Eingegangene Reaktionen nach Aufruf würden nun sorgfältig geprüft

Erzbistum Köln: Im Fall Pilz weitere Hinweise auf Missbrauchsfälle

Aktualisiert am 16.09.2022  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Drei Monate ist es her, dass das Erzbistum Köln den Missbrauchsverdacht gegen den früheren "Sternsinger"-Präsidenten Winfried Pilz öffentlich gemacht hat. Inzwischen gibt es Hinweise auf weitere mögliche Fälle.

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Vor drei Monaten hat das Erzbistum Köln den Missbrauchsverdacht gegen den früheren "Sternsinger"-Präsidenten Winfried Pilz öffentlich gemacht – und inzwischen Hinweise auf weitere mögliche Fälle erhalten. Auf den Aufruf an mögliche und bisher unbekannte Betroffene, sich zu melden, habe es Reaktionen gegeben, teilte die Erzdiözese am Freitag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit. Alle eingegangenen Hinweise würden nun sorgfältig durch die Stabsstelle Intervention geprüft.

Zugleich bat das Erzbistum um Verständnis darum, keine weiteren Einzelheiten mitteilen zu können. Begründet wurde dies mit Datenschutz und Wahrung der Vertraulichkeit gegenüber den Personen, die sich an die unabhängigen Ansprechpersonen und die Stabsstelle Intervention wenden. Wichtig sei vor allem, den Betroffenen die notwendige Hilfe und Unterstützung anzubieten.

Hinweise schon im vergangenen Jahr

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Erzdiözese Hinweise auf mögliche weitere Betroffene erhalten. Weil folgende Recherchen nicht die erwünschten Kenntnisse erbrachten, veröffentlichte sie den Aufruf. Zugleich teilte sie mit, dass Pilz 2012 beschuldigt wurde, einen ihm unterstellten Mitarbeitenden und damit "schutzbedürftigen" Erwachsenen in den 1970er-Jahren missbraucht zu haben. Der damalige Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, erlegte dem Geistlichen 2014 eine Geldstrafe auf und verbot ihm den Kontakt zu Minderjährigen ohne Anwesenheit weiterer Erwachsener.

Pilz leitete von 2000 bis 2010 das in Aachen ansässige Kindermissionswerk, das immer zum Jahreswechsel die bundesweit bekannte Sternsingeraktion durchführt. Von 1972 bis 1989 arbeitete der Autor zahlreicher geistlicher Lieder als Diözesanjugendseelsorger und Rektor der Jugendbildungsstätte Haus Altenberg in Odenthal bei Köln. Von 2010 bis zu seinem Tod 2019 lebte und wirkte Pilz als Ruhestandsgeistlicher im Bistum Dresden-Meißen.

Um die Frage, ab wann der jetzige Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki Kenntnis vom Fall Pilz hatte, war zuletzt eine Diskussion entbrannt. Drei Priester erstatteten Strafanzeige gegen den Kardinal wegen des Verdachts einer falschen Versicherung an Eides statt im Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall. Wie die Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte, wird aufgrund dieser und einer weiteren Strafanzeige aktuell "das Vorliegen eines sogenannten Anfangsverdachts" geprüft, "von dessen Bejahung es dann abhängt, ob die Staatsanwaltschaft überhaupt zur Einleitung förmlicher Ermittlungen berechtigt und verpflichtet ist". Das Ergebnis dieser Prüfung stehe noch aus, hieß es. (tmg/KNA)