Ab Sonntag neuer Bischof von Eichstätt

Würtz vor Amtseinführung: Spüre freudige Erwartungshaltung

Der neue Eichstätter Bischof Christian Gärtner in einem
Bild: katholisch.de / Christoph Brüwer

Am Sonntag wird Christian Würtz offiziell in sein Amt als neuer Eichstätter Bischof eingeführt. Am Rande der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) sprach der 55-Jährige im katholisch.de-Interivew über die Herausforderungen im Bistum, seine Haltung zum Synodalen Weg und seine Pläne, um bis zur bischöflichen Altersgrenze fit zu bleiben.

Frage: Bischof Würtz, am Sonntag werden Sie in Ihr Amt als neuer Eichstätter Bischof eingeführt. Wie groß ist die Aufregung bei Ihnen?

Würtz: Gar nicht so groß. Davor gibt es noch sehr viele andere Dinge, die Herbstvollversammlung zum Beispiel mit vielen spannenden Themen. Ich spüre langsam eher eine freudige Erwartungshaltung.

Frage: Sie waren schon über sieben Jahre Weihbischof in Freiburg. Was ist aus Ihrer Sicht die größte Umstellung, wenn Sie jetzt Ihr Amt als Diözesanbischof antreten?

Würtz: In Freiburg hatte ich doch ein begrenztes Aufgabenfeld. Ich war vor allem für die Priesterausbildung und die Hochschulen zuständig. Jetzt als Diözesanbischof bin ich irgendwie für alles zuständig. Es ist also eine viel größere Aufgaben- und Themenfülle, die da auf mich zukommt. Bisher war ich eher in der zweiten Reihe – jetzt stehe ich auf einmal ganz vorne.

Frage: Worauf freuen Sie sich besonders?

Würtz: Ich freue mich besonders auf die Menschen, denen ich begegnen und die ich kennenlernen werde in meinem Bistum.

Blick auf den Eichstätter Dom
Bild: © KNA/Katharina Gebauer (Symbolbild)

Das Bistum Eichstätt steht vor einigen Herausforderungen. In alle konnte der neue Bischof Christian Würtz sich noch nicht einarbeiten.

Frage: Ihre Ernennung ist schon ein paar Monate her. Inwieweit haben Sie schon Einblicke gewonnen in das Bistum und in die Herausforderungen, die jetzt anstehen?

Würtz: Ich war schon mehrfach in Eichstätt, habe mich dort auch schon mit verschiedenen Mitarbeitenden des Ordinariats und der Kurie getroffen. Ich habe mich allerdings noch nicht im Detail in manches eingearbeitet. Es gibt im Kirchenrecht eine gute Bestimmung, die ausdrücklich festlegt, dass der ernannte Bischof sich noch nicht in die Geschäfte der Diözese einmischen soll, sondern dass das erst kommt, wenn er im Amt ist.

Frage: Diözesanadministrator Alfred Rottler hat im vergangenen Jahr zur Bischofssuche gesagt, dass das Thema Synodalität ganz oben auf der Agenda eines neuen Bischofs stehen müsste. Wollen Sie ein synodaler Bischof sein?

Würtz: Ja, auf jeden Fall! Das hat uns schon Papst Franziskus (2013–2025) aufgegeben, der gesagt hat, dass die Kirche im dritten Jahrtausend den Auftrag hat, eine synodale Kirche zu sein. Das werde ich auch in der Diözese Eichstätt umsetzen. Und das entspricht auch meinem Naturell: Ich sehe mich eher als Teamplayer – auch im Bewusstsein, dass ich manche Entscheidungen dann am Schluss allein treffen und verantworten muss. Dafür ist es aber gut, vorher mit denen, die es angeht, und mit denen, die eine Fachkompetenz haben, zu sprechen.

Frage: Was bedeutet das konkret in Ihrem Arbeitsalltag, ein synodaler Bischof zu sein?

Würtz: Ich glaube, wenn man synodal unterwegs sein will, dann ist es wichtig, dass man wirklich gut aufeinander hört, dass man auch Stimmen wahrnimmt, die nicht ohne Weiteres immer gleich laut zu vernehmen sind und dass man eben die Leute, die es betrifft und die eine Fachkompetenz haben, gut in Entscheidungen mit einbezieht.

