Bischöfe und Verbände äußern sich nach Ende des Treffens

Meier: Habe vierte Synodalversammlung als "gereizte Synode" empfunden

Aktualisiert am 12.09.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Man sei "auf der Zielgeraden" des Synodalen Wegs, sagt Augsburgs Bischof Bertram Meier nach der vierten Synodalversammlung. Ein entspanntes Klima sehe aber anders aus. Auch weitere deutsche Diözesanbischöfe zogen Bilanz.

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Nach dem Ende der vierten Synodalversammlung des Synodalen Wegs ziehen weitere Kirchenvertreter Bilanz. Für den Augsburger Bischof Bertram Meier ergibt sich ein differenziertes und zugleich hoffnungsvolles Fazit. "Wir sind auf der Zielgeraden", erklärte er laut seiner Pressestelle am Wochenende. Das Treffen in Frankfurt habe er als "gereizte Synode" empfunden. Ein entspanntes Klima sehe anders aus. Trotz der Anspannung sei das Tischtuch aber nicht zerschnitten: "Wir sind nicht auseinandergegangen, wir sind beisammengeblieben: ein Hoffnungszeichen." Er wies zudem darauf hin, dass das Reformprojekt in Deutschland in den von Papst Franziskus angestoßenen weltkirchlichen synodalen Prozess eingebracht und dort gegebenenfalls auch korrigiert werden müsse.

Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann kehrt nach eigenen Angaben "trotz des schwierigen Beginns ermutigt und bestärkt" von der Synodalversammlung zurück. Dass der Grundtext "Leben in gelingenden Beziehungen" in den Reihen der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) nicht die notwendige Mehrheit gefunden habe, "habe ich so nicht erwartet und hat mich auch persönlich enttäuscht", so Wiesemann. Allerdings sollte man auch sehen, dass über 61 Prozent der Bischöfe zugestimmt haben und dieser Text in der kommenden DBK-Herbstversammlung noch einmal intensiv beraten werde und deshalb nicht einfach verlorengehe. Er und sein Weihbischof Otto Georgens hätten dem Text "aus tiefer Überzeugung zugestimmt". Froh zeigte sich Wiesemann, dass andere Texte für einen "grundlegenden und notwendigen Wandel" in der Kirche verabschiedet werden konnten.

Der Münsteraner Bischof Felix Genn sagte nach dem Ende der Synodalversammlung, dass diese gezeigt habe, "dass wir weiter in der Schule der Synodalität sind: Und die Reifeprüfung haben wir noch nicht bestanden." Das Scheitern des Sexualmoral-Textes sei "ein gewisser Paukenschlag" gewesen. "Aber eine Zustimmung von 61 Prozent der Bischöfe ist ja auch nicht nichts", so Genn. Er unterstrich weiter die Wichtigkeit von Veränderungen in der Kirche: "Es ist notwendig, dass aufgrund des Missbrauch-Skandals in großer Ernsthaftigkeit überlegt wird, was in der Kirche verändert werden muss, damit solche Taten auf jeden Fall minimalisiert, am besten ganz verhindert werden."

Schick: Kirche darf niemanden ausgrenzen

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick rief zu einer großzügigen Willkommenskultur in der Kirche auf: "Im Erzbistum Bamberg gilt nach wie vor, dass alle Menschen unabhängig von ihrer Nationalität, sexuellen Orientierung, politischen Einstellung, Konfession und Religion etc. willkommen sind", schrieb er am Wochenende auf Facebook. "Wir streben die volle Gleichberechtigung von Frau und Mann an", ergänzte Schick: "Es wird nicht gleich gelingen, aber wenn wir aktiv daran arbeiten, werden wir zum Ziel kommen. Wir wollen katholische Kirche sein in Einheit und Gleichberechtigung, wir wollen in der Weltkirche gehört werden und hören, mitentscheiden und mitverantworten." Schick schrieb die Zeilen "aus gegebenem Anlass", ohne dies näher zu erläutern. An der Synodalversammlung hatte er wegen "termingebundener Gesundheitsuntersuchungen" nicht teilnehmen können, wie das Erzbistum Bamberg mitteilte.

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) zog eine gemischte Bilanz der Synodalversammlung. "Wir freuen uns über die Annahme des Grundtextes 'Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche', denn er ist ein wichtiger Schritt für Geschlechtergerechtigkeit und Zukunftsfähigkeit unserer Kirche", sagte KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth. Ein "Debakel" sei jedoch die Ablehnung des Grundtextes zur Sexualmoral seitens der Bischöfe. Der KDFB bedauere zudem, dass der Handlungstext "Maßnahmen gegen Missbrauch an Frauen in der Kirche" nicht behandelt werden konnte. "Wenn man bedenkt, dass Aufarbeitung und Verhinderung von Missbrauch der Anlass für den Synodalen Weg sind, dann ist die Nichtbefassung besonders misslich." Auch der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) zeigte sich "enttäuscht und bestürzt, dass eine Minderheit der Bischöfe dem lange und intensiv diskutierten Grundtext zur Sexualmoral nicht zugestimmt hat".

Bereits zuvor hatte es Reaktionen auf die vierte Synodalversammlung gegeben, die am Samstag nach dreitägigen Beratungen zu Ende gegangen war. Kardinal Reinhard Marx etwa kündigte an, "selbstverständlich" die bei der Vollversammlung des Synodalen Wegs gefassten Beschlüsse im Erzbistum München und Freising umsetzen zu wollen. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) zogen jeweils ein gemischtes Fazit des Treffens in Frankfurt. (tmg/KNA)