Pessach: Die jüdische Feier der Freiheit
Das Fest der ungesäuerten Brote

Pessach: Die jüdische Feier der Freiheit

Will Gott uns einengen und bevormunden? An Pessach bekennt das Judentum Gott feierlich als denjenigen, der aus Unterdrückung rettet und zur Freiheit beruft. In den vielen Ritualen dieses Festes kann jede jüdische Generation neu die Erfahrung der Befreiung machen.

Von Valerie Mitwali |  Bonn - 08.04.2020

Der jüdische Festkalender orientiert sich am Mond. Dieses Jahr beginnt Pessach am Abend des 8. April und dauert bis zum 16. April. An dem ersten und dem letzten Tag soll alle Arbeit ruhen. Das alttestamentliche Buch Exodus (hebräisch "Schemot") erzählt, dass die Israeliten als Fremde in Ägypten lebten und brutal unterdrückt wurden. Gott aber hörte ihre Klage und führte sie aus der Sklaverei heraus. An Pessach erinnern sich Juden auf der ganzen Welt an den Auszug aus Ägypten.

Auch nach neun Plagen wollte der Pharao die Israeliten nicht ziehen lassen. Daraufhin sandte Gott in der letzten Nacht an der Schwelle zur Freiheit eine zehnte Plage: Alle erstgeborenen Söhne in Ägypten starben. Verschont blieben nur die israelitischen Familien, die nach Gottes Weisung ihre Türpfosten mit dem Blut eines Lammes bestrichen hatten. Der Todesengel ging an ihren Häusern vorüber. "Pessach" bedeutet so viel wie "Vorübergehen". Im Neuen Testament wird die griechische Abwandlung "Pascha" (gesprochen Pas-cha) verwendet.

Vor dem Feiertag kommt der Hausputz

Weil die Zeit kurz vor der Befreiung knapp war, sollten die Israeliten nicht erst Sauerteig ansetzen. Pessach wird darum in der jüdischen Liturgie das "Fest der ungesäuerten Brote" genannt. Bis heute verzichten religiöse Juden während Pessach auf Gesäuertes und verwenden häufig sogar spezielles Geschirr. Um sicherzugehen, dass nirgendwo Krümel von gesäuertem Brot liegen, wird vor den Feiertagen das gesamte Haus geputzt.

Das Fest beginnt mit dem Seder-Abend. "Seder" bedeutet "Ordnung", denn der Abend folgt einem genauen Ablauf. Die Familien versammeln sich zu einem besonderen Abendessen: Die Speisen auf dem Sederteller haben jeweils symbolische Bedeutung. Zwei Bitterkräuter stehen für die bittere Zeit der Sklaverei und gebratenes Fleisch mit Knochen erinnert an das Pessach-Opfer im Jerusalemer Tempel. Mus aus Früchten steht für die harte Arbeit mit Lehmziegeln und einfaches Gemüse ruft die karge Nahrung der Ausgebeuteten in Erinnerung. Ein hartgekochtes Ei hat gleich mehrere Bedeutungen und symbolisiert neben menschlicher Fruchtbarkeit und Gebrechlichkeit auch die Zerstörung des Jerusalemer Tempels.

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Neben den Speisen des Sedertellers darf ungesäuertes Brot natürlich nicht fehlen. Das Salzwasser auf dem Tisch erinnert an die Tränen der Unterdrückten. Als Symbol der Freude werden im Laufe des Abends vier Gläser des besonderen Pessach-Weins getrunken. Viele Familien lassen einen Platz mit einem gefüllten Glas für den Propheten Elija frei, dessen Wiederkunft als Vorbote des messianischen Zeitalters erwartet wird. Erst nach dem Verzehr der symbolischen Speisen beginnt das eigentliche Festmahl.

Die neue Generation spielt am Seder-Abend eine besondere Rolle: Das jüngste Kind (bei Orthodoxen der jüngste Sohn) stellt vier berühmte Fragen, aus deren Antworten die Bedeutung des Festes hervorgeht. Die Eingangsfrage lautet: "Was unterscheidet diese Nacht von allen andern?". Gemäß der jüdischen Überlieferung durchlebt jede Generation ihren eigenen Exodus. Juden sollen Pessach so feiern, als seien sie selbst aus Ägypten ausgezogen.

Kein Fest der Rache

So handelte auch Jesus, der vor mehr als 2.000 Jahren mit seinen Freunden diese Feier beging. Dafür reiste er bis nach Jerusalem, denn zur Zeit des Tempels war Pessach ein Pilgerfest. Im Lukasevangelium sagt Jesus beim letzten Abendmahl: "Mit großer Sehnsucht habe ich danach verlangt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen" (Lk 22,15). Die Bezeichnungen für Ostern im Französischen ("pâques") und Italienischen ("pasqua") erinnern noch heute an die enge Verbindung zum jüdischen Pessach.

Trotz des erlittenen Unrechts ist Pessach kein Fest der Rache. Stattdessen trauern Juden am Seder-Abend auch um die getöteten Ägypter. Vor allem aber ist es ein fröhliches Fest. Durch Jahrhunderte der Verfolgung hindurch gedachten Juden an Pessach den befreienden Heilstaten Gottes. Jede jüdische Generation kann an diesem Feiertag neu die Erfahrung machen, zu einem Leben in Freiheit berufen zu sein. Denn Gott ist treu.

Von Valerie Mitwali

Aktualisiert am 8. April 2020.