Mikrofone auf Tischen, im Hintergrund das Synodalkreuz und das Logo des Synodalen Weges
Bild: © KNA/Bert Bostelmann (Symbolbild)

Der emeritierte Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke war ein Kritiker des Synodalen Wegs, am Synodalen Ausschuss nahm er nicht teil. Zur Synodalkonferenz sagt der neue Eichstätter Bischof Christian Würtz: "Wenn die Synodalkonferenz von Rom als Gremium anerkannt wird, dann sehe ich keinen Grund, dort nicht mitzumachen. "

Frage: Gibt es dabei auch Grenzen?

Würtz: Synodalität bedeutet nicht ohne Weiteres Demokratie. Da gibt es schon Unterschiede. Aber ich glaube, wenn man gut gemeinsam unterwegs ist, kommen diese Grenzen gar nicht zum Tragen.

Frage: Ihr Vorgänger in Eichstätt, Bischof Gregor Maria Hanke, war bekanntermaßen ein Kritiker des Synodalen Wegs und hat beispielsweise am Synodalen Ausschuss gar nicht teilgenommen. Planen Sie, hier einen anderen Weg einzuschlagen?

Würtz: Ich werde mich in den kommenden Wochen zunächst einmal mit dem Vorstand des Diözesanrats treffen, der sich gerade neu konstituiert hat. Dort werde ich hören, wie die Stimmung ist. Aber es ist ein Auftrag an uns alle, synodal unterwegs zu sein. Da kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, dass wir uns als Diözese komplett ausklinken, sondern dass wir den Weg, den die ganze Kirche in Deutschland geht, mitgehen.

Frage: Die Kirche in Deutschland wartet gerade auf die Recognitio für die Satzung der Synodalkonferenz. Wären Sie – wenn die Recognitio kommt – auch bei diesem Gremium dabei?

Würtz: Wenn die Synodalkonferenz von Rom als Gremium anerkannt wird, dann sehe ich keinen Grund, dort nicht mitzumachen.

Das wird sicherlich eine Zeit sein, die viel Kraft und Energie kostet.

— Bischof Christian Würtz

Frage: Ab Sonntag sind Sie mit 55 Jahren der jüngste Diözesanbischof in Deutschland. Laut Kirchenrecht haben Sie also rund 20 Jahre Zeit, bis Sie dem Papst Ihren altersbedingten Rücktritt einreichen müssen. Macht Ihnen das Sorgen, dass das so eine lange Zeit ist?

Würtz: Mir ist schon bewusst, dass das eine lange Zeit ist und dass in diesen 20 Jahren viel passieren kann, was wir heute noch gar nicht absehen können. Das wird sicherlich eine Zeit sein, die viel Kraft und Energie kostet. Auf der anderen Seite hoffe ich doch auch, dass ich in diesen 20 Jahren viel Schönes erleben darf.

Frage: Sie haben das Thema Kraft angesprochen: Zuletzt sind die Bischöfe Karl-Heinz Wiesemann und Heinrich Timmerevers vorzeitig zurückgetreten und haben das auch mit Ihren schwindenden Kräften begründet. Was wollen Sie tun, damit Ihnen die Kräfte, die dieses Amt kostet, nicht ausgehen?

Würtz: Ich denke, dass es wichtig ist, dass man Hobbys oder andere Dinge hat, mit denen man sich abseits von Theologie und Verwaltung beschäftigt. Mir hilft es immer wieder, spazieren oder wandern zu gehen. Dabei bekomme ich eigentlich ganz gut den Kopf frei. Dazu beschäftige ich mich auch gerne mit Kunst.

Frage: Wenn Sie auf die Zeit in 20 Jahren vorausblicken: Wie sollte die Kirche dann aussehen? Welche Veränderungen würden Sie sich wünschen?

Würtz: Ich wünsche mir, dass die Kirche auch in 20 Jahren eine Gemeinschaft ist, in der der Glaube gut gelebt werden kann und dass die Kirche dazu beiträgt, dass das Reich Gottes immer mehr Wirklichkeit wird.

Christoph Brüwer