Interner Untersuchung könnte externe folgen

Sternsinger wollen Amtszeit von Winfried Pilz aufarbeiten

Aktualisiert am 14.07.2022  –  Lesedauer: 

Aachen ‐ Zehn Jahre lang war Winfried Pilz als Präsident des Kindermissionswerk als "Obersternsinger" bekannt. Nach dem Bekanntwerden eines Missbrauchs- und weitererer Verdachtsfälle will das Hilfswerk nun die Ära Pilz aufarbeiten – auch eine externe Studie ist denkbar.

  • Teilen:

Das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" will nach dem Bekanntwerden eines Missbrauchsfalls die Jahre 2000 bis 2010 aufarbeiten, in denen es von Winfried Pilz geleitet wurde. Das Hilfswerk teilte am Donnerstag mit, dass es zunächst damaligen Mitarbeitenden und Funktionsträgern Gespräche anbieten werde, außerdem würden interne Dokumente wie Personalunterlagen, Vorstandsakten und projektbezogene Unterlagen analysiert. Die Untersuchung werde voraussichtlich drei bis sechs Monate dauern. Das Kindermissionswerk kündigte an, über Erkenntnisse aus diesen unmittelbaren Maßnahmen im Rahmen des rechtlich Möglichen informieren. Außerdem prüft das Hilfswerk die Beauftragung einer externen unabhängigen Studie. Der zu untersuchende Zeitraum, der Untersuchungsgegenstand und das weitere Vorgehen sollen auf Grundlage der aus den unmittelbaren Maßnahmen gewonnenen Erkenntnisse mit einer noch auszuwählenden externen Institution vereinbart werden, hieß es in der Mitteilung.

Für die Gespräche mit den Mitarbeitern, die mit Pilz in Kontakt kamen, arbeite das Kindermissionswerk mit einer externen Beratung. Nach dem Aufruf des Erzbistums Köln an mögliche weitere Betroffene Ende Juni sei eine psychologische Krisenintervention sichergestellt. Für die Mitarbeitenden stünden seitdem externe Psychologinnen und Psychologen zu Gesprächen bereit. Auf der Webseite der Sternsinger wurden Inhalte, die mit Pilz in einem Zusammenhang stehen, mit einem Hinweis versehen. Auf eine vollständige Entfernung habe das Kindermissionswerk aus Gründen der Transparenz abgesehen. In der vergangenen Woche hatte der BDKJ dazu aufgerufen, Nachrufe und Ehrungen für Pilz durch einen Hinweis auf die Tat zu ersetzen.

Erzbistum Köln räumte Versäumnisse in der Kommunikation ein

Anfang Juli hatte bereits das Jugendhaus Düsseldorf (JHD), wo Pilz von 1977 bis 1983 als Referent für Glaubensbildung tätig war, eine erneute Sichtung seiner Archive angekündigt. Da er Kölner Diözesanpriester war, gebe es im Archiv des JHD keine Personalakten von ihm. Im Archiv des Jugendhauses lagert der musikalische Nachlasse von Pilz, zu dessen bekanntesten Werken das Neue Geistliche Lied "Laudato si" gehört. "Der weitere persönliche Nachlass ging nach unserem Kenntnisstand an das Diözesanarchiv des Erzbistums Köln", so der JHD-Sprecher. 

Ende Juli hatte das Erzbistum Köln mitgeteilt, dass gegen den 2019 verstorbenen Pilz 2014 aufgrund eines Missbrauchsfalls in den 1970er Jahren Sanktionen erlassen wurden. Nach erneuter Sichtung der Akten wurde der Fall 2018 an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet, die aufgrund von Verjährung allerdings nicht tätig wurde. Das Erzbistum ging an die Öffentlichkeit, da es neue Erkenntnissen zu mutmaßlichen weiteren Taten von Pilz gebe, und forderte mögliche Betroffene auf, sich zu melden. Das Kindermissionswerk, das Jugendhaus Düsseldorf und der BDKJ haben ebenso wie das Bistum Dresden-Meißen, wo Pilz zuletzt lebte, frühestens 2021 von den Sanktionen und den neuerlichen Vorwürfen erfahren. In der vergangenen Woche hatte das Erzbistum Köln Versäumnisse in der Kommunikation eingeräumt. Der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers kritisierte den Umgang mit dem Fall durch das Erzbistum deutlich. Er zeige "leider erneut, dass beim Thema Transparenz und Kommunikation insbesondere bei Fällen sexuellen Missbrauchs weiterhin dringender Verbesserungsbedarf besteht". (fxn)