Dokument zur liturgischen Bildung in Seminaren angekündigt

Liturgiepräfekt in Sorge wegen traditionalistischer Neupriester

Aktualisiert am 25.02.2022  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Mit Papst Franziskus macht sich Liturgiepräfekt Roche Sorgen wegen Neupriestern, die – kaum aus dem Seminar – schon die vorkonziliare Liturgie feiern. Roche kündigt daher nun ein Dokument zur liturgischen Bildung von Priesterkandidaten an.

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Die Gottesdienstkongregation bereitet ein Dokument zur liturgischen Bildung von Seminaristen vor, um traditionalistischen Strömungen zu begegnen. In einem Interview mit der britischen Zeitschrift "The Tablet" (Donnerstag) sagte der Präfekt der Kongregation, Erzbischof Arthur Roche, dass Papst Franziskus sich um die Ausbildung von Priesterkandidaten sorge. Es sei nicht ungewöhnlich, dass neugeweihte Priester "beinahe sofort" anfangen würden, die vorkonziliare Liturgie zu feiern. Die Liturgiekongregation wirke bei den Seminaren darauf hin, "den Reichtum der liturgischen Reform" zu lehren, wie es das Zweite Vatikanische Konzil gefordert habe. Weitere Details zu dem geplanten Dokument gab Roche nicht bekannt.

Vor zwei Jahren hätte die Kongregation daher unter ihren Mitgliedern Gespräche angestoßen, um diese Problematik zu beraten. "Alle waren der Meinung, dass die Ausbildung in den Seminaren im Allgemeinen und im Leben der Kirche ziemlich unzureichend ist", so Roche. In diesem Kontext stehe auch die Vorgabe, dass Diözesanbischöfe den Heiligen Stuhl konsultieren müssen, bevor sie neugeweihten Priestern die Zelebration nach dem vor der Liturgiereform gültigen Messbuch erlauben. Die Vorgabe war im vergangenen Sommer mit dem Motu Proprio "Traditionis Custodes" eingeführt worden, mit dem Papst Franziskus die Feier der vorkonziliaren Liturgie deutlich eingeschränkt hatte.

Liturgiekonstitution als Magna Charta der Gottesdienstkongregation

Roche betonte, dass er die Aufgabe seiner Kongregation darin sehe, die Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils "Sacrosanctum Concilium" weiter umzusetzen. Die Konstitution sei die "Magna Charta" der Gottesdienstkongregation. Das Ziel des Papstes sei es, für Einheit in der Kirche zu sorgen. Dazu gehöre es, den Eindruck von zwei Kirchen mit zwei verschiedenen Liturgien zu beenden. "Natürlich sorgt sich Papst Franziskus wie seine Vorgänger um diejenigen, für die das schwierig ist." Daher bestehe die Möglichkeit weiter, das Messbuch von 1962 zu verwenden. "Doch es ist nicht die Norm. Es ist lediglich ein pastorales Zugeständnis."

Das Interview wurde nach Angaben von "The Tablet" vor dem Bekanntwerden eines Dekrets geführt, mit dem der Papst der Petrusbruderschaft die Feier der vorkonziliaren Liturgie umfassend und ohne die Einschränkungen von "Traditionis Custodes" gestattet. Roche betonte erneut, dass die Mehrheit der Bischöfe hinter der Einschränkung der Alten Messe stünde. Die Verschärfungen der Regelungen des Motu Proprio, die seine Kongregation im Dezember in der Form von "Responsa ad dubia", also "Antworten auf Anfragen", veröffentlicht hatte, gingen auf konkrete Fragen von Bischöfen zurück. (fxn)