Franziskus holt zweitägige Reise nach

Papstreise nach Malta: Migration und Menschenfreundlichkeit

Aktualisiert am 02.04.2022  –  Lesedauer: 
Papst Franziskus steigt in ein Flugzeug, um am 6. Juni 2015 nach Sarajevo zu reisen
Bild: © KNA

Vatikanstadt ‐ Erneut steht die Flüchtlingsfrage auf der Agenda einer Papstreise und auch die Missbrauchsaufarbeitung könnte auf Malta eine Rolle spielen. Viele hoffen auch auf eine Äußerung von Franziskus zum Ukraine-Krieg, die Ross und Reiter nennt.

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Die Reise kommt zu einer passend-unpassenden Zeit: Am Samstag reist Papst Franziskus nach Malta. Geopolitisch blickt die Welt gen Osten. Für den Papst bietet die nachgeholte zweitägige Reise in den Süden die Möglichkeit, den Finger erneut in die europäische Flüchtlingswunde zu legen. Auch wenn die Hilfe für ukrainische Flüchtlinge derzeit dringlich und die Hilfsbereitschaft enorm ist - die Probleme auf dem Mittelmeer bleiben. Die Menschen kommen aus dem Südsudan, dem Irak, dem Jemen oder Syrien. Länder der nicht enden wollenden Krisen.

Johannes Paul II. war zweimal im kleinsten Land Europas, Benedikt XVI. einmal. Geplant war die Reise von Franziskus für Mai 2020. Die Pandemie kam dazwischen. Aus ursprünglich einem Reisetag sind zwei geworden. Geblieben ist das Reisemotto: "Sie erwiesen uns ungewöhnliche Menschenfreundlichkeit." Die Aussage des Apostels Paulus aus dem Buch der Apostelgeschichte im Neuen Testament bezieht sich auf dessen Schiffbruch vor Malta und die Fürsorge der Malteser. Mit Paulus kam das Christentum nach Malta. Zugleich dürfte das Motto in vielfältiger Hinsicht mit Bedacht gewählt sein.

Die Aufnahme von Flüchtlingen ist auf Malta ein heikles Thema - gesellschaftlich und politisch. Die Insel ist dichter besiedelt als die meisten Länder der Welt. Jeder weitere Migrant scheint das Fass zum Überlaufen zu bringen. Seenotrettungsorganisationen beklagen die mangelnde Bereitschaft Maltas, schiffbrüchige Migranten aufzunehmen.

Kardinal Mario Grech
Bild: ©picture alliance/ASSOCIATED PRESS/Fabio Frustaci

Der Leiter des Synodensekretariats, Kardinal Mario Grech, stammt aus Malta.

Mit Staatspräsident Georg Vella und Premierminister Robert Abela dürfte das Thema Migration gesetzt sein. Die Auftakttermine der Papstreise am Samstag werden sicher auch auf die lange katholische Geschichte des Landes zu sprechen kommen. Etwa 85 Prozent der Malteser sind katholisch. Auch hier nimmt die Zahl seit einigen Jahren verstärkt ab: 2002 waren es noch 95 Prozent.

Dennoch bleibt Malta neben Polen eines der zahlenmäßig katholischsten Länder Europas. An vielen Stellen ist es streng katholisch, wobei etwa die strikte Abtreibungspolitik auf viel Kritik stößt. Zumal Malta auf dem europäischen Parkett mit der neuen EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola schlagartig ins Rampenlicht katapultiert wurde.

Gozo: Die Heimat von Kardinal Grech

Wie so oft bei Apostolischen Reisen ist wenig Zeit für lange Gespräche. Nach der Ansprache vor Vertretern der Regierung, der Zivilgesellschaft und des Diplomatischen Korps geht es per Katamaran auf die kleine maltesische Vorinsel Gozo. Dort will Franziskus am Nationalheiligtum Ta' Pinu beten und predigen, bevor es zurück nach Rabat in die Apostolische Nuntiatur geht.

Gozo ist im Vatikan kein unbekannter Name. Kein Geringerer als der Leiter des Synodensekretariats, Kardinal Mario Grech, stammt von dort. Er leitete das Bistum zudem von 2006 bis 2020, seit Herbst 2019 noch als Apostolischer Administrator, als er bereits Pro-Generalsekretär der Bischofssynode war. Grech wird Franziskus auf dieser Reise begleiten und erhofft sich ein Zeichen der Hoffnung und Glaubenstärkung vom Papstbesuch. Und ein Signal in Richtung Festland, dass Malta die Flüchtlingsfrage nicht alleine lösen kann.

Maltas Erzbischof Charles Scicluna feiert eine Gedenkmesse für die getötete Journalistin Daphne Caruana Galizia.
Bild: ©picture alliance / AP Photo / Rene Rossignaud

Maltas Erzbischof Charles Scicluna ist ein Vertrauer von Papst Franziskus.

Doch nicht nur Grech ist Malteser und Verbündeter des Papstes, vor allem für die Weltsynode. Ein weiterer Malteser, auf den Franziskus baut, ist der Erzbischof von Malta, Charles Scicluna. Zwar wurde der 62-Jährige in Toronto geboren, zog aber als Säugling mit seinen maltesischen Eltern in deren Heimat. Auch Scicluna wird Franziskus an vielen Stellen auf der Reise begleiten.

Am frühen Sonntag besucht der Papst die Paulusgrotte in der Pauluskirche in Rabat und im Anschluss zelebriert er die Messe in Valettas Vorort Floriana. Der letzte Programmpunkt auf der offiziellen Reiseagenda ist ein Treffen mit Migranten - fast schon ein Muss in den franziskanischen Reiseplänen. Ein Treffen mit Missbrauchsopfern wie es 2010 bei der Malta-Reise von Papst Benedikt XVI. stattfand, ist offiziell nicht vorgesehen.

Migration wird angesprochen werden

Dabei ist Scicluna einer von Franziskus' engsten Mitarbeitern im Kampf gegen sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. So beauftragte ihn der Papst 2018, die Vorwürfe zu Fällen sexuellen Missbrauchs in der chilenischen Kirche detailliert zu untersuchen. Und auch in der Migrationsfrage ist Scicluna klar auf der Linie des Heiligen Vaters. Seine Insel sei von Natur aus dazu berufen, "im Zentrum des Mittelmeers ein sicherer Hafen für alle unsere Brüder und Schwestern zu sein".

Auf der sogenannten fliegenden Pressekonferenz zurück von Malta nach Rom dürfte das Thema Flüchtlinge ebenfalls zur Sprache kommen. Dann stehen aber wohl die ukrainischen Kriegsflüchtlinge im Vordergrund. Und vielleicht gibt es dann doch eine Äußerung des Papstes zum Ukraine-Krieg, in der Russland konkret angesprochen wird. Viele wünschen sich das.

Von Anna Mertens (KNA)