Erzbischof Schick: Bischofskonferenz vor großen Herausforderungen
Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sieht die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) vor großen Herausforderungen. Die Bischöfe müssten "Wegweiser und Motoren" für eine Erneuerung der Kirche sein, sagte Schick in einem Interview für eine Sonderausgabe der Kirchenzeitung "Heinrichsblatt", das die Erzdiözese am Montag veröffentlichte. Die jüngeren Bischöfe in Deutschland hätten "andere Erfahrungen und Ideen" für die Zukunft der Kirche, so Schick: "Sie wollen die Kirche zum Werkzeug der Verkündigung der Frohen Botschaft, lebensdienlicher Gottesdienste und hilfreicher Caritas machen." Er wolle sie dabei unterstützen und seine Erfahrungen aus fast 25 Jahren als Bischof einbringen. Die Sonderausgabe der Zeitung des Erzbistums wurde anlässlich von Schicks Amtseinführung am 21. September 2002 als Erzbischof vom Bamberg veröffentlicht. Zuvor war er ab 1998 Weihbischof im Bistum Fulda gewesen.
Die Kirche befinde sich wie auch die Gesellschaft derzeit in einer Phase der Neuorientierung, so Schick weiter. In dieser Zeit des Umbruchs müsse man sich auf die im Glaubensbekenntnis genannten, grundlegenden Kennzeichen der Kirche besinnen: "Einigkeit, Heiligkeit, Katholizität und Apostolizität." Darüber müsse theologisch, spirituell, pastoral und auf allen Ebenen neu nachgedacht werden. Seine Erzdiözese sehe er für die Zukunft gut gerüstet: Schon jetzt gebe es in Bamberg "viele Formen der Synodalität". Zudem rief der Erzbischof dazu auf, mit aus der Kirche ausgetretenen Menschen im Gespräch zu bleiben. "Wir müssen ihre Gründe und Anliegen hören." Die Ausgetretenen sollten auch im "Synodalen Prozess" mitmachen, ihre Gründe, Vorstellungen und Anliegen seien für die Kirche von Bedeutung. Die Einstellung zu den Menschen dürfe für die kirchlichen Verantwortlichen jedoch "nicht sein: rekrutieren, sondern evangelisieren".
Nicht nur "Außenminister", sondern auch "Entwicklungsminister"
Die Kirche müsse eine geistliche Gemeinschaft in allen ihren Gliedern sein, so Schick. Das sei auch das Wichtigste bei allen Reformen: "Weniger Bürokratie mehr Spiritualität, weniger Institution mehr Frohbotschaft Jesu Christi, mehr Gemeinschaft mit Gott und untereinander, mehr Ökumene und interreligiöser Dialog." Auf seine Zeit als Vorsitzender der DBK-Kommission Weltkirche blickt Schick nach eigenen Worten mit Dankbarkeit zurück. "Die wichtigste Aufgabe als 'Außenminister' war für mich, den Menschen Mut zu machen, ihnen konkrete Hilfe zur Selbsthilfe zukommen zu lassen und ihnen Solidarität aus christlicher Nächstenliebe zu zeigen." Er habe sich zudem auch als "Entwicklungsminister" verstanden, der dazu beitragen wollte, "Entwicklung zum Besseren" zu ermöglichen. Schick war von 2006 bis 2021 "Weltkirche-Bischof" der DBK. Er gehört weiterhin der Kommission an.
Als eine der größten Veränderungen in seinen 20 Jahren als Erzbischof vom Bamberg betrachtete Schick die Bildung von 35 Seelsorgebereichen in der Erzdiözese. Die Umstrukturierung habe sich bewährt, nun müsse man die pastoralen Einheiten noch mehr aktivieren. Es sei sein Anliegen gewesen, den sinkenden Gläubigen- und Priesterzahlen durch die neuen Strukturen Rechnung zu tragen. Gleichzeitig solle die Kirche "im Dorf bleiben, aber über den eigenen Kirchturm hinausschauen", sagte Schick.
In einem Grußwort für die Sonderausgabe des "Heinrichsblatts" würdigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den Erzbischof als "Freund klarer Worte und Mann des Dialogs". Er stehe für das Besondere und vermittele das Gemeinsame. "Er ist ein moderner Kirchenführer in unserer Zeit", so Söder. Der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, schrieb: "Der weltweite missionarische Einsatz und die Verbesserung der Situation von Christinnen, Christen und Menschen anderer Glaubensrichtungen sind für Ludwig Schick Anliegen und Berufung." Als "Weltkirche-Bischof" habe er an vielen Orten der Welt Anteil an den Leben der Menschen genommen und den Dialog für Frieden und Gerechtigkeit gesucht. (rom)