Mehr ausdrücken als die "männlich weiße Vorstellung"

Katholische junge Gemeinde verwendet künftig Bezeichnung "Gott+"

Aktualisiert am 04.04.2022  –  Lesedauer: 

Düsseldorf ‐ Die Bezeichnung "Gott*" hat im vergangenen Jahr zu Diskussionen innerhalb des Jugendverbands KjG geführt. Nun hat sich die Bundeskonferenz der Katholischen jungen Gemeinde für eine leicht abgewandelte Version entschieden.

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Die Jugendverband Katholische junge Gemeinde (KjG) schreibt Gott künftig mit einem nachfolgenden Pluszeichen. "Die KjG hat sich auf die Suche nach Gottes+bezeichnungen gemacht, die mehr umfassen, als die männlich weiße Vorstellung von Gott+", heißt es in einer Pressemitteilung des Verbands vom Montag. Entsprechend einem Beschluss der Bundeskonferenz vom Wochenende drücke die KjG ihre Vorstellung von vielfältigen Gottesbildern künftig mit der neuen Bezeichnung aus. "Die Vorstellung von Gott+ als altem, weißem Mann mit Bart greift theologisch zu kurz und erschwert vielen jungen Menschen den Zugang zu Gott+." Die Diversität des Gottesbildes werde von der KjG nicht nur in ihrem Wortbild, sondern auch in Schriften und Aktionen des Verbandes ausgedrückt. Denn "wie wir von Gott+ sprechen, prägt auch unser Menschenbild".

Im September 2020 hatte die Katholische Studierende Jugend (KSJ) bei sich die Bezeichnung "Gott*" eingeführt. Der Jugendverband argumentierte damals ebenfalls mit den vielfältigen Gottesvorstellungen, die durch den Genderstern angedeutet würden. Die neue Schreibweise sei ein Weg "weg von dem strafenden, alten, weißen Mann mit Bart hin zu einer Gottes*vielfalt", so die KSJ. Mit dem Genderstern wolle man daher Gott aus der geschlechtlichen Ebene herausheben. Diese Schreibregelung sorgte bei kirchlichen Verbänden und Theologen für gemischte Reaktionen. In der KjG gab es im Oktober vergangenen Jahres eine Diskussion über die Verwendung der Schreibweise "Gott*". Der Jugendverband teilte damals mit, "engagiert und mit Sorgfalt auf der Suche nach Gottesbezeichnungen" zu sein.

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Die KjG-Bundeskonferenz hat am Wochenende zudem beschlossen, sich stärker für "eine demokratische, gleichberechtigte und solidarische Gesellschaft und Kirche" einzusetzen. Der Verband wende sich gegen jede Art er Ausgrenzung, Unterdrückung und Diskriminierung und verstehe queere Menschen als selbstverständlichen Teil der Kirche. Die Bundeskonferenz forderte weiter Reformen im Bereich der Sexualmoral und des kirchlichen Arbeitsrechtes sowie die Ehe für alle. "Als Verband begreift die KjG die Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identitäten als wertvollen Teil der göttlichen Schöpfung."

Zudem solidarisierte sich die KjG mit den Menschen in der Ukraine, die unter dem russischen Angriffskrieg litten. Antifaschismus und Inklusion wurden zu den neuen Schwerpunktthemen der KjG für die kommenden drei Jahre gewählt. Weiter wurde Lisa Holzer zur neuen Geistlichen Bundesleiterin ernannt. Die 28-jährige Pastoralassistentin und Beraterin beim Synodalen Weg erhielt bei der Bundeskonferenz 79 von 82 Stimmen. Die Bundeskonferenz ist das höchste Beschlussfassende Gremium der KjG und tagt einmal im Jahr. Ihr gehören etwa 90 Delegierte aus den 24 Diözesanverbänden an. Die KjG ist mit nach eigenen Angaben 80.000 Mitgliedern einer der großen Jugendverbände im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). (rom)