Erzbischof sieht Konzilsjubiläum als möglichen Anlass für Kalenderreform

Neuer Vorstoß für gemeinsames Osterdatum von Katholiken und Orthodoxen

Aktualisiert am 09.03.2021  –  Lesedauer: 
Ein Priester trägt die Osterkerze zum Beginn der Feier der Osternacht in die noch dunkle Kirche.
Bild: © katholisch.de

Chambesy ‐ Das 1.700-Jahr-Jubiläum des Ersten Ökumenischen Konzils von Nizäa sei "eine gute Gelegenheit, die Christen über die Notwendigkeit einer Kalenderreform und eines gemeinsamen Osterdatums aufzuklären", sagt Erzbischof Job Getcha von Telmessos.

  • Teilen:

Für eine orthodoxe Kalenderreform spricht sich der Leiter der Ständigen Vertretung des Patriarchats von Konstantinopel beim Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) aus, Erzbischof Job Getcha von Telmessos. Mit Blick auf das 1.700-Jahr-Jubiläum des Ersten Ökumenischen Konzils von Nizäa 2025 meinte er im Newsletter der Vertretung, dies wäre "eine gute Gelegenheit, die Christen über die Notwendigkeit einer Kalenderreform und eines gemeinsamen Osterdatums aufzuklären, um den Beschlüssen des ersten Ökumenischen Konzils wirklich treu zu bleiben". Dass das östliche und das westliche Osterdatum in diesem Jahr zusammenfallen, sollte als Ermutigung in diese Richtung verstanden werden.

Der vatikanische Ökumene-Minister Kardinal Kurt Koch begrüßte den Vorstoß. "Ostern ist das höchste Fest der Christen. Deshalb wäre es ein sehr schönes und wichtiges Zeichen, wenn wir Christen für dieses Fest ein gemeinsames Datum hätten", zitiert in das Portal kath.ch. Dieser Wunsch liege "auch Papst Franziskus und auch dem koptischen Papst Tawadros sehr am Herzen". Ein gemeinsames Osterdatum zu vereinbaren, werde zwar nicht leicht sein; es lohne sich aber, sich dafür einzusetzen, so Koch.

Das Konzil von Nizäa habe nicht nur ein Glaubensbekenntnis verkündet, das universell werden sollte, sondern auch eine gemeinsame Osterfeier für die gesamte Christenheit sichergestellt, betonte Getcha. Zuvor gab es kein gemeinsames Datum, da einige Christen Ostern zusammen mit dem jüdischen Pessachfest feierten und andere am darauffolgenden Sonntag. In Nizäa wurde beschlossen, Ostern am ersten Sonntag nach dem Vollmond nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche zu feiern; der frühestmögliche Termin ist demnach der 22. März, der spätestmögliche der 25. April.

Das Konzil habe sich auf astronomische Daten - die Tagundnachtgleiche und den Vollmond - bezogen, um das Datum zu bestimmen, so der Erzbischof, und nicht auf einen bestimmten Kalender oder ein bestimmtes Fest, wie das jüdische Pessachfest. Dennoch seien die Kirchen "heute leider geteilt, was die Feier dieses großen Festes angeht. Der Grund dafür ist, dass nicht alle die gleichen Hilfsmittel verwenden". So verwendeten die Orthodoxen immer noch den Julianischen Kalender, der zur Zeit 13 Tage hinter der astronomischen Realität zurückliegt, und zudem auch alte Lunationstabellen, was zu einem verspäteten Osterdatum führe.

Kalenderreform wurde schon mehrmals diskutiert

Eine Kalenderreform sei zwar schon mehrmals diskutiert worden, so auf dem panorthodoxen Kongress von Konstantinopel 1923, wo auch angesichts des Widerwillens einiger Orthodoxer, den "römisch-katholischen" Gregorianischen Kalender zu übernehmen, der serbische Astronom Milutin Milankovic einen revidierten Julianischen Kalender vorgeschlagen habe. Dieser sei "tatsächlich präziser" gewesen als der Gregorianische, aber von einigen lokalen orthodoxen Kirchen nur für den Zyklus der feststehenden Feste akzeptiert worden, nicht aber für den österlichen Zyklus.

Getcha erinnerte daran, dass der ÖRK 1997 eine Konsultation abgehalten habe, um ein gemeinsames Osterdatum festzulegen. Diese empfahl, die nizänischen Normen beizubehalten, dass Ostern auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond fallen sollte, die astronomischen Daten, also die Frühlings-Tagundnachtgleiche und den Vollmond, aber mit möglichst genauen Methoden zu berechnen und als Grundlage dafür den Meridian von Jerusalem zu verwenden, dem Ort von Tod und Auferstehung Christi.

Ein simultanes Osterfest fand zuletzt im Jahr 2017 statt. Nachdem bereits in den ersten Jahrhunderten Christen um den richtigen Ostertermin gestritten hatten und das Konzil von Nizäa diesen Streit zunächst beendete, begann die Verwirrung 1582. In diesem Jahr reformierte Papst Gregor XIII. (1572-1585) die Zeitrechnung, um astronomische Fehler im bis dahin seit Julius Caesar geltenden Julianischen Kalender zu beseitigen. Diesem katholischen Alleingang folgten die Protestanten erst im 18. Jahrhundert. In den orthodoxen Kirchen wird seit dem 20. Jahrhundert je nach Land sowohl der Gregorianische als auch der alte Julianische Kalender benutzt. Bei der Berechnung des Ostertermins gilt allerdings allein der Julianische Festkalender - damit sollten neue Spaltungen in der Orthodoxie vermieden werden, nachdem bereits das Weihnachtsfest nicht von allen orthodoxen Kirchen zeitgleich gefeiert wird. (tmg/KNA/epd)

10.3., 8:40 Uhr: Ergänzt um Koch.