochenem Deutsch: Ah, Vaterunser aus Köln."

Stundenlang haben Schmitt und seine Mitarbeiter an dem Papst-Geschenk gearbeitet. Für die Priestermaske sind hingegen nur eine Handvoll Arbeitsschritte und gut zehn Minuten nötig. Kaufen dürfen sie nur Geistliche – das gilt auch für die Priesteranzüge und Gottesdienstgewänder. "Das Kollar ist das Zeichen des Priesters", sagt Schmitt. Vor Karneval seien schon einige Jecken in den Laden gekommen, um Kollarhemden als Verkleidung zu erstehen. "Das machen wir selbstverständlich nicht." Bei Online-Aufträgen würden seine Mitarbeiter auch mal beim Besteller anrufen, um sicherzugehen, dass die Gewänder tatsächlich für ihren vorgesehenen Zweck bestimmt seien.

Neben der Kollar-Maske können Priester auch einen Mund-Nase-Schutz in einer liturgischen Farbe – also in Rot, Grün, Weiß oder Violett – kaufen. Die Modelle bietet Schmitt standardmäßig in Baumwolle an. Nach Auftrag fertigt er aber auch in Seide. "Die medizinischen Masken sieht man oft im Gottesdienst", sagt er. "Aber einige Priester wollen ihre Maske gerne passend haben. Viele legen wert darauf, dass alles stimmig ist." Das gemeinsame Abendmahl sei ein Fest, das zelebriert werden wolle. Und mit dem Dampfbügeleisen könne man Krankheitserregern auch auf Seide beikommen.

Eine einheitliche Regelung zu Masken in Gottesdiensten gibt es übrigens nicht. Manche Pfarreien setzen allein auf Abstand und Hygiene. Andere wollen, dass die Besucher ihre Masken während der Gottesdienste tragen. Dann gehen die Pfarrer mit gutem Beispiel voran – ob farblich passend oder mit ganz normalem "Schnutenpulli".

Von Anita Hirschbeck (KNA)