Exerzitien: Spirituelle Selbstfindung in verschiedenen Formen
Klassiker und neue Formate

Exerzitien: Spirituelle Selbstfindung in verschiedenen Formen

Spiritea - Selbstfindung ist in. Die muss nicht nur aus beruflicher Verwirklichung bestehen – es gibt auch eine spirituelle Antwort: Exerzitien. Ob der "Klassiker", die Ignatianischen Exerzitien, oder neue Formen wie Surf-Exerzitien: Für jeden ist etwas dabei.

Von Melanie Ploch |  Bonn - 18.10.2021

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Selbstfindung ist im Trend: Nicht wenige Ratgeber werben damit, manche Menschen verbringen ein Jahr im Ausland, um "sich selbst kennenzulernen", andere setzen auf Sternzeichen-Vergleiche, besuchen kostenintensive Kurse oder suchen Berater auf. Doch all das muss nicht sein, denn in der katholischen Glaubenstradition gibt es seit vielen Jahrhunderten einen Weg nach Innen: Exerzitien. Die Bezeichnung kommt vom lateinischen Wort "exercitium", was übersetzt "Übung" heißt. Und darum geht es auch: um eine "geistliche Übung und Besinnung, die in Stille und unter Anleitung eine Einübung in Glauben und Gebet ermöglichen soll", wie unser Lexikon verrät. Aber was bedeutet das? Und wie kann man diese Übungen vollziehen?

Alles begann im 16. Jahrhundert: Damals entstanden die Ignatianischen Exerzitien, entwickelt von deren Namensgeber, dem heiligen Ignatius von Loyola. Wer diese vier Wochen auf sich nimmt, verbringt sie schweigend, dabei stehen Eucharistie, Meditation, Gebet, Evangelienbetrachtung und die Gewissenserforschung an.

Natürlich ist diese Exerzitien-Form heute nicht mehr für jedermann oder jederfrau etwas, doch es haben sich etwas modernere Varietäten entwickelt:

Surf-Exerzitien

Eine von vielen "besonderen" Exerzitien-Formen sind Surf-Exerzitien: Die Berliner Pastoralreferentin Esther Göbel bietet diese regelmäßig im Projekt "Surf & Soul" an der Ostsee an. Dabei im Vordergrund: "In der Natur sein, dem Alltag entfliehen und an manchen Stellen ins Staunen darüber kommen, wie schön diese Welt ist", wie die Theologin Im Juni 2020 gegenüber katholisch.de erklärte. Auch Kirchenferne könnten diese Erfahrung machen, so Göbel – ob für sie nun Gott mit im Spiel ist oder nicht. Impulse und kleine Übungen runden das Surf-Erlebnis ab.

Exerzitien auf der Straße

Ein radikales Angebot entwickelte in den 1990er Jahren der Jesuit Christian Herwartz. "Wenn man alle Vorurteile und Scheuklappen ablegt, sieht man etwas Neues", so das Motto der Exerzitien auf der Straße. Der Ordensmann lehnte sie an eine Stelle aus dem Lukasevangelium: "Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemanden auf dem Weg!" (Luk 10,4) Mit diesem Gedanken geht es für Menschen, die an diesen Exerzitien teilnehmen, ohne Geld oder Essen auf die Straßen. Es ist jedoch nicht vorgesehen, den Kontakt zu anderen Menschen zu scheuen: Eher ist man dazu eingeladen, die eigene Komfortzone zu verlassen, beispielsweise mit Menschen zu sprechen, die man sonst meiden würde. Mit offenen Augen durch die Straßen ziehen: Dabei kann man jedoch auch darüber nachdenken oder von dem inspirieren lassen, was einem gerade "vor die Füße fällt", etwa einem Spruch auf einem Werbeplakat. So lernen Menschen selbst die Straße, in der sie wohnen, neu kennen.

Wander-Exerzitien

Es muss nicht gleich der Jakobsweg sein: Ähnlich wie die Straßen-Exerzitien läuft auch die Form des Wanderns ab. Dabei haben nicht nur die Beine etwas zu tun, auch der Seele kann man etwas Gutes tun. Dabei können – immer die Schöpfung im Blick – zum Beispiel verschiedene Stationen in der Natur zum Nachdenken anregen. Beispielsweise gibt es im Sauerland einen spirituellen Wanderweg, der das Bergkloster Bestwig und die Abtei Königsmünster in Meschede verbindet.

Eine Gruppe Menschen wandert im Gebirge

Das Wandern: Dabei werden nicht nur die Beine betätigt.

Exerzitien im Alltag

Ebenso vom "Urvater" der Exerzitien, dem heiligen Ignatius von Loyola, stammen die Exerzitien im Alltag, die besonders praktisch sind, wenn man sich nicht unbedingt eine längere freie Zeit für die Selbstfindung einräumen kann. Hierbei sind regelmäßige Treffen und Gebetszeiten vorgesehen, die in den "normalen" Tag integriert werden können.

Tierische Selbstfindung

Für viele Menschen kann es auch beruhigend sein, Zeit mit Tieren zu verbringen. Das sensibilisiert auch auf die Schöpfung und deren Schutz. Wer keinen direkten Kontakt zu Tieren möchte, kann diese aus der Ferne beobachten. Beispielsweise hält die Congregatio Jesu, ein Frauenorden, der in der jesuitischen Tradition steht und auch Exerzitien anbietet, in Neuburg Alpakas. Die Deutsche Jugendkraft (DJK) im Bistum Limburg bietet außerdem Exerzitien mit Pferden an.

Daneben gibt es natürlich viele weitere Formen der Exerzitien, etwa Whisky-Exerzitien, Exerzitien für Paare oder Exerzitien für bestimmte Altersgruppen. In jedem der katholischen Bistümer kann man sich über Angebote in seiner Nähe informieren. Hilfe schafft auch die Homepage der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Diözesan-Exerzitien-Sekretariate (ADDES) oder der Deutschen Ordensobernkonferenz.

Von Melanie Ploch

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