Mann mit liturgischer Maske in weiß
Neue Trends in Paramentenwerkstätten

Damit mein Mund-Nasen-Schutz dein Lob verkünde: Liturgische Masken

Er ist das Accessoire des Jahres: der Mund-Nasen-Schutz. Auch in Gottesdiensten gibt es viele Gelegenheiten, ihn zu tragen. Doch schnödes Einweg-Material in blau oder grün zu kostbaren Gewändern? Das muss nicht sein – ein Blick auf den Pandemie-Paramentenmarkt.

Von Felix Neumann |  Köln/Miami/Helmstedt/Segromigno in Monte - 14.06.2020

Im Paramenten-Handel hat alles seine Ordnung: "Beachten Sie, dass wir diese Masken ausschließlich an Kleriker verkaufen", heißt es beim Kölner Traditionsunternehmen Schmitt-Paramente auf der Webseite. Dort steht eine schwarze Maske mit einem weißen Rechteck, das an einen Priesterkragen erinnert: "Das ist unserer kleiner Beitrag, um ein wenig geschützt und dennoch gutgelaunt durch die Corona-Krise zu kommen", steht dort zur "Mund- und Nasenmaske Modell 'Kollar'" zu lesen.

Maske mit Kollar von Schmitt Paramente

Diese Maske gibt es exklusiv für Priester – wem die Kollarmaske zu albern ist, kann aber auch Kollarhemden mit neutralen Masken aus passendem Stoff kaufen.

Nicht alle Priestermasken bei Schmitt haben Kragen. Dafür gibt es zum bewährten Angebot an Kollarhemden mittlerweile auch passende Masken in den gleichen Farben. Als gut sortierter Klerus-Vollaustatter hat Inhaber Thomas Schmitt aber nicht nur die Alltagsmasken für Priester im Angebot. "Wir bieten auch Masken in den liturgischen Farben an", erzählt er, "sogar in Seide." Das Angebot werde gut angenommen. Den Gag mit der Kollarmaske hat sich ein Künstler ausgedacht, mit dem Schmitt befreundet ist. "So habe ich einfach mal zwei genäht und daraus sind mittlerweile ein paar Hundert Masken geworden." Die Masken in liturgischen Farben verkaufen sich gut, es scheint ein Bedarf zu bestehen. "Auch schwarze Masken mit roter Paspelierung für den einen oder anderen Bischof haben wir schon gemacht", erzählt Schmitt stolz.

Masken sind keine offiziellen Paramente

Auch bei der Paramentenwerkstatt des evangelischen Klosters Marienberg sind die liturgischen Masken derzeit sehr gefragt. Wie viele genau sie in den letzten Wochen verkauft hat, kann die Domina des Klosters, Mechtild von Veltheim, gar nicht sagen. Die Nachfrage ist aber hoch, ständig melden sich Pfarreien mit Bestellungen. Der Online-Shop hat die Masken sogar auf seine Titelseite aufgenommen: "Online-Shop für Paramente, Stolen und Mund-Nasen-Masken", steht dort mittlerweile. Ganz protestantisch-bodenständig gibt es Baumwollmasken mit und ohne Kreuzstickerei in fünf liturgischen Farben.

Zwei junge Gläubige sitzen wegen Corona mit Schutzmasken im Gottesdienst.

Einfache Einweg-Masken sind praktisch – aber sie wirken doch immer wie ein Fremdkörper in der Kirche.

Ob diese Masken tatsächlich auch in der Liturgie verwendet werden, wissen weder Schmitt noch von Veltheim. Angesichts der großen Nachfrage ist aber anzunehmen , dass sie zumindest mancherorts im Gottesdienst getragen werden. Bundesweit sind die Regeln für Mund-Nasen-Masken in Gottesdiensten unterschiedlich. Während die Vereinbarung der nordrhein-westfälischen Bistümer mit der Landesregierung sie gar nicht erwähnt, sieht das Schutzkonzept der bayerischen Diözesen außer bei der Kommunion eine durchgängige Maskenpflicht vor. Priester feiern in der Regel – in sicherem Abstand im Altarraum – die Gottesdienste ohne Maske, allenfalls bei der Kommunionspendung legen sie sie an.

Offizielle liturgische Regeln für den Maskengebrauch gibt es bisher nicht. Anfang Mai hatte der Vorsitzende der Liturgiekommission der US-Bischofskonferenz, Erzbischof Leonard Blair, eine Handreichung des Thomistischen Instituts in Washington ins Gespräch gebracht. Dort hieß es, dass Masken für Zelebranten nicht in Frage kämen; sie seien ein "abträgliches Zeichen entgegen der Intention der Messe". Zur Begründung führt das Papier das Beispiel von Pressekonferenzen im Gesundheitswesen an, wo Wissenschaftler und Ärzte auch keine Masken tragen würden, da es nicht zum Anlass passe. Der Abstand zu den Zuhörern sei ausreichender Schutz.

