Bischof Feige: Vieles in Vatikan-Instruktion ist "wirklichkeitsfern"
Magdeburger Oberhirte hält an beschrittenem Weg fest

Bischof Feige: Vieles in Vatikan-Instruktion ist "wirklichkeitsfern"

In Rom könne man sich eine Diaspora-Situation anscheinend nicht vorstellen, beklagt der Magdeburger Bischof Gerhard Feige. Er kritisiert die restriktiven Ausführungen der neuen Pfarreien-Instruktion aus dem Vatikan – und lobt die Engagierten.

Magdeburg - 27.07.2020

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige hat viele Ausführungen der jüngsten Vatikan-Instruktion als "wirklichkeitsfern" kritisiert. Sie hinterlasse "neben Ratlosigkeit und Verärgerung auch großen Schaden. Manche wird sie demotivieren, sich für unsere Kirche überhaupt noch einzusetzen", so Feige in einer Stellungnahme am Montag. Die extreme Diaspora-Situation seines Bistums könne man sich in Rom anscheinend nicht vorstellen und habe auch keinerlei positive Lösungsmöglichkeiten angesichts des noch größer werdenden Priestermangels aufgezeigt. Als Lernende nehme man die Anregungen der Instruktion gern an, "als Bischof lasse ich mich von deren restriktiven Anordnungen aber nicht lähmen und blockieren".

Im Bistum Magdeburg sehe man sich schon seit Jahrzehnten als missionarische Kirche in einer Diasporasituation. Insofern stimme er den in dem Papier zitierten Äußerungen von Papst Franziskus in dieser Hinsicht zu. Angesichts der dramatischen Veränderungen helfe es jedoch "kein bisschen weiter, nur hehre Prinzipien heraufzubeschwören und auf kirchenrechtliche Vorgaben zu verweisen", so Feige. Stattdessen müsse unter theologischen, personellen, regionalen und ökonomischen Rahmenbedingungen "verantwortungsbewusst und einfühlsam sowie kreativ und mutig überlegt, besprochen und entschieden werden, in welcher Form Pfarreien und Gemeinden auch in Zukunft noch bestehen und lebendig von Gott künden können".

Feige dankt ausdrücklich allen, die die kirchliche Arbeit gestalten, "ob geweiht oder beauftragt, angestellt oder ehrenamtlich, getauft oder und anderweitig verbunden". Es sei entscheidend, dass möglichst viele Getaufte und Gefirmte ihre eigene Berufung begreifen und gemeinsam Kirche seien. "Außerdem ist entscheidend, sich nicht als Nachlassverwalter, sondern als Wegbereiter zu verstehen."

Weiter ausprobieren

Jede Pfarrei müsse ihren je eigenen Weg in die Zukunft finden, so Feige. Er wolle deshalb weiter "lokal und regional mit Haupt- und Ehrenamtlichen im Vertrauen auf den Beistand des Heiligen Geistes manches ausprobieren" und Schritte gehen, "von denen wir meinen, dass sie uns konstruktiv weiterführen können". Er ruft die Gläubigen in seinem Bistum auf, sich nicht entmutigen zu lassen: "Suchen wir gemeinsam nach verantwortbaren und verkraftbaren Möglichkeiten, damit Kirche in unserem Bistum auch weiterhin lebendig bleibt und ihrer missionarischen Sendung gerecht werden kann!"

Vergangenen Montag hatte die vatikanische Kleruskongregation die Instruktion "Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche" veröffentlicht. Sie besagt unter anderem, dass Laien von der Gemeindeleitung ausgeschlossen sind. Auch Teams aus Geweihten und Nicht-Geweihten sind demnach nicht zulässig. Stattdessen wir die Rolle des Pfarrers betont. Zahlreiche Kirchenvertreter und Theologen aus Deutschland kritisierten das Papier als rückwärtsgewandt. Scharfe Kritik gab es von den Bischöfen Franz-Josef Bode (Osnabrück), Peter Kohlgraf (Mainz) und Franz-Josef Overbeck (Essen).

Auch Bambergs Erzbischof Ludwig Schick sagte, die Instruktion bringe für die Kirche und ihren missionarischen Auftrag "mehr Schaden als Nutzen" und nannte das Papier theologisch defizitär. Bischof Gebhard Fürst kündigte an, am Rottenburg-Stuttgarter Leitungsmodell festhalten zu wollen. Auch Erzbischof Stephan Burger sagte, er wolle trotz des Vatikan-Dokuments an der Pfarreireform im Erzbistum Freiburg festhalten. Bischof Franz Jung sagte, er vermisse im Dokument innovative Ansätze. Bischof Stephan Ackermann bedauerte, die Instruktion schränke die Eigenverantwortung von Bischöfen und Diözesen ein. Münchens Kardinal Reinhard Marx forderte ein stärkeres Aufeinanderhören in der Kirche. 

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hingegen lobte die Instruktion und untermauerte seine Haltung noch einmal am Freitag in einem Gastbeitrag für katholisch.de. Auch der Augsburger Bischof Bertram Meier fand positive Worte und betonte, seine Diözese könne mit der neuen Vatikan-Instruktion "gut leben". Zuletzt schrieb auch der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper, dass er dem Dokument Positives abgewinnen könne. (cph)