Theologe Gerhards: Geschlossene Kirchen sind der "Anfang vom Ende"

Artikel

für mehr Inhalte nach links wischen!

Info

Glaube

Unsere Liebe Frau von Jerusalem

Der katholische Kalender nennt ihn "Unsere Liebe Frau in Jerusalem", die orthodoxe Tradition "Einführung der Gottesgebärerin in den Tempel" und die armenische Liturgie schlicht "Darstellung im Tempel": Der Gedenktag erinnert an die Erzählung, wonach Maria mit drei Jahren von ihren Eltern Joachim und Anna als "Gabe" in den Tempel nach Jerusalem gebracht wurde, damit sie unter den Tempeljungfrauen aufwächst. Im Neuen Testament ist von der Geschichte allerdings nichts zu finden. Lediglich das apokryphe Jakobus-Evangelium und der Koran (Sure 3) berichten davon. Auch deshalb schreckte die lateinische Kirchenleitung lange davor zurück – noch Papst Pius V. (1504-1572) weigerte sich –, den Gedenktag in den allgemeinen Festkalender aufzunehmen. Ursprünglich erinnerte der Tag an die am 21. November 543 unter Kaiser Justinian erfolgte Weihe der Kirche "Sancta Maria Nova", die in der Nähe des zerstörten Jerusalemer Tempels erbaut worden war. Im byzantinischen Reich ist das entsprechende Marienfest seit Anfang des achten Jahrhunderts nachweisbar. Drei Jahrhunderte später brachten zurückkehrende Kreuzfahrer den Gedenktag in ihre europäischen Heimatländer mit, wo er sich unter dem Titel "Mariä Opferung" immer weiterer Beliebtheit erfreute. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) bemühte sich mit dem neuen Namen "Gedenktag Unserer Lieben Frau in Jerusalem" an den historisch plausiblen Aufenthalt Marias in Jerusalem anzuknüpfen, ohne den genauen Inhalt enger zu bestimmen. So eröffnet dieser Marientag Raum für eine enorme Bedeutungsfülle: von Maria als lebendigen Tempel des Gottessohnes und die christliche Ökumene über den  jüdischen Glauben Marias, dessen Zentrum der Jerusalemer Tempel war, bis hin zu Gemeinsamkeiten mit der islamischen Überlieferung.

Zum Kalenderblatt

für mehr Inhalte nach links wischen!

Themen

Video