Krankenhausmasken passen nicht in die Liturgie

Dass ein Paramentenhändler das anders sieht, ist keine Überraschung. Daniel Gonzalez, der Inhaber des Devotionalien- und Paramentenhandels Agnus Gift Shop in Miami, kann jedenfalls nicht nachvollziehen, warum die US-Bischofskonferenz keinen Platz für Priestermasken sieht – solange es sich nicht um das Standardmodell aus dem Krankenhaus handelt. "Krankheit und Tod sind Folgen des Sündenfalls", im Paradies habe es das noch nicht gegeben, erläutert er. Eine herkömmliche Maske, womöglich eine Einwegmaske für medizinische Verwendung, erinnert ihn zu sehr an den Sündenfall. "Das ist doch seltsam: Ein Priester trägt ein Zeichen, das auf den Sündenfall verweist, wenn wir zur Kommunion gehen!" Daher hat er kostbar geschmückte Masken in liturgischen Farben im Angebot, die die Freude am Glauben aufnehmen, die auch in anderen Paramenten zum Ausdruck kommt. "Die Kasel des Priesters und die Dalmatik des Diakons sind aus edlen Stoffen gemacht. Ich möchte die sterilen Krankenhausmasken durch etwas ersetzen, das genauso edel wie diese Gewänder ist", erklärt Gonzalez.

Die meisten Masken verkauft er an Laien als Geschenk für Pfarrer. Einige kaufen sogar gleich einen ganzen Satz mit allen liturgischen Farben des Kirchenjahrs. Ursprünglich hatte Gonzalez damit gerechnet, vor allem das grüne Modell zu verkaufen – nach der Osterzeit ist die Kirche wieder im Jahreskreis, in dem meist die Alltagsfarbe grün getragen wird. Stattdessen sind die festlichen weißen Masken seine Bestseller, die an Festtagen getragen werden. Auch für Hochzeiten und Taufen seien sie beliebt.

Waren Masken zu Beginn der Pandemie noch Mangelware, gibt es jetzt eine breite Auswahl, viele Ordensgemeinschaften nähen ehrenamtlich für den guten Zweck. Um im Wettbewerb zu bestehen, denken sich Paramentenwerkstätten daher viele Varianten aus. Neben edlen Stoffen und eleganten Stickereien betont Daniela Felisi, die Inhaberin des toskanischen Traditions-Klerusschneiders Gamma di Felisi, dass ihre Modelle nicht nur gut aussehen, sondern auch besonders hautverträglich sind: Zwei Grad kühler als jedes andere Gewebe fühlten sich ihre liturgischen Masken an, dank eines speziellen Bambus-Gewebes. Vor allem in die USA verkauft sie davon viele. "Die Entscheidung, ins Maskengeschäft einzusteigen, fiel recht spontan", so Felisi. In ganz Italien besteht für Priester Maskenpflicht. "Wir wollten Priestern die Möglichkeit geben, sich während der Gottesdienste mit Masken zu schützen, die elegant und praktisch zugleich sind." Und auch für Laien ist einiges dabei: Selbstverständlich haben die Italiener neben der Muttergottes auch eine Maske mit Padre Pio im Angebot.

Indonesische Kirche warnt vor Geschäftemachern

Anderswo setzen Händler nicht nur auf rein weltliches Funktionstextil. Auf den Philippinen muss mittlerweile sogar die Kirche vor Geschäftemachern warnen, die die Angst vor dem Corona-Virus ausnutzen. "Es gibt weder heilige Gesichtsmasken noch heilige Gesichtsschutze noch heilige Schutzbrillen", betont Aurea Pati-an, der Vorsitzende der Liturgiekommission der Diözese Iligan gegenüber UCANews. "Das sind alles respektlose und unsensible Marketingstrategien auf Kosten derer, die verzweifelt Schutz vor der Pandemie suchen."

Dass Masken Wunder wirken, behauptet kein seriöser Paramentenhändler. Redet man mit ihnen, merkt man ihnen aber doch den Stolz an, nicht nur Gebrauchsgegenstände herzustellen. Ihr Handwerk ist ein Beitrag in der Liturgie die Größe Gottes zu feiern: "Eine schöne Maske erinnert die Gemeinde nicht an die Folgen der Sünde, sondern an die Schönheit des Himmels", schwärmt Daniel Gonzalez.

Von Felix Neumann